Examensarbeit, 2006
107 Seiten, Note: 1,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einleitung
2. Untersuchungen der derzeit gültigen Vorgaben des Deutschunterrichts
2.1 Überblick über die Länder der Bundesrepublik
2.1.1 Allgemeine Situation
2.1.2 Inhaltlicher Überblick
2.1.3 Detaillierter Überblick über zwei ausgewählte Länder
2.1.3.1 Bayern
2.1.3.2 Niedersachsen
3. Historische Entwicklung der gegenwärtigen Situation
3.1 Der Lektürekanon im Deutschunterricht vor 1960
3.2 Der Lektürekanon in der Zeit der curricularen Wende
3.3 Aktuelle Entwicklungen
3.3.1 Die PISA-Studie
3.3.2 Die Bildungsstandards der KMK
4. Kanondiskussionen
4.1 Begriffsdefinition und Kanonmodelle
4.2 Kanondiskussion in der Öffentlichkeit
4.3 Kanondiskussion und -forschung in der Germanistik
4.3.1 Kanon und Kultur
4.3.2 Kanon und Macht
4.3.3 Kanon und Wertung von Literatur
4.4 Kanondiskussion in der Fachdidaktik
4.4.1 Lektürekanon und Tradition
4.4.2 Lektürekanon und seine Funktionen
4.4.3 Lektürekanon und Elite
4.4.4 Lektürekanon und Wertungskriterien
5. „Was bleibt?“ – Ergebnis der Diskussion
5.1 Aspekte gegen einen Kanon
5.2 Aspekte für einen Kanon
5.3 Kanonalternativen
6. Schlussbetrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle fachdidaktische Debatte um die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit eines verbindlichen Lektürekanons im Deutschunterricht an Gymnasien vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen und moderner bildungspolitischer Rahmenbedingungen wie der PISA-Studie und den Bildungsstandards der KMK.
3.2 Der Lektürekanon in der Zeit der curricularen Wende
Die Zeit der Reform des Deutschunterrichts und damit auch des literarischen Kanons fällt nicht zufällig in die Zeit der Studentenproteste der 60er Jahre. Beides sind Ausdrücke ein und derselben gesellschaftlichen Entwicklung: vom besetzten „Nachkriegsdeutschland“ hin zu einer demokratischen, mündigen und kritischen Republik.
In der Zeit von 1945 bis zum Ende der 60er Jahre wurden im Deutschunterricht nicht nur politische Diskussionen vermieden. Auch Debatten über Erziehungsziele und -inhalte blendeten die meisten Pädagogen, Politiker und Eltern aus. Stattdessen stand die werkimmanente Interpretation klassischer Texte im Vordergrund des muttersprachlichen Unterrichts. Wie bereits erwähnt, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Traditionen der Weimarer Republik zurückgegriffen, da „alles zu dieser Zeit als demokratisch galt“. In den Augen der Konservativen sollte der Deutschunterricht gänzlich unpolitisch sein und zeitlose Verhaltensweisen und Werte erarbeiten und vermitteln. Die Werke der deutschen Klassik waren auf Grund ihres Idealismus daher geradezu prädestiniert, dieses Bildungsziel zu erreichen. An eine Behandlung und Aufarbeitung der Kriegsschuld im Unterricht war ebenso wenig zu denken wie an die Heranführung gegenwärtiger Literatur. So wurden laut HOHMANN die Fragen des denkenden Schülers von heute mit Phrasen von vorgestern beantwortet. Kritiker dieses Deutschunterrichts forderten, dass „der Zeit- und Gesellschaftsbezug von Sprache und Literatur bewusst gemacht und unter der Zielsetzung des Humanen und Demokratischen kritisch hinterfragt werden soll.“
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das zentrale Thema ein, ob ein verbindlicher Lektürekanon im heutigen Deutschunterricht nutzlos oder notwendig ist, und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Untersuchungen der derzeit gültigen Vorgaben des Deutschunterrichts: Dieses Kapitel analysiert die aktuellen, heterogenen Literaturvorgaben für das Gymnasium in verschiedenen Bundesländern am Beispiel Bayerns und Niedersachsens.
3. Historische Entwicklung der gegenwärtigen Situation: Hier wird die Genese des Lektürekanons von den Lateinschulen über die Klassik bis hin zu den Einflüssen der PISA-Studie und der KMK-Bildungsstandards erläutert.
4. Kanondiskussionen: Das Kapitel bietet eine tiefgehende Analyse wissenschaftlicher und fachdidaktischer Debatten über Begriffsdefinitionen, Machtstrukturen und Wertungskriterien bei der Kanonbildung.
5. „Was bleibt?“ – Ergebnis der Diskussion: Hier erfolgt eine Synthese der Pro- und Contra-Argumente, die zu der Schlussfolgerung führt, dass ein starres Kanonmodell nicht mehr zeitgemäß ist, wohl aber flexible Alternativen.
6. Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass ein Lektürekanon als „Konstrukt auf Widerruf“ sinnvoll sein kann, sofern er transparenten Kriterien folgt und den Unterricht bereichert.
Lektürekanon, Deutschunterricht, Bildungspolitik, Literaturvorgaben, PISA-Studie, Bildungsstandards, Fachdidaktik, Kanondiskussion, Literaturgeschichte, Kultur, Kerncurriculum, Lesekompetenz, Textauswahl, Schulpraxis, Bildung.
Die Arbeit untersucht, ob die Einführung eines verbindlichen Lektürekanons im Deutschunterricht an deutschen Gymnasien in der heutigen Zeit sinnvoll oder gar notwendig ist.
Die Arbeit beleuchtet die aktuelle Situation in verschiedenen Bundesländern, die historische Entwicklung, bildungspolitische Einflüsse (PISA, KMK) sowie theoretische Debatten um Kanon, Macht und kulturelle Identität.
Das Ziel ist es, das Für und Wider einer Kanoneinsetzung fachdidaktisch zu erörtern und zu klären, ob und in welcher Form ein solcher Kanon in der momentanen schulischen Situation realisierbar wäre.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung von Primärquellen (Lehrpläne, Bildungsstandards) sowie Sekundärliteratur aus der Literaturwissenschaft und Fachdidaktik.
Der Hauptteil analysiert die aktuelle Lage der Literaturvorgaben, deren historische Wurzeln, die Auswirkungen moderner Bildungsstandards und führt eine kritische Kanon-Debatte hinsichtlich Kultur, Macht und Wertungskriterien.
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Lektürekanon, Deutschunterricht, Bildungsstandards, PISA, Kanonbildung und Literaturdidaktik geprägt.
Während Bayern detaillierte inhaltliche Vorgaben ohne explizite Werknennung (außer Faust I) macht, ist die Situation in Niedersachsen durch eine Umstellung auf Kerncurricula und eine stärkere Schwerpunktsetzung beim Abitur gekennzeichnet.
Das „Konstrukt auf Widerruf“ bezeichnet eine flexible, didaktisch begründete Lektürevorgabe, die einen festen Kern mit offenen Rändern kombiniert, anstatt ein starres, rigides Curriculum vorzugeben.
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