Wissenschaftlicher Aufsatz, 1979
7 Seiten
1. DAS SCHICHTENVERHÄLTNIS IM MUSIKKUNSTWERK
Die vorliegende Arbeit untersucht die schichtenästhetische Struktur des Musikkunstwerks im Vergleich zu anderen Künsten wie der Malerei und Dichtung, um zu klären, ob Musik ein mehrschichtiges Gebilde darstellt und wie das ontologische Trageverhältnis ihrer Schichten beschaffen ist.
Die erste (Material-)Schicht des Musikkunstwerks
In der ersten (Material-)Schicht des Musikkunstwerks sind uns Töne gegeben, und zwar in ihren fünf Eigenschaften: Tonhöhe (oder -frequenz), -intensität (oder Lautstärke), -farbe (oder Timbre), -dauer und -richtung (die letztere spielt erst in der elektronischen Musik eine hervorragende Rolle). Ebenfalls zur ersten Schicht gehören aber die negativen Gegenpole der Töne, die als Tonlosigkeit (= Pausen) und als gegenseitige Verdeckung von Tönen (= Geräusch) auftreten und sich mit den Tönen verbinden. Den Tönen entsprechen in der Malerei die Farben mit ihren Qualitäten: Farbton (oder -frequenz), -intensität, -abschattung (oder Farbtimbre). Tondauer und -richtung finden in der Malerei natürlich keine Entsprechung, weil die letztere nicht "in der Zeit verläuft" und nur jeweils aus einer Richtung kommt. Ebenfalls zur ersten Schicht der Malerei gehört jedoch die Negation der Farben, die als Farblosigkeit (= Schwarz, Farbfrequenzen werden entweder nicht ausgesendet oder nicht reflektiert) und als gegenseitige Neutralisierung von Farben (= Grau nach der Brechung, Weiß vor der Brechung) auftreten und sich mit den Farben verbinden.
1. DAS SCHICHTENVERHÄLTNIS IM MUSIKKUNSTWERK: Das Kapitel führt in die schichtenästhetische Fragestellung ein, ob Musik ein einschichtiges oder mehrschichtiges Kunstwerk ist und wie insbesondere das Fehlen einer gegenständlichen Mittelschicht ontologisch zu bewerten ist.
Schichtenästhetik, Musikkunstwerk, Ontologie, Materialschicht, Koordination des Materials, absolute Musik, Programmmusik, Zeitstruktur, Bewegung, Stimmung, Gefühl, Schichtenmodell, Kunstarten, ästhetische Theorie, Ausdruckskraft
Die Arbeit untersucht die ontologische Struktur des Musikkunstwerks aus schichtenästhetischer Perspektive und vergleicht diese mit anderen Künsten.
Zentrale Themen sind der Aufbau von Kunstwerken in verschiedenen Schichten, der Vergleich von Tönen und Farben sowie die besondere Stellung der Musik aufgrund ihrer Zeitlichkeit und Ungegenständlichkeit.
Das Ziel ist es zu belegen, dass Musik ein mehrschichtiges Gebilde ist, bei dem die fehlende gegenständliche Schicht nicht zum Zusammenbruch des ontologischen Trageverhältnisses führt.
Es wird das philosophische Schichtenmodell angewandt, um die verschiedenen Schichten des Musikkunstwerks (Material, Koordination, Gehalt) zu systematisieren und mit anderen Kunstarten zu vergleichen.
Der Hauptteil analysiert die Materialschicht (Töne/Farben), die Koordinationsschicht (Harmonik/Melodik) sowie die Rolle der Bewegung und der Stimmungen im Vergleich von Musik, Malerei und Dichtung.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schichtenästhetik, Ontologie, Materialschicht, Zeitstruktur und emotionale Gehalte geprägt.
Da Musik ein bewegtes Medium ist und Bewegung als Äußerung von Lebendigkeit wahrgenommen wird, kann sie emotionale Qualitäten unmittelbar auf der Schicht des koordinierten Materials aufbauen lassen.
In der Musik sind die Zeit des Vortrags und die erzählte Zeit identisch, während in der Dichtung eine Differenz zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit besteht.
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