Wissenschaftlicher Aufsatz, 1991
8 Seiten
‚Camp’ und ‚Kitsch’
Neue Konzepte der Internationalen Ästhetik in der Literaturwissenschaft
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den in der Literaturwissenschaft zunehmend relevanten Begriff „Camp“ präzise zu definieren und von verwandten Phänomenen wie „Kitsch“ und „Sentimentalität“ abzugrenzen. Die Untersuchung analysiert die Entstehung, die ästhetische Funktion und die soziologische Verankerung von Camp als eine spezifische Erlebnisweise, die insbesondere in späten Kulturepochen auftritt.
Die Abgrenzung von Camp und Kitsch
So ist etwa beim Erkennen von Sentimentalität oder Kitsch entscheidend, wie viel künstlerische Erfahrung und Bewusstheit (sophistication) wir in das Kunsterlebnis einbringen. Es lassen sich grundsätzlich vier Möglichkeiten unterscheiden: Nach strengen Maßstäben negativ zu bewertende Stilqualitäten wie etwa Sentimentalität können 1. naiv dargeboten und genossen werden, wie z.B. in mehreren Varianten des naiven Bänkelsangs und Küchenlieds; 2. sie können bewusst erzeugt und naiv erlebt werden, wie z.B. im größten Teil der Schlagerproduktion, aber auch in vielen „Heimatfilmen“; 3. sie können naiv produziert und (zumeist später) mit kritischer Distanz genossen werden, wie z.B. bei parodistischer Verwendung von Volkslied- und Bänkelsangtexten in Kabarettprogrammen; 4. sie können ironisch (parodistisch) erzeugt in gleicher Haltung genossen werden, wie etwa im sogen. stilisierten Bänkelsang seit Moncrif und im literarischen Chanson seit Wedekind.
Nur in den beiden letzten Konstellationen kann sich auch die Erlebnisweise entwickeln, die wir „camp“ nennen. Und daran wird nochmals deutlich, dass es sich um eine „publikumsbezogene“ Haltung handelt und nicht etwa um eine autorbezogene, vorwiegend um eine Erlebnisweise und nicht um eine Schaffensweise. Kitsch kann also naiv oder bewusst erzeugt, jedoch nur naiv genossen werden. Wenn er bewusst genossen wird, sollten wir ihn „Camp“ nennen. Dem Produzenten sentimentaler oder kitschiger Produkte mag der „wahre“ Charakter seiner Erzeugnisse nicht bewusst sein. Es gibt intendierten und naiven Kitsch. Den letzteren bezeichnen wir gelegentlich als „gut gemeint“. Nur wenn wir Kitsch erkennen und ihn dennoch genießen, erleben wir camp. Wir sind also auf „artistische Distanz“ eingestellt. Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf das WIE und weniger auf das WAS. Camp ist eine komplexe Erlebnisweise, nicht eine einfache wie etwa Fröhlichkeit oder Trauer.
‚Camp’ und ‚Kitsch’: Die Einleitung führt in die Problematik der literaturwissenschaftlichen Terminologie ein und positioniert „Camp“ als Gegenstand einer notwendigen Abgrenzung gegenüber Kitsch und Sentimentalität.
Neue Konzepte der Internationalen Ästhetik in der Literaturwissenschaft: Dieser Abschnitt vertieft die theoretische Analyse, erläutert die Erlebnisweise des Camp im Kontext von Literatur und Gesellschaft und beleuchtet die Bedeutung der „artistischen Distanz“ für den Rezipienten.
Camp, Kitsch, Literaturwissenschaft, Ästhetik, Erlebnisweise, artistische Distanz, Sentimentalität, Publikumsbezug, High Camp, Low Camp, Ironie, Kunstsoziologie, Rezeptionsästhetik, Stilepochen.
Die Arbeit untersucht den Begriff „Camp“ innerhalb der Literaturwissenschaft, definiert seine spezifischen Merkmale und grenzt ihn von verwandten Begriffen wie Kitsch ab.
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Camp-Erlebnissen, die ästhetische Distanz des Publikums sowie die historische Entwicklung von Kunststilen und deren Wahrnehmung.
Das Ziel ist eine präzise Definition von „Camp“ als Erlebnisweise, um die bisher unzureichenden oder missverständlichen Definitionen in der Literaturwissenschaft zu korrigieren.
Die Arbeit verwendet eine terminologisch-begriffliche Analyse, kombiniert mit einer medien- und rezeptionsästhetischen Untersuchung von literarischen Beispielen.
Der Hauptteil analysiert die Unterscheidung zwischen „High“ und „Low Camp“, die Rolle des Publikums als zentraler Akteur im Camp-Erleben und die literarische Umsetzung durch Autoren wie Thomas Mann.
Wichtige Begriffe sind Camp, Kitsch, artistische Distanz, Publikumsbezug, Erlebnisweise und die historische Einordnung in späte Kulturepochen.
Während Kitsch oft naiv erlebt wird, zeichnet sich Camp durch eine bewusste, distanzierte Wahrnehmung aus, bei der die künstlerische Form („das Wie“) stärker gewichtet wird als der Inhalt.
Thomas Mann dient als Beispiel für einen intellektuellen Erzähler, der spielerisch mit der Distanz zum eigenen Werk und zum Publikum kokettiert, was ihn in die Nähe einer hochgradigen Camp-Erlebnisweise rückt.
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