Magisterarbeit, 2006
72 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Die Darstellung der Gesellschaften im ‚Parzival’
2.1 Die Besonderheiten der Gahmuretgesellschaft
2.2 Die Strukturen der Artusgesellschaft
2.2.1 Artuskönigtum und Schastel marveile
2.2.2 Die Zeichnung der Figur König Artus
2.2.3 Der Artushof und die Institution der Tafelrunde
2.3 Die Gralgesellschaft
2.3.1 Gralkönigtum und die Gralburg
2.3.2 Die Beschreibung des Grals
2.3.3 Die Gralritter
3 Parallelen und Unterschiede von Artus- und Gralgesellschaft
4 Schlussbemerkung
5 Bibliographie
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Struktur der verschiedenen Gesellschaftsmodelle in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwieweit die Artusgesellschaft, die Gralgesellschaft sowie die vor-arturische Ritterwelt als eigenständige Modelle fungieren, welche Rolle Parzivals Verbindung zu diesen Kreisen spielt und wie die beiden Hauptzentren, die Burgen Schastel marveile und Munsalvaesche, in ihrer gesellschaftlichen Organisation sowie durch ihre jeweiligen Erlöserfiguren in Beziehung zueinander stehen.
2.2.2 Die Zeichnung der Figur König Artus
„ […] Artus erscheint von seinem ersten Auftreten an als mächtiger Fürst und Herrscher inmitten eines großen, illustren Gefolges. Die Achtung und Verehrung, die er genießt, sind allgemein […]“.
Seine erste Erwähnung hat König Artus schon in Vers 65,29, wo er als Sohn des Königs Utrepandragûn eingeführt wird, der auf der Suche nach seiner entführten Mutter ist. Doch erst im dritten Buch kommt es zu einer näheren Einführung des Königs. Sein Name wird durch den Ritter Karnahkarnanz erwähnt, als es um die Frage geht, wer Ritterschaft verleiht. Dies wird in seinen Worten besonders betont:
daz tuot der künec Artûs. / junchêrre, komt ir in des hûs, / der bringet iuch an ritters namn, / daz irs iuch nimmer durfet schamn. (123,7-10)
In diesen Worten zeigt sich nicht nur, dass Artus der „König aller Könige“ ist, der Ritterschaft verleiht, sondern auch seine Darstellung als „Inbegriff untadeligen Rittertums“. Wie jedoch seine Herrschaft und das mit seinem Namen verbundene Rittertum entstanden sind, wird im ‚Parzival’ nicht näher von Wolfram erläutert.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themen der menschlichen Verfehlung und Wiedergutmachung im ‚Parzival’ ein und erläutert die verschiedenen Ritterwelt-Modelle sowie die Forschungsthesen zu deren Verhältnis.
2 Die Darstellung der Gesellschaften im ‚Parzival’: Dieses Kapitel analysiert detailliert die drei gesellschaftlichen Bereiche: die vor-arturische Ritterwelt, die Artusgesellschaft und die Gralgesellschaft mit ihren jeweiligen internen Strukturen.
2.1 Die Besonderheiten der Gahmuretgesellschaft: Hier wird die Figur Gahmuret als Repräsentant der vor-arturischen Welt und sein Umgang mit den Anforderungen von strît und minne untersucht.
2.2 Die Strukturen der Artusgesellschaft: Dieser Abschnitt behandelt die Grundlagen und Merkmale der Artuswelt, einschließlich des Königtums und der Tafelrunde als Institution.
2.2.1 Artuskönigtum und Schastel marveile: Der Fokus liegt auf dem Übergang zum arturischen Rittertum und der Bedeutung von Schastel marveile als Beispiel für die Integration einer gestörten Gesellschaft.
2.2.2 Die Zeichnung der Figur König Artus: Eine Untersuchung der Darstellung Artus' als Herrscher, seiner Schwächen und seiner diplomatischen Rolle im Handlungsverlauf.
2.2.3 Der Artushof und die Institution der Tafelrunde: Analyse des Artushofes als gesellschaftlicher Sammelpunkt und der Funktion der Tafelrunde zur Stärkung der ritterlichen Gemeinschaft.
2.3 Die Gralgesellschaft: Dieses Kapitel betrachtet die Gralgesellschaft als von Gott gelenktes System mit dem Gral als zentraler, ordnungsstiftender Instanz.
2.3.1 Gralkönigtum und die Gralburg: Fokus auf das Erbfolgeprinzip, die göttliche Berufung und die abgeschlossene Struktur der Gralburg.
2.3.2 Die Beschreibung des Grals: Untersuchung des Grals als abstraktes Medium und als Edelstein sowie dessen Bedeutung für die Gralgemeinschaft.
2.3.3 Die Gralritter: Darstellung der Gralritter als gottgewollte, asketische Verteidiger der Gralburg unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
3 Parallelen und Unterschiede von Artus- und Gralgesellschaft: Ein vergleichendes Fazit, das die unterschiedlichen Umgangsweisen der beiden Gesellschaften mit Konflikten, Sünde und Gnade gegenüberstellt.
4 Schlussbemerkung: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Darstellung der verschiedenen Gesellschaften und deren Verbindung durch Parzival.
5 Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Parzival, Wolfram von Eschenbach, Artusgesellschaft, Gralgesellschaft, Tafelrunde, Gahmuret, Munsalvaesche, Schastel marveile, Rittertum, Minne, Gawan, Anfortas, Clinschor, gesellschaftliche Strukturen, Mittelalterliche Literatur
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Gesellschaftsentwürfe in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“, insbesondere die Artusgesellschaft und die Gralgesellschaft, und wie diese in den Roman integriert sind.
Zentrale Themen sind die Strukturen der jeweiligen Ritterwelten, das Verständnis von Minne und Kampf, die Rolle von Verwandtschaft sowie die Bedeutung von zentralen Orten wie dem Artushof und der Gralburg.
Das Ziel ist es, die spezifische Darstellung der verschiedenen Gesellschaftsmodelle zu vergleichen und aufzuzeigen, wie diese durch die Hauptfigur Parzival miteinander verbunden werden und welchen Herausforderungen sie begegnen.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Textanalyse der Primärquelle sowie der Einbeziehung relevanter literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Interpretation der sozialen und höfischen Modelle bei Wolfram von Eschenbach.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der vor-arturischen Ritterwelt um Gahmuret, eine detaillierte Analyse des Artuskönigtums und der Tafelrunde sowie der Gralgesellschaft mit ihrem speziellen Herrschaftssystem.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Parzival, Artusgesellschaft, Gralgesellschaft, Rittertum, Munsalvaesche und gesellschaftliche Strukturen beschreiben.
Die Ither-Episode dient als Beispiel für Konflikte innerhalb der Artussippe und zeigt die Unsicherheit sowie das zwiespältige Verhalten von König Artus auf.
Da das Gralrittertum unter einem strikten Liebesverbot steht und die Gralritter eine asketische Lebensform verfolgen, wird die Gralburg vorwiegend als reine Männergesellschaft mit den Gralrittern als Hütern beschrieben.
Während der Artushof keinen festen Standort hat, ein gesellschaftlicher Sammelpunkt ist und durch seine Offenheit besticht, bleibt Munsalvaesche ein fester, abgeschlossener und durch göttliche Berufung definierter Ort.
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