Magisterarbeit, 2007
68 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Wittgensteins Sprachauffassung in den Philosophischen Untersuchungen
2.1 Kritik an der Gegenstandstheorie der Bedeutung
2.2 Sprachspiel und Grammatik
2.2.1 Regelgeleitete Sprache als Kalkül und als Spiel
2.2.2 Die Sprachen (2) und (8)
2.2.3 Wittgensteins Begriff der Grammatik
2.2.4 Sprache, Denken und Intentionalität
2.3 Die Unmöglichkeit einer Privatsprache
3 Das Medialitätsproblem – Sprache als Medium
3.1 Was ist ein Medium?
3.1.1 Medientheoretische Erklärungsversuche
3.1.2 Mittel ≠ Medium
3.1.3 Das Medium als Performanz
3.2 Die Medialität der Sprache
3.2.1 Zum Verhältnis von Kompetenz und Performanz
3.2.2 Mentalität und Medialität
3.3 Ein Ausblick: Von Wittgenstein zu Goodman
3.3.1 Orale Rede und Schrift
3.3.2 Goodmans Notationstheorie
4 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die medientheoretische Relevanz von Ludwig Wittgensteins Spätphilosophie, insbesondere seiner "Philosophischen Untersuchungen". Das primäre Ziel ist es, den Status der Sprache als universelles Medium aufzuzeigen und die Unzulänglichkeit eines Medienbegriffs nachzuweisen, der Sprache lediglich als Transportmittel für medienunabhängige Informationen reduziert. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie Wittgensteins Konzepte der Sprachspiele und der Lebensform dazu beitragen können, den Sonderstatus der Sprache in der aktuellen Mediendebatte zu begründen und von herkömmlichen Mittel-Zweck-Relationen abzugrenzen.
2.1 Kritik an der Gegenstandstheorie der Bedeutung
Direkt im ersten Paragraphen der PU gibt Wittgenstein ein anschauliches Beispiel für solch eine alltägliche Sprachverwendung: Da wird jemand einkaufen geschickt. Zu diesem Zweck wird ihm ein Zettel zugesteckt, auf dem die Zeichen fünf rote Äpfel stehen. Beim Kaufmann angekommen, überreicht er diesem den Zettel und die Operation mit Worten beginnt. Die Lade mit der Aufschrift Äpfel wird geöffnet, das Wort rot wird mit Hilfe einer Mustertabelle der entsprechenden Farbe zugeordnet und bis zum Wort fünf werden die Grundzahlwörter durchgezählt. Bei jeder ausgesprochenen Zahl wird schließlich ein roter Apfel aus der Lade genommen. Diese Prozedur wirkt ohne Zweifel sehr konstruiert, aber sie verdeutlicht das Problem, das Wittgenstein ihr durch folgendes Augustinuszitat vorangestellt hat:
„Nannten die Erwachsenen irgend einen Gegenstand und wandten sie sich dabei ihm zu, so nahm ich das wahr und ich begriff, daß der Gegenstand durch die Laute, die sie aussprachen, bezeichnet wurde, da sie auf ihn hinweisen wollten. […] Und ich brachte, als nun mein Mund sich an diese Zeichen gewöhnt hatte, durch sie meine Wünsche zum Ausdruck.“
Das Problem besteht in der uralten philosophischen Frage, wie es kommt, dass die Wörter unserer Sprache eine Bedeutung haben. Im augustinschen Mythos ist dieser grundlegende Zusammenhang ganz klar festgelegt: „Jedes Wort hat eine Bedeutung. Diese Bedeutung ist dem Wort zugeordnet. Sie ist der Gegenstand, für welchen das Wort steht.“ Deshalb spricht man hierbei auch von der sogenannten Gegenstandstheorie der Bedeutung. Die Bedeutungen werden nach dem Vorbild von Gegenständen gedacht, Sprache und Wirklichkeit als strukturidentische Größen, d. h. nach diesem Verständnis kann und muss Sprache die Wirklichkeit so abbilden, wie sie ist.
Einleitung: Die Einleitung etabliert die Relevanz von Wittgensteins Spätphilosophie für die heutige Mediendebatte und stellt die These auf, dass Sprache als universelles Medium begriffen werden muss.
Wittgensteins Sprachauffassung in den Philosophischen Untersuchungen: Dieses Kapitel analysiert Wittgensteins Abkehr von einer Gegenstandstheorie der Bedeutung hin zu einem handlungsorientierten Sprachspielmodell.
Das Medialitätsproblem – Sprache als Medium: Hier werden medientheoretische Implikationen diskutiert und eine Abgrenzung des Medienbegriffs von rein instrumentellen Mittel-Konzepten vorgenommen.
Resümee: Das Kapitel fasst die zentralen Argumente zusammen und bestätigt, dass Wittgensteins Ansatz eine notwendige Grundlage für ein tieferes Verständnis von Medialität bildet.
Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Medialität, Sprachspiel, Grammatik, Performanz, Medium, Mittel, Bedeutung, Privatsprachenargument, Intentionalität, Notationstheorie, Nelson Goodman, Sprachpraxis, Lebensform
Die Arbeit untersucht die Medialität der Sprache durch die Brille von Ludwig Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen", um Sprache als universelles Medium in der Mediendebatte zu etablieren.
Zentrale Themen sind die Sprachspielkonzeption, die Unterscheidung zwischen Medium und Mittel, das Verhältnis von Denken und Sprache sowie die Kritik an der klassischen Erkenntnistheorie.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Sprache nicht lediglich ein Transportmittel für Informationen ist, sondern ein eigenständiges Medium, das unsere Wirklichkeit erst konstituiert.
Die Arbeit nutzt die Analyse und Interpretation von Wittgensteins Spätphilosophie, ergänzt durch phänomenologische Ansätze und die Notationstheorie von Nelson Goodman.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wittgensteins Sprachphilosophie (Sprachspiele, Grammatik) und die Übertragung dieser Erkenntnisse auf die Medientheorie sowie die Unterscheidung zwischen oraler Rede und Schrift.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Medialität, performativer Vollzug, Sprachspiel, Unhintergehbarkeit der Sprache, Kompetenz vs. Performanz und die Kritik am klassischen Transportmodell.
Die Kritik richtet sich dagegen, dass die kognitivistische Linguistik Sprache als ein von der Performanz losgelöstes mentales System modelliert, was den performativen Charakter des Sprachgebrauchs ignoriert.
Sie ist essentiell, da ein Medium als untrennbarer Vollzug (Performanz) begriffen wird, während ein Mittel als Instrument dient, das einem Zweck logisch vorausgeht.
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