Diplomarbeit, 2004
145 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Essstörungen
2.1 Was sind Essstörungen?
2.2 Zur Geschichte der Essstörungen
2.3 Erscheinungsformen von Essstörungen
2.3.1 Gemeinsamkeiten von Essgestörten
2.3.2 Epidemiologie, Geschlechterverteilung und Prävalenz
2.3.3 Schichtzugehörigkeit und Bildungsstand
2.3.4 Komorbidität
2.3.5 Idealgewicht, Body - Maß - Index und Set-Point-Theorie
2.4 Krankheitsbilder
2.4.1 Anorexia nervosa (Magersucht)
2.4.1.1 Symptomatik und Psychodynamik
2.4.1.2 Diagnostische Kriterien des DSM IV
2.4.1.3 Diagnostische Leitlinien der ICD-10
2.4.2 Bulimia nervosa (Ess- Brechsucht)
2.4.2.1 Symptomatik und Psychodynamik
2.4.2.2 Diagnostische Kriterien des DSM IV
2.4.2.3 Diagnostische Leitlinien der ICD-10
2.4.3 Adipositas / Binge-eating-Störung
2.4.3.1 Symptomatik und Psychodynamik
2.4.3.2 Diagnostische Kriterien des DSM IV (Appendix B)
2.4.3.3 Diagnostische Leitlinien der ICD-10
2.5 Erklärungsansätze von Essstörungen und Interventionen
2.5.1 Tiefenpsychologischer Ansatz
2.5.1.1 Anorexia nervosa
2.5.1.2 Bulimia nervosa
2.5.1.3 Adipositas / Binge-Eating-Störung
2.5.2 Verhaltenstherapeutischer Ansatz
2.5.2.1 Anorexia nervosa
2.5.2.2 Bulimia nervosa
2.5.2.3 Adipositas / Binge-Eating-Störung
2.5.3 Familientherapeutisch – systemischer Ansatz
2.5.3.1 Anorexia nervosa
2.5.3.2 Bulimia nervosa
2.5.3.3 Adipositas / Binge-eating-Störung
2.5.4 Feministischer Ansatz
2.5.4.1 Anorexia nervosa
2.5.4.2 Bulimia Nervosa
2.5.4.3 Adipositas / Binge-eating-Störung
2.5.5 Exkurs 1: Sind Essstörungen eine Suchterkrankung?
2.5.6 Exkurs 2: Die Adoleszenz als vulnerable Phase
2.6 Zusammenfassung
3. Kunsttherapie
3.1 Begrifflichkeiten
3.1.1 Kunst und Therapie
3.1.2 Kunsttherapie
3.1.3 Kunsttherapie - Therapie mit Kunst?
3.2 Wurzeln der Kunst- und Gestaltungstherapie
3.2.1 Psychologische Wurzeln
3.2.2 Pädagogische Wurzeln
3.2.3 Psychiatrische Wurzeln
3.2.4 Kreativ- und gestaltungstherapeutische Wurzeln
3.3 Ansätze der klinischen Kunst- und Gestaltungstherapie
3.3.1 Psychodynamische Ansätze (S. Freud, C.G. Jung)
3.3.2 Der humanistische Ansatz
3.3.3 Die anthroposophische Kunsttherapie
3.3.4 Verhaltenstherapeutische Aspekte in der Kunsttherapie
3.4 Wie wirkt nun die Kunst in der Therapie?
3.5 Zeit, Raum, Material
4. Praxis der Kunsttherapie
4.1 Möglichkeiten und Grenzen der Kunsttherapie
4.2 Bildnerische Arbeiten aus einer ambulanten kunsttherapeutischen Begleitung einer Patientin mit Adipositas / Binge-eating-Störung
4.3 Plastische Arbeit einer jugendlichen Anorexiepatientin während einer stationären Behandlung
5. Kunst- und kreativtherapeutische Beispiele aus der sozialpädagogischen Gruppenarbeit mit essgestörten Jugendlichen in einer Klinik
5.1 Ziele und Aufgaben der sozialpädagogischen Gruppe
5.2 Kreativtherapie in der sozialpädagogischen Gruppe – und die Abgrenzung zur Kunst- / Psychotherapie
5.3 Die sozialpädagogische Gruppe auf einer Station zur Behandlung essgestörter Jugendlicher
5.4 Musiktherapie-Projekt der sozialpädagogischen Gruppe: „Beziehungsspiele“
5.5 Theaterprojekt der sozialpädagogischen Gruppe: „Die Sprache der Liebe“ von P. Sieben
6. Schlussbemerkung
Die Diplomarbeit untersucht die Anwendung der Kunsttherapie bei Essstörungen unter Berücksichtigung psychotherapeutischer und sozialpädagogischer Aspekte. Das primäre Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen dieses nonverbalen Zugangs darzulegen, um bei Patienten einen heilsamen Prozess jenseits rein verbaler Therapieverfahren zu initiieren und die Entwicklung von Autonomie sowie Selbstwahrnehmung zu fördern.
3.1.1 Kunst und Therapie
Um sich der Bezeichnung „Kunsttherapie“ zu nähern, sollen zunächst einige Überlegungen zu den implizierten Begriffen „Kunst“ und „Therapie“ vorausgeschickt werden.
„Kunst, die ganz zu verstehen ist, ist auch ganz zu vergessen.“ (Johannes Schreiter im Laufe der heftigen Kontroverse um seine Entwürfe für die Neugestaltung der Fenster der Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg. In Gerke 1987, S. 24).
Dieser Ausspruch des Künstlers Johannes Schreiter bezog sich auf den Vorwurf, die Aussagen seiner Entwürfe seien zu abstrakt und für normale Menschen nicht zu verstehen.
Es stellt sich die Frage, was ist eigentlich Kunst? Ist Kunst „das Schöne“ schlechthin oder etwas Elitäres, zu dem der „normale“ Mensch keinen Zugang und deshalb auch kein Interesse daran hat?
Etymologisch ist „Kunst“ das zu dem gemeingermanischen Verb „können“, gebildete Substantiv und bedeutete zunächst Wissen, Weisheit, Kenntnis und auch „Wissenschaft“. Später wurde das Wort auch im Sinne von „(durch Übung erworbenes) Können, Geschicklichkeit, Fertigkeit“ verwendet.
Kunst war daher die Arbeit der Schmiede und Schuhmacher, aber auch der Dichter und Bildhauer. Für die Künste, die Gebrauchsgegenstände fertigten, prägte sich später die Bezeichnung „Handwerk“. Seit dem 18. Jahrhundert bezieht sich „Kunst“ speziell auf die künstlerisch-schöpferische Betätigung des Menschen in Malerei, Dichtung, Musik und Bildhauerei und verbindet damit auch ein ästhetisches Ziel. (Vgl. Duden 1963, Prette und De Giorgis 2001).
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Essens für die menschliche Entwicklung und thematisiert die Zunahme von Essstörungen als psychogene oder psychosomatische Erkrankungen, die Therapeuten heute vor neue Herausforderungen stellen.
2. Essstörungen: Das Kapitel bietet eine umfassende Analyse der Definitionen, Geschichte, Erscheinungsformen sowie der verschiedenen Erklärungsmodelle (tiefenpsychologisch, verhaltenstherapeutisch, systemisch, feministisch) und diskutiert Essstörungen als multifaktorielles Geschehen.
3. Kunsttherapie: Hier werden die begrifflichen Grundlagen, die historischen Wurzeln sowie die verschiedenen theoretischen Ansätze der Kunst- und Gestaltungstherapie (psychoanalytisch, humanistisch, anthroposophisch) in der klinischen Anwendung erläutert.
4. Praxis der Kunsttherapie: Dieses Kapitel widmet sich den Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen der Kunsttherapie bei Essstörungen anhand konkreter Fallbeispiele aus der ambulanten und stationären Behandlung von Patientinnen.
5. Kunst- und kreativtherapeutische Beispiele aus der sozialpädagogischen Gruppenarbeit mit essgestörten Jugendlichen in einer Klinik: Der Fokus liegt auf der Integration von Kreativtherapie und Musik- sowie Theaterprojekten innerhalb der sozialpädagogischen Arbeit, um soziale Kompetenzen und Selbstwertgefühl zu stärken.
6. Schlussbemerkung: Die Autorin resümiert, dass Kunsttherapie einen wesentlichen nonverbalen Zugang zum Unbewussten bietet und als Teil eines multimodalen Behandlungskonzepts maßgeblich zur Stabilisierung und Heilung von essgestörten Patienten beitragen kann.
Kunsttherapie, Essstörungen, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Adipositas, Binge-Eating-Störung, Psychodynamik, Verhaltenstherapie, Sozialpädagogik, Gestaltungstherapie, Körperwahrnehmung, Identitätsbildung, Kreativität, Gruppentherapie, Klinische Psychologie
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Einsatz der Kunsttherapie bei Patienten, die an Essstörungen wie Anorexie, Bulimie oder Adipositas leiden, und beleuchtet dabei die psychotherapeutischen und sozialpädagogischen Rahmenbedingungen.
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Essstörungen, die historische und klinische Entwicklung der Kunsttherapie sowie die praktische Umsetzung gestalterischer Verfahren in Einzel- und Gruppensettings.
Das Hauptziel besteht darin aufzuzeigen, wie Kunsttherapie als nonverbales Ausdrucksmittel dazu beitragen kann, tiefliegende Konflikte und Identitätsstörungen bei Betroffenen bearbeitbar zu machen, die in der klassischen verbalen Therapie oft schwer erreichbar sind.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und theoretischen Aufarbeitung sowie auf der deskriptiven Darstellung von Fallbeispielen und Praxiserfahrungen aus einem klinischen Kontext.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Krankheitsbilder, eine theoretische Einordnung kunsttherapeutischer Ansätze und eine umfangreiche Praxisdarstellung inklusive künstlerischer Projektarbeit mit Jugendlichen in einer Klinik.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kunsttherapie, Essstörungen, Psychodynamik, Körperbildstörung, Sozialpädagogik, Kreativität und klinische Behandlung definiert.
Die Autorin hebt hervor, dass insbesondere in der systemischen Sichtweise gestörte familiäre Kommunikationsmuster, Überbehütung und eine mangelnde Abgrenzung zwischen den Generationen als wesentliche Faktoren für die Ausbildung einer Essstörung angesehen werden.
Das "Spielen" wird als Voraussetzung für den kreativen Prozess definiert, da es ermöglicht, festgefahrene Bedeutungsgefüge zu verlassen, Ängste vor Versagen abzubauen und den Patienten wieder in einen Zustand schöpferischer Freiheit und Autonomie zu versetzen.
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