Magisterarbeit, 2003
54 Seiten, Note: 1,1
Vorwort
Einführung. Kulturwissenschaft und Poetik
I Ähnliche Netze und mannigfaltige Gewebe
II Das Anderswo des Meeres und der Wüste
III Der Fleck oder: der Rest ist das Zentrum
Nachwort
Die Arbeit untersucht die intertextuelle Struktur kanonisch etablierter Raummetaphern in der modernen Literatur und Geisteswissenschaft, um aufzuzeigen, wie Metaphernkonstellationen – wie Netz/Gewebe, Meer/Wüste und Fleck/Rest – als sinnstiftende, aber methodisch unscharfe Ordnungselemente fungieren, die über rein diskursive Definitionen hinausgehen und das Verhältnis von Poesie und philosophischem Denken neu kartieren.
I Ähnliche Netze und mannigfaltige Gewebe
Um die assoziative Aussagekraft der Intertextualität des gleichen Meinens eines ähnlichen Gedankens anhand zentraler topologischer Metaphern in den Blick zu bekommen, bedarf es einer geordneten Gegenüberstellung von Textpassagen aus Poesie und Literaturphilosophie. Methodisch bilden diese beiden Diskursfelder die größtmögliche Schnittmenge zugleich nicht eindeutiger und sinnstiftender Aussagen. Diese Schnittmenge formiert vielfältige, d. h. nicht prägnante oder vage Formen, die als Metaphernkonstellationen deshalb so ausdrucksmächtig sind, weil ihre wesentliche Unschärfe stets Diskursivierungen oder Interpretationen zugleich erzwingt und ermöglicht. Abhängig sind sie von den epochal geschlossen organisierten symbolischen Ordnungen der Geisteswissenschaften und ihren Dispositiven der exakten Wissenschaften und der Technik. Gemeinsam formieren und deformieren sie synchron und anti-genealogisch – aber dennoch historisch – sich verändernde Informations- und Wissensnetze. Um sich im durch sie determinierten Denken orientieren zu können, schreiben Autor und Leser beispielsweise physische und digitale Zettelkästen.
Wann Shakespeares Sommernachtstraum geschrieben und uraufgeführt wurde, ist nicht geklärt. Bis 1970 versucht Arno Schmidt, den darin nicht beschriebenen Traum des Webers Zettel als die Struktur eines beliebig vernetzten Zettelganzen abzubilden. Ähnlich verbalinspiriert entwirft James Joyce in Finnegans Wake schon 1939 eine Art vorbabylonischer Ursprache und nimmt so entscheidende Tendenzen der literarischen Postmoderne, die mit dem Poststrukturalismus zwischen dem Ende des zweiten Weltkrieges und den Studentenunruhen von 1968 beginnt, vorweg. Das grundlegend gleiche Merkmal beider Denk- und Schreibsysteme ist zum Einen die Absage an den Fortschrittsglaube der Moderne und die Möglichkeit, einen neuen literarischen Stil schaffen zu können. Zum Anderen gaben sich beide der verführerischen weil sinnstiftenden Kombinatorik der Intertextualität und Interdiskursivität hin.
Vorwort: Die Einleitung legt den theoretischen Fokus auf die Untersuchung kanonischer Raummetaphern und lehnt explizit hermeneutische Verfolgungen zugunsten einer topologischen Analyse von Metaphernkonstellationen ab.
Einführung. Kulturwissenschaft und Poetik: Dieses Kapitel erörtert das komplexe Verhältnis zwischen Literatur, Kulturwissenschaft und dem poetischen Diskurs, wobei die Bedeutung von Datenkompression und die Rolle des „Abfalls“ für das kulturelle Gedächtnis hervorgehoben werden.
I Ähnliche Netze und mannigfaltige Gewebe: Hier wird die Netzmetapher in Literatur und Wissenschaft (von Shakespeare bis zu modernen Science-Fiction-Autoren) als ein System zur Organisation von Wissen und Information analysiert.
II Das Anderswo des Meeres und der Wüste: Dieses Kapitel untersucht, wie die Metaphern von Meer und Wüste in der Moderne als Chiffren für das „Anderswo“ und die Grenzen der rationalen Erkenntnis fungieren.
III Der Fleck oder: der Rest ist das Zentrum: Der Fokus liegt auf der Bedeutung des „Fleckes“ oder „Rests“ als einem im Diskurs verbleibenden, nicht vollständig erfassbaren Zentrum, das jedoch für die Erkenntnisbildung essenziell ist.
Nachwort: Das Nachwort resümiert die Gefahr einer ideologischen Verengung durch die kulturwissenschaftliche Analyse und betont die anhaltende Bedeutung des nicht benennbaren Rests für die postmoderne Literatur.
Metaphorologie, Diskurstheorie, Topologie, Intertextualität, Moderne, Kulturwissenschaft, Poetologie, Epistemologie, Netzmetapher, Wissensorganisation, kulturelles Gedächtnis, Strukturphänomene, Paradigmenwechsel, Raummetaphern, Zeichentheorie.
Die Arbeit untersucht die intertextuellen Zusammenhänge und die Bedeutung von räumlichen Metaphern wie Netz, Meer, Wüste und Fleck in Literatur und geisteswissenschaftlichen Texten der Moderne.
Die Arbeit verknüpft Literaturwissenschaft, Kulturtheorie, Mathematik (Topologie) und Informationstheorie, um zu zeigen, wie sich Denkmuster über Medien und Sprache in Metaphern widerspiegeln.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Metaphernkonstellationen über Disziplingrenzen hinweg als ordnende, aber zugleich unschärfeerzeugende Strukturen fungieren, die das Verhältnis zwischen strengem wissenschaftlichem Diskurs und Poesie definieren.
Es wird eine komparative und kulturwissenschaftliche Analysemethode angewandt, die Textstellen aus unterschiedlichen Genres direkt nebeneinanderstellt, um Gemeinsamkeiten in der metaphorischen Struktur („Metaphernkonstellationen“) offenzulegen.
Der Hauptteil gliedert sich in drei zentrale Bereiche: die Untersuchung von Netz- und Gewebemetaphern, die Analyse von Meer- und Wüstenmetaphern als „Anderswo“ sowie die Bedeutung des „Fleckes“ als konstitutives, aber nicht vollständig auflösbares Zentrum.
Metaphorologie, Diskurstheorie, Topologie, Wissensorganisation und Intertextualität sind die zentralen Begriffe, die das methodische Vorgehen und den thematischen Rahmen abstecken.
Die Arbeit beschreibt, wie technische Entwicklungen – vom Zettelkasten bis zum Computer – die Metaphorik in der Literatur beeinflussen und die Vorstellung vom „Wissensnetz“ transformieren.
Der Autor argumentiert, dass das, was sich einer diskursiven Erfassung entzieht – der „Rest“ oder „blinde Fleck“ – für das Denken und die Erkenntnisbildung nicht nur ein Hindernis, sondern ein notwendiges Zentrum darstellt.
Diese Autoren werden herangezogen, weil ihre Texte beispielhaft für die Verschränkung von komplexen Wissensordnungen, Mythen und der Unmöglichkeit, die Welt vollständig zu erfassen, stehen.
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