Magisterarbeit, 2007
86 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Freiheit und Risiko – Perspektiven
2.1 Freiheit und Vernunft – Kants „Kopernikanische Wende“
2.2 „Erziehung zur Persönlichkeit“ – Kants Pädagogikbegriff
2.3 Der Mensch als „black box“? – 19. und 20. Jahrhundert
2.4 Piaget und Kohlberg „auf den Schultern“ Kants
2.4.1 Piagets Strukturtheorie des Denkens
2.4.2 Kohlbergs Moralstufentheorie
2.5 Die Risikogesellschaft – Becks Gegenwartdiagnose
2.5.1 Kindheit und Jugend in der Risikogesellschaft
2.6 Heitmeyers „Desintegrations-Verunsicherungs-Gewalt-Konzept“
3. Lebenslang Lernen in der Risikogesellschaft
3.1 Bildung und Lebenslanges Lernen
3.2 Strategie für Lebenslanges Lernen in der Bundesrepublik Deutschland
3.2.1 Entwicklungsschwerpunkte Lebenslangen Lernens
3.2.2 Lernen in Lebensphasen
3.2.2.1 Kindheit
3.2.2.2 Jugend
3.2.2.3 Junge Erwachsene
3.2.2.4 Erwachsene
3.2.2.5 Ältere
3.2.3 Fazit
4. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die Bildungskonzeption des „Lebenslangen Lernens“ als Antwort auf die Herausforderungen des Individuums und der Gesellschaft in der sogenannten „Risikogesellschaft“ zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob die vorgestellten philosophischen, sozialpsychologischen und soziologischen Ansätze Antworten auf die Anforderungen einer globalisierten und individualisierten Welt bieten können.
2.1. Freiheit und Vernunft – Kants „Kopernikanische Wende“
Der deutsche Philosoph Immanuel Kant wird bis heute geradezu als Synonym mit dem Geist der Aufklärung identifiziert. Seine Definition vom Dezember 1783 legt das geistige Fundament der Bewegung offen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursachen derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapre aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“
Kants Worte sind eingebettet in eine Philosophie, die die Vernunft zur obersten Instanz beruft und damit den Menschen in die Freiheit entlässt. Diese Freiheit nötigt jeden Einzelnen zu Entscheidungen, die im Blick auf sich und die Menschheit vernünftig sein sollen, selbst wenn sie sich gegen die eigenen Bedürfnisse richten.
Mit seiner „Transzendentalphilosophie“ war Kant nicht nur einer der Hauptakteure der Aufklärung, sondern gleichzeitig auch einer ihrer Überwinder, indem er dem Individuum die Macht zur Emanzipation geben wollte, die dem naturwissenschaftlichen Allmachtglaube und dem Bewusstsein, dass die Welt und der Mensch technisch beherrschbar sind, gegenübersteht. So ist auch sein Aufsatz über die Aufklärung eher als „untypisch“ zu bezeichnen, „da er Aufklärung primär (emanzipatorisch) als individuelle Selbstbefreiung, nicht (rationalistisch) als Begriffsklärung und Aufklärung der anderen interpretiert“.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der „Risikogesellschaft“ ein und stellt das „Lebenslange Lernen“ als potenzielle Bildungskonzeption vor, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen.
2. Freiheit und Risiko – Perspektiven: Dieses Kapitel erörtert die philosophischen und sozialpsychologischen Grundlagen, von Kants Autonomiebegriff bis zu den Entwicklungstheorien von Piaget und Kohlberg, um die Konstruktion von Wirklichkeit zu verstehen.
3. Lebenslang Lernen in der Risikogesellschaft: Hier wird das Konzept des lebenslangen Lernens vor dem Hintergrund soziologischer Diagnosen kritisch analysiert und die deutsche Strategie zu diesem Thema detailliert vorgestellt.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Argumentationslinien zusammen und bewertet die „Strategie für Lebenslanges Lernen“ als visionäres Experiment, dessen tatsächliche Auswirkungen auf das Individuum in der Risikogesellschaft noch offen sind.
Lebenslanges Lernen, Risikogesellschaft, Individualisierung, Aufklärung, Immanuel Kant, Jean Piaget, Lawrence Kohlberg, Bildungskonzeption, Reflexive Modernisierung, Sozialisation, Kompetenzentwicklung, Globalisierung, pädagogische Forschung, Bildungsbiografie, Selbststeuerung
Die Arbeit untersucht, wie das Konzept des lebenslangen Lernens als Antwort auf die Unsicherheiten und sozialen Risiken der modernen Gesellschaft dienen kann.
Die zentralen Themen umfassen die philosophische Aufklärung, moderne soziologische Gesellschaftsdiagnosen (Risikogesellschaft) und die Umsetzung von Bildungsstrategien in Deutschland.
Das Ziel ist zu prüfen, ob moderne Bildungskonzeptionen den Anforderungen einer individualisierten und globalisierten Welt gerecht werden und dem Einzelnen ein erfülltes Leben ermöglichen können.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Analyse und Verknüpfung bestehender philosophischer, pädagogischer und soziologischer Theorien sowie die Auswertung relevanter Bildungsstudien.
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen (Kant, Piaget, Kohlberg, Beck) mit aktuellen Konzepten des lebenslangen Lernens und der Strategie der Bund-Länder-Kommission verknüpft.
Wichtige Begriffe sind Individualisierung, Risikogesellschaft, Selbststeuerung, Kokonstruktion und lebensbegleitende Bildung.
Der Autor sieht sie als visionäres, aber theoretisch motiviertes Modell, das in der Praxis mit föderalen Hürden und Fragen der Zertifizierung informellen Wissens kämpft.
Die Familie wird als zentrale Instanz für emotionale Unterstützung und soziale Teilhabe gesehen, deren Bedeutung bei der Erosion traditioneller Lebensformen jedoch durch neue soziale Risiken unter Druck gerät.
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