Magisterarbeit, 2007
85 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
1.1 Motivation und einleitende Grundgedanken
1.2 Zu These, Erkenntnisinteresse und Methode
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Ausgewählte wissenschaftliche Theorien zum Zusammenhang von Identität und Aggression
2.1 Begriffsbestimmungen
2.2 Auswahl klassischer und moderner Konzepte zur Identitätsentwicklung
2.2.1 Zur Identitätsgenese nach Erikson
2.2.2 Zum Identitätsbegriff nach Mead
2.2.3 Die Persönlichkeitstheorie nach Rogers
2.2.4 Identitätskonstruktion im biographischen Kontext
2.3 Aggressionstheorien im Kontext pädagogischer Ansätze
2.3.1 Die Frustrations- Aggressions- Theorie nach Dollard
2.3.2 Zum Ansatz der Lerntheorie
2.3.3 Zur Theorie förderlicher zwischenmenschlicher Beziehungen nach Tausch & Tausch
2.4 Zum Zusammenhang von Identitätsstörung und aggressivem Verhalten
3 Praxisfall Bettina
3.1 Probleme als Präventionsansatz
3.2 Zu Chancen und Grenzen pädagogischer Intervention
3.3 Gespräche und Übung biographischer Selbstreflexion
3.3.1 Biographie
3.3.2 Interpretation der Wendepunkte
3.3.3 Zu Ursachen Bettinas Aggression
3.4 Lebenskreisschema bei Haftentlassung
4 Resümee und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen einer gestörten Identitätsentwicklung bei Jugendlichen und deren aggressivem Verhalten. Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit Identitätskrisen als Erklärungsansatz für aggressives Handeln dienen können und welche Rolle pädagogische Interventionen, insbesondere biographische Selbstreflexion, bei der Bewältigung spielen.
1.1 Motivation und einleitende Grundgedanken
Hiobsbotschaften über brutale Gewaltakte, wollen nicht enden. Das jüngste Beispiel eines solchen „antizivilisatorischen Moments“, wie Adorno es bezeichnen würde, geschah am 20. November 2006, bei dem der 18-jährige Sebastian B. im nordrhein westfälischen Emsdetten an einer Realschule Amok lief (vgl. Adorno, 1966, S.1). Schwer bewaffnet verletzte er 37 Menschen und richtete sich danach selbst durch einen Schuss in den Hinterkopf (www.stern.de/politik/panorama/:Amoklauf-Emsdetten-Das-Tagebuch-Sebastian-B./577024.html, 22.11.2006).
Schwierigkeiten mit der eigenen Identität und dem Sinn der Existenz scheinen vor diesem Kontext in unmittelbarem Zusammenhang mit hoher individueller Aggression zu stehen. Der Aggressionsforscher Friedrich Hacker sieht das Aggressionsphänomen als furchterregendes und Debatten anregendes Thema von anhaltender, wenn nicht sogar ständig verstärkter brennender Aktualität (vgl. Hacker, 1974, S.7).
Nach Hackers Einschätzung geht es vor allem um den Prozess der „Brutalisierung der modernen Welt“ (ebd., S.7). Das eingangs gezeichnete Bild unterstreicht die Aussage Hackers. Nicht nur die tagespolitischen Schreckensbotschaften haben mich veranlasst, mein Thema und seine Fragestellung zu entwickeln. Vielmehr war es der persönliche Bezug zu der 22-jährigen Bettina, die in der Justizvollzugsanstalt Memmingen eine Haftstrafe wegen verschiedener Gewaltdelikte verbüßt. Im Rahmen einer ehrenamtlichen Betreuung durfte ich sie über mehrere Monate begleiten. Ich lernte Bettina, während eines zweitägigen Seminars über eine Übung zur Familienaufstellung nach Bernd Hellinger, in der JVA kennen. Intention der psychotherapeutischen Methode ist die persönlichkeitskonstruktive Klärung des individuellen Standpunktes in der Familie. Der Münchener Psychologe Manuel Geiß arbeitete mit Bettina problematische Beziehungsmuster aus spontan nachgestellter Familienszene heraus. Durch den Erkenntnisprozess der Aufstellung war sie in der Lage, ihr Geschwisterverhältnis für sich konstruktiver zu interpretieren, weil sie erkannte, dass ihr Bruder Florian aufgrund väterlicher Sympathie bevorzugt wurde, und nicht weil dieser der Erstgeborene war. In der arrangierten Familienszene stellte ich Bettinas Vater dar. Damit fundierte sich ein erstes Vertrauensverhältnis. Bettina schilderte mir während der Seminarpausen ihre persönliche Situation. Wir erhofften uns eine Möglichkeit auch über die Seminarzeit hinaus, von ihr gewünschte Gespräche fortführen zu können.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Arbeit angesichts aktueller Gewalttaten und führt die Fallstudie "Bettina" als zentrales Beispiel ein.
2 Ausgewählte wissenschaftliche Theorien zum Zusammenhang von Identität und Aggression: Dieses Kapitel erörtert grundlegende Konzepte der Identitätsentwicklung und verschiedene Aggressionstheorien, um den Zusammenhang zwischen Identitätsstörungen und aggressivem Verhalten wissenschaftlich zu fundieren.
3 Praxisfall Bettina: Hier wird der konkrete Fall der inhaftierten Bettina analysiert, wobei Methoden der biographischen Selbstreflexion zur Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte und Aggressionsursachen angewendet werden.
4 Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst die Interdependenz zwischen Identitätsstörung und Aggression zusammen und gibt einen Ausblick auf Möglichkeiten der weiteren Resozialisierung und Identitätsstabilisierung.
Identität, Aggression, Jugendlicher, Identitätsentwicklung, biographische Selbstreflexion, Erziehung, Persönlichkeitsstörung, Gewalt, JVA, Identitätsdiffusion, Patchwork-Identität, Frustration, Aggressionstheorie, Intervention, Sozialisation.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Identitätskrisen bei Jugendlichen und ihrem aggressiven Verhalten, basierend auf theoretischen Modellen und einem konkreten Fallbeispiel.
Die Arbeit deckt die Bereiche Identitätsentwicklung (Erikson, Mead, Rogers), verschiedene Aggressionstheorien sowie pädagogische Interventionsmöglichkeiten im Kontext von Jugendstrafvollzug und Erziehung ab.
Das Ziel ist zu eruieren, inwieweit eine gestörte Identitätsentwicklung als Ursache für aggressives Verhalten bei Jugendlichen verstanden und durch pädagogische Maßnahmen bearbeitet werden kann.
Es wird eine hermeneutische Analyse durchgeführt, die theoretische Diskurse interpretiert und diese mit einer Fallstudie durch biographische Selbstreflexion verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Analyse relevanter Identitäts- und Aggressionsmodelle sowie die praktische Anwendung dieser Theorien in der Fallarbeit mit Bettina.
Wesentliche Begriffe sind Identitätsstörung, Aggressives Verhalten, Biographische Selbstreflexion, Erziehungskompetenz und soziale Integration.
Bettina dient als praktisches Beispiel, an dem die Auswirkungen von negativen Erziehungserfahrungen und Gewalt auf die Identität sowie die Chancen einer psychotherapeutisch begleiteten Reflexion aufgezeigt werden.
Die väterliche Gewalt wird als zentraler Wendepunkt identifiziert, der maßgeblich zur Identitätsverunsicherung beigetragen hat und Bettinas antisoziale Verhaltensmuster (Brachialaggression) mitbegründete.
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