Examensarbeit, 2002
99 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Aufbau des kindlichen Lexikons
3 Wortbedeutungsentwicklung
3.1 Epigenetische Entwicklungstheorie
3.2 Semantische Merkmaltheorie- oder Begriffsorientierung?
3.3 Entwicklung der Terminologie: Begriff, Wort, Bedeutung
3.4 Prozesse beim Aufbau von Begriffen
3.5 Strukturierungsprozesse
4 Der Sprachhandlungsansatz
5 Theorie-Praxis-Bezüge
6 Zum Problem der Diagnostik
7 Individuelle Prozessanalyse und Wortbedeutung
7.1 Analyseebenen
7.2 Allgemeiner Aufbau des Förderplans
7.3 Exemplarische Darstellung von Förderplänen
7.3.1 Ausführlicher Förderplan (Niklas)
Visuelle Wahrnehmung
7.3.2 Kurzförderplan (Bert)
7.3.3 Kurzförderplan (Henrik)
7.3.4 Kurzförderplan Nina
7.3.5 Kurzförderplan (Max W.)
7.3.6 Kurzförderplan (Florian)
7.3.7 Kurzförderplan (Anton)
8 Unterrichts- und Therapieplanung
8.1 Thema der Einheit
8.2 Ziel der Einheit
8.3 Prozessuale Ziele der Unterrichtseinheit (PZ)
8.4 Anmerkungen zur Lerngruppe
8.4.1 Gruppe 1 (Niklas, Bert, Henrik)
8.4.2 Gruppe 2 (Nina, Florian, Max W., Anton)
8.5 Struktur der Einheit
8.6 Didaktische Überlegungen
8.7 Sachstrukturanalyse
8.8 Lernvoraussetzungen (LV)
8.9 Sprachbehindertenpädagogische Differenzierungsmaßnahmen
8. 10 Methodische Überlegungen
9 Dokumentation der Einheit
9.1 Unterrichtsblock 1:
9.2 Unterrichtsblock 2:
9.3 Unterrichtsblock 3:
10 Schlussbetrachtung zum Bezug von Theorie und Praxis
Das Buch zielt darauf ab, die Förderung semantisch-lexikalischer Sprachkompetenzen im Spracherwerb theoretisch zu fundieren und für die pädagogische Praxis zugänglich zu machen, indem es den kindlichen Aufbau von Wortbedeutungen in einen kooperativen, sprachhandlungsbasierten Kontext stellt.
3.1 Epigenetische Entwicklungstheorie
Zentrale Aussagen nativistischer Sprachentwicklungstheorie beziehen sich auf Sprache als angeborene Fähigkeit, die funktionell, anatomisch autonom und modular ist (vgl. Szagun, 2001, 53). Analog zur Entwicklung eines Organs, entwickelt sich diesem Erklärungsansatz zufolge auch Sprache unter ausreichender Stimulation durch die Umwelt nach einem größtenteils vorgezeichneten genetischen Plan. Durch genetische Präformation werden aus nativistischer Sicht auch spezifische Sprachentwicklungsstörungen bestimmt, die sich im „langsameren Spracherwerb und erheblichen Schwächen der Kinder insbesondere im morphologischen und syntaktischen Bereich“ (ebd., 56) äußern.
In der spracherwerbstheoretischen Diskussion besteht zwar Einigkeit darin, dass Sprache eine angeborene Fähigkeit des Menschen ist, für eine entwicklungspsychologische Betrachtung des Spracherwerbs steht jedoch die Fragestellung im Vordergrund, inwieweit diese Fähigkeit mehr oder weniger fertig und vorbestimmt ist, oder ob sich die Fähigkeit aus der Interaktion zwischen genetisch bedingter Reifung und den Erfahrungen mit der Umwelt entwickelt (ebd., 63). Gerade der Aspekt der Entwicklungsbezogenheit fehlt in der nativistischen Theorie und lässt diesen Ansatz für die Betrachtung der Wortbedeutungsentwicklung im sprachbehindertenpädagogischen Kontext wenig hilfreich erscheinen.
Vertreter der epigenetischen Systemtheorie sehen dagegen menschliches Verhalten als Resultat genetisch gesteuerter Reifungsprozesse und der Interaktion mit der Umwelt. Weder die genetischen noch die ökologischen Faktoren bestimmen in direkter Weise menschliches Verhalten, es sind die „dynamischen Interaktionen selbst, die die psychologischen Strukturen, oder das Verhalten, schaffen“ (ebd., 14). Dies bedeutet, dass das entstandene Verhalten weder direkt aus den genetischen Informationen, noch aus den Informationen der Umwelt ableitbar ist. Durch die Interaktion dieser dynamischen Systeme selbst entstehen unter Rückgriff auf die verfügbaren Handlungs- und Denkmuster neue Formen (vgl. Piaget 1967 zit. in 2001, 14). Wichtig bei diesen Prozessen der Assimilation und Akkommodation ist, dass sie gleichzeitig an der Erkenntnisbildung wirken, sich ergänzen und ein Gleichgewicht anstreben. Sowohl das Subjekt als auch das Objekt verändern sich in diesem Interaktionsprozess, wobei die stabilisierende Assimilation und die verändernde Akkommodation sich ausbalancieren. Piaget nennt diesen Balanceakt "Äquilibration" (vgl. Zürcher 2005).
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zentrale Bedeutung von Wortbedeutungen für den Spracherwerb und skizziert die wechselseitige Beeinflussung der sprachlichen Ebenen sowie das Ziel des Buches, die Förderung semantisch-lexikalischer Kompetenzen theoretisch und praktisch zu fundieren.
2 Aufbau des kindlichen Lexikons: Dieses Kapitel erläutert, dass Wortbedeutungen in komplexen Netzwerken des mentalen Lexikons abgelegt werden und sich das kindliche Begriffssystem durch ständige Modifikation dem konventionellen System annähert.
3 Wortbedeutungsentwicklung: Der theoretische Kern des Buches, der die Bedeutung der epigenetischen Entwicklungstheorie, semantische Prozesse und die Rolle der kognitiven Strukturierung bei der Begriffsbildung untersucht.
4 Der Sprachhandlungsansatz: Hier wird der theoretische Rahmen für eine sprachbehindertenpädagogische Umsetzung definiert, bei der das Kind als aktiver Handelnder in seiner Umwelt verstanden wird.
5 Theorie-Praxis-Bezüge: Dieses Kapitel zieht Schlussfolgerungen aus den entwicklungspsychologischen Grundlagen und dem Handlungsbegriff für die pädagogische Praxis und die Rolle der Lehrkraft als Begleiter.
6 Zum Problem der Diagnostik: Es werden die Grenzen klassischer Testdiagnostik bei spezifischen Sprachentwicklungsstörungen diskutiert und die Notwendigkeit einer förderdiagnostischen Betrachtung betont.
7 Individuelle Prozessanalyse und Wortbedeutung: Das Kapitel bietet eine Anleitung zur qualitativen, individualisierten Diagnostik und präsentiert zahlreiche Praxisbeispiele in Form von individuellen Förderplänen für die Lernenden.
8 Unterrichts- und Therapieplanung: Hier wird die konkrete Unterrichtseinheit „Tiere in Afrika“ detailliert geplant, unter Berücksichtigung der Lerngruppe, der Struktur der Einheit und didaktischer Überlegungen.
9 Dokumentation der Einheit: Eine detaillierte Aufarbeitung der drei Unterrichtsblöcke, inklusive Stundenzielen, Teilzielen und ausführlichen Reflexionen zum Lernprozess.
10 Schlussbetrachtung zum Bezug von Theorie und Praxis: Das Fazit fasst die Bedeutung des eigenaktiven kindlichen Handelns für die Förderung semantisch-lexikalischer Fähigkeiten zusammen und betont die Notwendigkeit einer reflexiven Pädagogik.
Wortbedeutungsentwicklung, semantisch-lexikalische Sprachkompetenz, Sprachentwicklung, Sprachbehindertenpädagogik, Begriffsbildung, mentales Lexikon, Sprachhandlungsansatz, Förderdiagnostik, Assimilation, Akkommodation, individuelle Förderplanung, Unterrichtsplanung, kognitive Entwicklung, kooperative Sprachförderung, Wortschatzspurt.
Das Buch beschäftigt sich mit der theoretischen Fundierung und praktischen Gestaltung der Förderung semantisch-lexikalischer Sprachkompetenzen bei Kindern, insbesondere im Kontext von Unterricht und Therapie.
Zentrale Themen sind die Entwicklung kindlicher Begriffe, der Aufbau des mentalen Lexikons, sprachbehindertenpädagogische Professionalität sowie die individuelle Förderung durch gezielte Unterrichtsplanung.
Das Ziel ist es, auf Basis entwicklungstheoretischer Annahmen (insbesondere nach Gisela Szagun) Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Kinder ihre begrifflichen Netzwerke erweitern und ihre Sprachhandlungsfähigkeit in bedeutsamen Kontexten verbessern können.
Die Arbeit stützt sich auf eine entwicklungspsychologisch begründete, begriffsorientierte Perspektive, die das kindliche Lernen als aktiven Prozess der Assimilation und Akkommodation betrachtet und für die Sprachbehindertenpädagogik adaptiert.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zur Wortbedeutungsentwicklung auch diagnostische Ansätze kritisch beleuchtet sowie eine detaillierte Unterrichtseinheit („Tiere in Afrika“) samt individueller Förderpläne und deren Dokumentation präsentiert.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wortbedeutungsentwicklung, Sprachentwicklung, Förderdiagnostik, kooperative Pädagogik und der begriffsorientierte Ansatz nach Szagun.
Sie dient als Fundament für das Verständnis, dass menschliches Verhalten und somit auch die Sprachentwicklung als Resultat dynamischer Interaktionen zwischen biologischer Reifung und Umwelteinflüssen entsteht, statt genetisch starr vorprogrammiert zu sein.
Er sieht in ihr oft eine statische Momentaufnahme, die den komplexen, veränderbaren und subjektgebundenen Prozess der Wortbedeutungsentwicklung sowie den individuellen Lernkontext des Kindes nur unzureichend erfassen kann.
Sie betont die Gebundenheit der Sprache an die Lebenswirklichkeit und setzt darauf, dass alle am pädagogischen Prozess Beteiligten von den jeweiligen sozialen und sprachlichen Stärken der anderen profitieren können.
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