Magisterarbeit, 2000
79 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung: Medien als Forschungsproblem
1.1 Gegenstandsbestimmung
1.2 Grundlegende Positionen zum Medien-Begriff
1.3 Medientheorie zwischen Aktualität und Forschungstradition
1.4 Bebilderte Bücher als Medien
2 Medienwandel: Oralität – Skriptographie – Typographie
2.1 Oralität
2.1.1. Mündlich tradierte Information und ihre Kodierung
2.1.2. Die Schaffensbedingungen oral tradierter Literatur
2.1.3. Mündlichkeit und Bildlichkeit: Bilder im Kopf
2.2 Skriptographie
2.2.1. Die sozialen Voraussetzungen für die Prämierung der Skriptographie
2.2.2. Text und Bild in bebilderten Sammelhandschriften
2.3 Die Typographie: Eine Brücke zwischen Bild und Text
3 Das „Narrenschiff“ als Produkt seiner Zeit
3.1 Zeit als Zeugnis und Zeugnisse einer Zeit
3.1.1. Das Wissen über die Anfänge der Typographie: Die Quellenlage
3.1.2. Das Kolophon des „Catholicons“ als Zeugnis des frühen Buchdrucks
3.1.3. Der Holzschnitt aus „La Danse macabre“ und die Buchdruckkunst
3.1.3.1. Die Quellenlage der bildlichen Überlieferung des Buchdrucks
3.1.3.2. Exkurs: Der mittelalterliche Totentanz
3.1.3.3. Der Holzschnitt von 1499/1500 als Zeugnis seiner Zeit
3.1.3.4. Die Kritik der Typographie: der zeitgeschichtliche Blickwinkel
3.1.3.5. Die Kritik der Typographie: Der mediengeschichtliche Blickwinkel
3.2 Text- und Bildmedien der frühen Typographie - Das Beispiel: Die Flugschriften von Sebastian Brant
3.2.1. Das Kolophon des Catholicons als Textmedium
3.2.2. Die Flugschriften Brants als Bildmedium
3.2.3. Die Flugschriften Brants als Textmedium
3.3 Der Text-Bild-Bezug im „Narrenschiff“ als Medium
3.3.1. Der Text im „Narrenschiff“ als Medium
3.3.2. Die Bilder im „Narrenschiff“ als Medium
4 Visualisierung
4.1 Die Prämierung des visuellen Kanals: Eine neue Wirklichkeit entsteht
4.2 Die Einführung der Zentralperspektive in Bild und Text
4.2.1. Die Zentralperspektive als kodierte Information
4.2.2. Die Konstruktion von Perspektive im „Narrenschiff“
4.2.2.1. Perspektive im Bild
4.2.2.2. Perspektive im Text
5 Die Prämierung der Typographie und die Entdeckung der „Neuen Welt“
6 Schluß: Das Wissen, der Buchdruck und die „Neue Welt“
Die Arbeit untersucht den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit als mediengeschichtlichen Umbruch. Zentral ist dabei die Frage, inwiefern das „Narrenschiff“ von Sebastian Brant als exemplarisches Produkt dieser Zeit fungiert, das Bild und Text als gleichwertige Informationsmedien nutzt, um ein neues Weltbild und eine veränderte Wissensverwaltung zu reflektieren.
3.1.2. Das Kolophon des „Catholicons“ als Zeugnis des frühen Buchdrucks
Das Kolophon des „Catholicons“ stammt aus dem Jahr 1460 und wurde in Mainz erstellt. Die Autorenschaft ist nicht geklärt, es gibt für Giesecke jedoch „keine Argumente, die gegen Gutenberg als Autor sprechen“. Weiter argumentiert Giesecke:
„Für [Gutenberg] sprechen die geschilderten theoretischen Deduktionen über die Antriebe Gutenbergs. Für ihn spricht weiter der dem mittelalterlichen Geist verpflichtete Bescheidenheitstopos zu Beginn der Schlußschrift. Wenn sich die Offenbarung Gottes auf das Geschenk des Buchdrucks bezieht, und sich der Beschenkte – also Gutenberg – als ein 'Geringer' empfindet, dann ist es auch nur folgerichtig, daß er in der Tradition bleibt und seinen Namen nicht unter das Werk setzt. Mittelalterliche Demut verknüpft sich beim Verfasser des Catholicons mit Stolz und – wenn es sich denn um Gutenberg handelt – mit unbändiger Experimentierfreude.“
Der Auszug aus dem Kolophon ist stark geprägt vom Weltbild der Zeit, aus der es stammt. Um die Durchsetzung und das Neue an der Typographie zu verstehen, empfiehlt es sich, die Frühzeit des Buchdrucks als Zeugnis zu begreifen. Damit ist gemeint, daß es bei der Untersuchung des frühneuzeitlichen Buchdrucks zu berücksichtigen gilt, daß man es hier mit einem epochalen Umbruch zu tun hat.
1 Einleitung: Medien als Forschungsproblem: Einführung in die medienhistorische Fragestellung der Arbeit mit Fokus auf Sebastian Brants „Narrenschiff“ und den Medienbegriff.
2 Medienwandel: Oralität – Skriptographie – Typographie: Analyse der stufenweisen Entwicklung von mündlicher Wissensspeicherung über das handschriftliche Fixieren bis zur typographischen Revolution.
3 Das „Narrenschiff“ als Produkt seiner Zeit: Untersuchung der historischen Bedingungen und der Quellenlage zur Entstehung des „Narrenschiffs“ im Kontext von Buchdruck und Totentanz-Motiven.
4 Visualisierung: Erörterung der visuellen Transformation von Wissen, insbesondere durch die Einführung der Zentralperspektive als neues Konstruktionsprinzip von Wirklichkeit.
5 Die Prämierung der Typographie und die Entdeckung der „Neuen Welt“: Verknüpfung der typographischen Innovation mit dem veränderten Wissensverständnis im Zeitalter der Entdeckungen.
6 Schluß: Das Wissen, der Buchdruck und die „Neue Welt“: Synthese der Ergebnisse über den Wandel des Wissenskonzepts vom bloßen Sammeln zur dynamischen Erweiterung.
Medienwandel, Buchdruck, Typographie, Narrenschiff, Sebastian Brant, Skriptographie, Oralität, Zentralperspektive, Wissensspeicherung, Wissenserweiterung, Mediengeschichte, Totentanz, Text-Bild-Bezug, Umcodierung, Wissensvermittlung.
Die Magisterarbeit untersucht die Einführung des Buchdrucks als zentralen Umbruch in der Mediengeschichte. Dabei wird analysiert, wie dieser technologische Wandel das Verständnis von Wissensverwaltung und Wirklichkeitskonstruktion beeinflusste.
Die Arbeit behandelt die Entwicklung von der Oralität über die Skriptographie zur Typographie, die Bedeutung des Text-Bild-Bezugs in Brants „Narrenschiff“ sowie die philosophische und historische Verbindung zwischen Buchdruck und der Entdeckung der „Neuen Welt“.
Das Ziel ist es, den Medienwandel an der Wende zur Neuzeit aufzuzeigen und insbesondere zu demonstrieren, wie der Buchdruck nicht nur ein neues technisches Verfahren darstellte, sondern eine fundamental neue Art der Wissensverarbeitung und Weltwahrnehmung erzwang.
Die Arbeit nutzt medientheoretische Ansätze, insbesondere von Marshall McLuhan und Michael Giesecke, um eine mediengeschichtliche Betrachtung durchzuführen. Dabei werden historische Quellen, Kolophone und ikonographische Zeugnisse systematisch analysiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Entwicklung des Buchdrucks, die Analyse des „Narrenschiffs“ als Medium mit Bildprogramm sowie die Einführung der Zentralperspektive als Resultat eines neuen Wirklichkeitsverständnisses.
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Medienwandel, Typographie, Narrenliteratur, Wissensverwaltung, Zentralperspektive, Umcodierung und das „Narrenschiff“ als mediengeschichtliches Zeugnis.
Das Kolophon von 1460 ist eines der wenigen zeitgenössischen Zeugnisse, das Einblicke in Gutenbergs Selbstverständnis und die Ästhetik der frühen Typographie gewährt. Es zeigt den Übergang von mittelalterlicher Demut zu individuellem Stolz auf die neue Technik.
Die Narrenfigur bei Sebastian Brant dient als Instrument der satirischen Spiegelung, in der die soziale Ordnung und menschliche Verhaltensweisen seitenverkehrt dargestellt werden, um den Leser zu ermahnen und zur Rückkehr zu traditionellen Werten zu bewegen.
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