Magisterarbeit, 2004
121 Seiten, Note: 1,0
1. Polen in der deutschen Literatur – Einige Voraussetzungen
1.1. Zur Rolle von Stereotypen
1.2. Aufgaben und Möglichkeiten der Literatur
2. August Scholtis: Ostwind
2.1. August Scholtis – Ein Leben im Grenzland
2.2. Ostwind – Eine kurze Entstehungsgeschichte
2.3. Ostwind – Polen und Deutsche in Oberschlesien
2.3.1. Woicech, Dollny und Trockenbrott
2.3.2. Der Erste Weltkrieg und seine Folgen
2.3.3. Zeit der polnischen Aufstände und Teilung Oberschlesiens
2.3.4. Kaczmarek
3. Günter Grass: Die Blechtrommel
3.1. Grass' Jugend in Danzig
3.2. Die Blechtrommel entsteht
3.3. Die Polenbezüge der Blechtrommel
3.3.1. Die polnischen Gestalten in der Blechtrommel
3.3.1.1. Joseph Koljaiczek
3.3.1.2. Vinzent Bronski
3.3.1.3. Jan Bronski
3.3.2. Das Triumvirat – Agnes, Matzerath, Jan Bronski
3.3.3. Oskar
3.3.3.1. Oskars kaschubisch-polnisches Erbe
3.3.3.2. Oskar, der Geschichte-Erzähler
4. Johannes Bobrowski: Levins Mühle
4.1. Ein Sarmate im 20. Jahrhundert – Johannes Bobrowski
4.2. Ausweitung des „sarmatischen Kosmos“ – Zur Entstehung von Levins Mühle
4.3. Die Deutschen im Osten – Bobrowskis Modellfall nationaler Interaktion
4.3.1. Der Enkel-Erzähler in Levins Mühle
4.3.2. Der Großvater und seine „Unionsgenossen“
4.3.2.1. Die Geistererscheinungen des Großvaters
4.3.3. Habedank-Gruppe
4.3.4. Direkte Konfrontation zwischen Großvater- und Habedank-Gruppe
5. Günter Grass: Unkenrufe
5.1. Zur Einordnung der Unkenrufe
5.2. Aleksandra und Alexander – ein harmonisch-gegensätzliches Paar
5.3. Der Versöhnungsfriedhof – Tod einer Utopie
5.4. Der Krötenschlucker – Erzähler der Unkenrufe
5.5. Das Motiv der Unkenrufe
5.6. Erna Brakup oder: Das Sterben der Kaschuben
5.7. Chatterjee – Utopie einer asiatisch-europäischen Symbiose
6. Abschließende Betrachtung der behandelten Prosawerke
6.1. Vergleich der Prosawerke in Hinblick auf Erzählhaltung, Einbettung von Geschichte und Zeitgeschichte sowie sprachliche Gestaltung
6.1.1. Ostwind und Die Blechtrommel
6.1.2. Levins Mühle
6.1.3. Unkenrufe
6.2. Das Polenbild bei Scholtis, Grass und Bobrowski
6.2.1. August Scholtis
6.2.2. Günter Grass
6.2.3. Johannes Bobrowski
7. 60 Jahre deutsch-polnisches Verhältnis im Spiegel der Literatur
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des deutsch-polnischen Verhältnisses in ausgewählten Prosawerken von August Scholtis, Günter Grass und Johannes Bobrowski, um die Entwicklung des deutschen Polenbildes im 20. Jahrhundert und bis in die unmittelbare Nachwendezeit literarisch und imagologisch nachzuvollziehen.
2.3.1 Woicech, Dollny und Trockenbrott
Die Namen der polnischen Irredentisten sind Anspielungen auf reale Personen, bei Woicech an Wojciech Korfanty, einen der Anführer der polnischen Aufstandsbewegung, und bei Dollny an Rechtsanwalt Wollny (vgl. HB, S. 211ff.); der Name des Generaldirektors dient in erster Linie dazu, die Figur negativ zu zeichnen.
Die beiden Polen werden mittels der Figur Sefflik Pitullas ins Romangeschehen eingeführt. Pitulla ist Deutscher, kann sich nur des Wasserpolnischen bedienen, beherrscht somit keine offiziell anerkannte Sprache vollkommen richtig, und trotz des für das preußische Vaterland geleisteten Kriegsdienstes ist er darauf angewiesen zu betteln, damit fungiert er als Kontrastfigur zu den beiden Polen (vgl. OW, S. 12).
Denn Woicech ist ein „eleganter junger Mann“ (OW, S. 13), der es sich leisten kann, an Pitulla eine Zigarre zu verschenken, und kurze Zeit später vom Erzähler als „hundertprozentiger Oberschlesier, eitel, posenhaft und rednerisch“ (OW, S. 16) charakterisiert wird. Woicechs Redseligkeit wird im Verlauf des Romans nochmals betont:
„Woicech sprach überdies sehr gern und viel von sich selbst. Gab seinen Lebenslauf zum besten. Er, der Sohn eines oberschlesischen Kumpels, habe auf Kosten eines Pfarrers studieren dürfen. In Deutschland sogar. Auf deutschen Bildungsanstalten. Der Pfarrer habe gewußt, was er tat. Die Industrialisierung Oberschlesiens, die von Tag zu Tag das Volk seinem angestammten Wesen entfremde, müßte einen Damm bekommen.“(OW, S. 156)
Dies ist insofern negativ zu bewerten, als dass man Menschen, die viel reden, unterstellt, sie handelten wenig. Woicechs Stolz auf das Studium in Deutschland befremdet und macht ihn suspekt, als Vertreter des polnischen Volkes sollte er mehr Begeisterung für die polnische Kultur aufbringen. Seine wichtigste Aussage aber ist, dass die Industrialisierung Oberschlesiens einen Damm brauche, der er sein möchte.
1. Polen in der deutschen Literatur – Einige Voraussetzungen: Einleitung in die Thematik der Stereotypenforschung und die Bedeutung von Nationenbildern sowie die Rolle der Literatur bei deren Bearbeitung.
2. August Scholtis: Ostwind: Untersuchung des Romans Ostwind vor dem Hintergrund der oberschlesischen Grenzlandproblematik und der persönlichen Erfahrungswelt des Autors.
3. Günter Grass: Die Blechtrommel: Analyse der Polenbezüge in der Blechtrommel unter besonderer Berücksichtigung der Figurenkonstellationen und des erzählerischen Umgangs mit Geschichte.
4. Johannes Bobrowski: Levins Mühle: Betrachtung von Bobrowskis "sarmatischem Kosmos" und seiner erzählerischen Gestaltung eines Modellfalls nationaler Interaktion im 19. Jahrhundert.
5. Günter Grass: Unkenrufe: Auseinandersetzung mit der Erzählung Unkenrufe als literarische Reaktion auf die Wiedervereinigung und die Utopie der Versöhnung.
6. Abschließende Betrachtung der behandelten Prosawerke: Synthese und Vergleich der literarischen Strategien, Erzählhaltungen und des jeweiligen Polenbildes bei den drei untersuchten Autoren.
7. 60 Jahre deutsch-polnisches Verhältnis im Spiegel der Literatur: Fazit zur literarischen Aufarbeitung der deutsch-polnischen Geschichte und dem Wandel des Polenbildes im Zeitverlauf.
Deutsch-polnisches Verhältnis, Polenbild, Stereotype, Imagologie, August Scholtis, Günter Grass, Johannes Bobrowski, Oberschlesien, Danzig, Ostwind, Die Blechtrommel, Levins Mühle, Unkenrufe, Nation, nationale Identität.
Die Arbeit analysiert die Darstellung des polnischen Volkes und die Interaktion zwischen Deutschen und Polen in ausgewählten literarischen Prosawerken des 20. Jahrhunderts.
Im Zentrum stehen Themen wie nationale Stereotype, die Rolle der Heimat und des Grenzlandes, historische Aufarbeitung und das literarische "Polenbild" in verschiedenen politischen Epochen.
Ziel ist es, die Entwicklung des deutschen Polenbildes anhand der Romane von Scholtis, Grass und Bobrowski aufzuzeigen und literaturwissenschaftlich zu kontextualisieren.
Die Arbeit nutzt Ansätze der literaturwissenschaftlichen Imagologie, um zu untersuchen, welche Eigenschaften nationalen Gruppen in den Werken zugeschrieben werden und wie diese auf der Basis historischer Gegebenheiten konstruiert sind.
Der Hauptteil widmet sich detailliert den Analysen der Romane Ostwind, Die Blechtrommel, Levins Mühle und Unkenrufe, wobei jeweils Entstehungsgeschichte, erzählerische Umsetzung und Figurenkonstellationen beleuchtet werden.
Wichtige Begriffe sind Polenbild, Stereotype, nationale Identität, Oberschlesien, Danzig, Versöhnung und das literarische Verhältnis zwischen Deutschland und Polen.
Das Wasserpolnische wird als eine Art "Identifikationselement" der Bevölkerung gewertet, das sich aufgrund seiner mangelnden Normierung nur schwer für Propagandazwecke missbrauchen lässt.
Während Grass die Geschichte als chaotischen, aber zyklischen Prozess durch den Erzähler Oskar inszeniert, gestaltet Bobrowski in Levins Mühle einen eher erzählerisch montierten Ansatz, der Vergangenheit und Gegenwart durch eine übergeordnete Erzählhaltung durchdringt.
Das Skatspiel dient als Metapher für das politische und private Machtgefüge zwischen den Figuren sowie als Schutzraum, um erotische und politische Spannungen zu überdecken.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

