Magisterarbeit, 2003
121 Seiten, Note: 2,3
Einleitung
I. Historische Einführung
1. Sozio-kulturelle Unterschiede
2. Perzeption durch die Briten
3. Geografische Ausdehnung
4. Krieg – Massaker – Vertreibung
II. Phasen der Minderheitenpolitiken: Von Assimilation zu Bikulturalismus
1. Assimilationspolitik
2. Integrationspolitik
3. Tu Tangata – Entwicklung und Stärkung der Maori
4. Te Urupare Rangapu – Responsive Partnerschaft
III. Die Aborigine- und Maori-Population heute
1. Lebensbedingungen
2. Landrechte
2.1 National Native Title Tribunal (NNTT)
2.2 Maori Land Court (MLC) und Waitangi Tribunal (WT)
2.3 Landrechte und Souveränität
3. Repräsentation
4. John Howard und die reconciliation-Debatte
IV. Determinanten der Minderheitenpolitiken in Australien und Neuseeland
1. Politisch-institutionelle Variablen
1.1 Konstitutionelles Setting
1.2 Verfassungsgerichte
2. Parteiendifferenz-Theorie
3. Geografische und sozio-kulturelle Variable
4. Vertrag zwischen Siedlern und Ureinwohnern
V. Exkurs: Liberalismus vs. Kommunitarismus – Individualrechte vs. Gruppenrechte
VI. Australien auf dem Weg zum Bikulturalismus?
1. Bikulturalismus in Neuseeland
2. Zukünftige Perspektiven der australischen Minderheitenpolitik
Schluss
Appendices
1. Te Tiriti o Waitangi / Der Vertrag von Waitangi
2. Australian Declaration Towards Reconciliation
3. Roadmap for Reconciliation
Die Arbeit analysiert vergleichend die Minderheitenpolitiken Australiens und Neuseelands, um die Faktoren zu untersuchen, die zu den jeweiligen Ist-Zuständen geführt haben. Forschungsleitend ist die Frage, ob Australien dem neuseeländischen Weg zum Bikulturalismus folgen wird oder eine eigene, spezifisch australische Konzeption in den Beziehungen zwischen Aborigines und der weißen Mehrheit entwickeln wird.
2. Perzeption durch die Briten
Die oben beschriebenen Unterschiede in sozialer Organisation und Lebensweise waren maßgeblich verantwortlich für die Art und Weise, wie die britischen Kolonisten und vor allem die politischen Führer im Londoner Westminster-Parlament den Minderheiten in Australien und Neuseeland gegenüber traten. Zentral hierbei war die Frage, ob die Aborigines beziehungsweise die Maori als souveräne Nation angesehen werden konnten. Geltendes britisches Recht gegen Ende des 18. Jahrhunderts sprach den Einwohnern von neu entdeckten Landmassen nur dann den Status der Souveränität zu „...if, by their labour and practice of agriculture, they used it and changed it by constructing buildings and towns“ (Broome 1994: 26). Wurden diese Kriterien erfüllt, war es die übliche Vorgehensweise der britischen Kolonisten, mit solchen „First Nations“ über die Modalitäten der Besiedelung zu verhandeln. Dieser eurozentristischen Sicht folgend erfüllten die Aborigines die erforderlichen Kriterien jedoch nicht (vergl. Reynolds 1996: 10) und wurden somit nicht als adäquater Verhandlungspartner angesehen. So entwickelte sich die Doktrin der terra nullius (lat. „niemandes Land“), die den Kontinent als leer und unbewohnt deklarierte und somit die britische Krone als ersten Souverän installierte.
Diese Vorstellung konstituierte den Kern der Vertreibung und Unterdrückung der australischen Ureinwohner und wurde erst im Jahr 1995 durch die Entscheidung des High Court im Mabo-Fall aufgehoben (s. Kapitel II 2.). Dass die damalige eine Fehleinschätzung war und dass auch nach dem Kenntnisstand von 1788 die Aborigines als souveräne Nation hätten eingeschätzt werden müssen, hat Henry Reynolds (1996: 39ff.) durch eine Untersuchung von historischen Quellen dargelegt.
I. Historische Einführung: Dieses Kapitel legt die Grundlagen zum Verständnis, indem es sozio-kulturelle Unterschiede zwischen Aborigines und Maori sowie deren Wahrnehmung durch die britischen Kolonisten untersucht.
II. Phasen der Minderheitenpolitiken: Von Assimilation zu Bikulturalismus: Die verschiedenen historischen Etappen der Minderheitenpolitik werden chronologisch nachgezeichnet, wobei der Schwerpunkt auf den Übergängen von Assimilation zu Integration und schließlich Bikulturalismus liegt.
III. Die Aborigine- und Maori-Population heute: Hier wird der aktuelle Stand der Minderheiten in den Bereichen Lebensbedingungen, Landrechte, Repräsentation und der Reconciliation-Debatte in Australien detailliert dargestellt.
IV. Determinanten der Minderheitenpolitiken in Australien und Neuseeland: Dieses Kapitel analysiert mittels politikwissenschaftlicher Ansätze, insbesondere der vergleichenden Policy-Forschung, die strukturellen Determinanten der jeweiligen Politikansätze.
V. Exkurs: Liberalismus vs. Kommunitarismus – Individualrechte vs. Gruppenrechte: Dieser Abschnitt behandelt die theoretische Debatte um die normative Begründbarkeit von Gruppenrechten für indigene Minderheiten.
VI. Australien auf dem Weg zum Bikulturalismus?: Abschließend wird auf Basis der vorangegangenen Analysen die Zukunftsfrage für Australien erörtert und zwei mögliche Szenarien werden entworfen.
Minderheitenpolitik, Australien, Neuseeland, Aborigines, Maori, Bikulturalismus, Assimilationspolitik, Landrechte, Gruppenrechte, Reconciliation, Vertrag von Waitangi, politische Institutionen, Policy-Forschung, Indigenous Rights, Souveränität.
Die Arbeit untersucht vergleichend die Entwicklung und Ausgestaltung der Minderheitenpolitik in Australien und Neuseeland, um Erklärungsmodelle für die Unterschiede zu finden und zukünftige Perspektiven für Australien zu entwickeln.
Die Arbeit fokussiert sich auf historische Entwicklungen, politisch-institutionelle Determinanten, Landrechte, Repräsentationsmodelle sowie die theoretische Debatte um Gruppenrechte im Kontext indigener Minderheiten.
Das Ziel ist es, zu verstehen, warum Australien und Neuseeland – trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen – unterschiedliche Minderheitenpolitiken entwickelt haben, und basierend darauf Szenarien für die zukünftige Ausrichtung in Australien zu skizzieren.
Die Arbeit verfolgt einen historisch-empirischen, vergleichenden Policy-Ansatz, der mit Elementen des Neo-Institutionalismus sowie normativ-moraltheoretischen Debatten kombiniert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Politikphasen, eine Analyse der aktuellen sozio-ökonomischen und rechtlichen Lage sowie eine theoretische Reflexion über Liberalismus, Kommunitarismus und Gruppenrechte.
Zentrale Begriffe sind Minderheitenpolitik, Bikulturalismus, Landrechte, Reconciliation, Selbstbestimmung und der Vertrag von Waitangi.
Der Vertrag von Waitangi und die frühe formale Anerkennung der Maori als souveräne Nation sowie die geografischen Gegebenheiten ermöglichten den Maori eine effektivere Organisation ihrer Interessen und einen schnelleren Prozess der Inkorporation in das politische System als den Aborigines.
Der High Court fungiert als ein entscheidender institutioneller Akteur, dessen Urteile – wie im Mabo-Fall – das Prinzip der terra nullius kippten und so den Weg für die rechtliche Anerkennung von Landrechten (native title) ebneten.
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