Examensarbeit, 2005
56 Seiten, Note: 2,0
1. Wertübermittlung – Der Mensch ist von Natur aus böse
1.1 Wolf unter Wölfen
1.2 Haken und Fallstricke des Wertübermittlungsansatzes
2. Wertklärung - Der Mensch ist von Natur aus gut
2.1 Blumenkinder
2.2 Rousseau – Das Gute im Natürlichen
2.3 Einwände und Anmerkungen zum Wertklärungsansatz
2.4 Suum cuique – Erziehung zur Wertklarheit
3. Zur höchsten Stufe - Der progressive Ansatz der Moralerziehung
3.1 Moralische Urteilsfähigkeit
3.2 Unwissend fair
3.3 Schwierigkeiten und Stärken der Kohlbergschen Moralauffassung
3.4 Ansätze nach Kohlberg
4. Abschließende Überlegungen
4.1 Die Stufentheorie als dialektische Antwort
4.2 Offene Fragen
4.3 Weiter-Denken
6. Materialien
6.1 Interpretation “Lord Of The Flies”
6.2 Bildungsplan Ethik
6.3 Mut zur Erziehung, 9 Thesen
6.4 Stufenmodell, Tabelle nach Fittkau
Die Arbeit untersucht verschiedene philosophische Konzepte der Moralerziehung, um das Spannungsfeld zwischen tradierten Wertübermittlungen, romantischen Ansätzen der Wertklärung und progressiven Modellen wie der Stufentheorie nach Kohlberg kritisch zu beleuchten und eine zeitgemäße pädagogische Perspektive zu entwickeln.
1.1 Wolf unter Wölfen
Hobbes gelingt es 1651 mit seinem Leviathan eine Staatstheorie zu erschaffen, die ohne jede metaphysische Fundierung auskommt und dem Staat allein aus Gründen der Zweckmäßigkeit eine Daseinsberechtigung erteilt. Der Staat, Leviathan genannt, ist notwendig um das menschliche Zusammenleben zu regeln und die Menschen davon abzuhalten, sich gegenseitig Gewalt anzutun, denn der Mensch ist allen anderen Menschen in erster Linie ein Wolf, der das eigene Leben und Wohl zu verteidigen sucht. Erst durch den Staat wird der Naturzustand abgeschafft, der laut Hobbes in einem immerwährenden Kriegszustand zwischen den Menschen bestünde. So entsteht ein Staat mit Gesetzen und Einschränkungen der individuellen Freiheiten allein deshalb, weil die Menschen ein Verlangen danach haben „sich selbst zu erhalten und ein bequemeres Leben zu führen; oder mit anderen Worten, aus dem elenden Zustande eines Krieges aller gegen alle gerettet zu werden.“ (Hobbes 2003, S. 151)
In Abgrenzung zum christlichen Glauben gibt Hobbes dem absolutistischen Staatskonzept, in dem der König seine Aufgabe von Gottes Gnaden erhielt, ein rein pragmatisches Fundament, das nicht auf die Existenz Gottes und den Glauben daran angewiesen ist. Der Staat erhält seinen Wert nicht von Gott, sondern allein durch seine Zweckmäßigkeit. So revolutionär Hobbes` Staatstheorie in diesem Punkt sein mag, so teilt Hobbes doch weiterhin sein pessimistisches Menschenbild mit der christlichen Tradition. Während das Christentum sich das Elend des Naturzustandes mit dem Mythos um die Vertreibung aus dem Paradies und den Sündenfall erklärt, ergibt sich für Hobbes das Elend des menschlichen Naturzustandes notwendig aus der menschlichen Natur selbst. Beiden Auffassungen gemeinsam ist die Empfindung des Naturzustandes als einen Zustand, der überwunden werden muss, weil er für den Menschen gefährlich, unwürdig, im christlichen Sinne sogar sündig ist.
1. Wertübermittlung – Der Mensch ist von Natur aus böse: Analysiert den technologischen Ansatz der Moralerziehung, der auf einer pessimistischen Sicht des Menschen als Tabula Rasa basiert, und setzt diesen in Bezug zu Thomas Hobbes' Leviathan.
2. Wertklärung - Der Mensch ist von Natur aus gut: Untersucht den romantischen Erziehungsansatz, der Freiheit in den Mittelpunkt stellt, und kritisiert dessen Gefahr der ethischen Konzeptlosigkeit sowie eine mögliche unbewusste Indoktrination.
3. Zur höchsten Stufe - Der progressive Ansatz der Moralerziehung: Stellt Lawrence Kohlbergs moralpsychologische Theorie vor, welche die Entwicklung moralischer Urteilsfähigkeit durch Gerechtigkeitsprinzipien (nach Rawls) als dynamischen Prozess versteht.
4. Abschließende Überlegungen: Synthetisiert die Ergebnisse der drei Ansätze und plädiert für eine Moralerziehung, die das Vertrauen in die individuelle Kompetenz der Schüler statt eines dogmatischen „moralischen Zeigefingers“ in den Vordergrund stellt.
Moralerziehung, Wertübermittlung, Wertklärung, progressive Moralerziehung, Kohlberg, Rousseau, Hobbes, Gerechtigkeit, Ethikunterricht, Naturzustand, moralische Urteilsfähigkeit, Indoktrination, Tugend, Gewissen, Freiheit.
Die Arbeit analysiert drei grundlegende theoretische Konzepte der Moralerziehung – Wertübermittlung, Wertklärung und den progressiven Ansatz – und untersucht deren philosophische Wurzeln sowie deren Anwendung im schulischen Kontext.
Die zentralen Themen sind das Menschenbild (gut vs. böse/unbeschrieben), die Frage nach der Lehrbarkeit von Tugend, das Verhältnis von Freiheit und Indoktrination sowie die Bedeutung von Gerechtigkeit.
Das Ziel ist es, den "moralischen Zeigefinger" zu hinterfragen und zu zeigen, dass die Förderung der moralischen Urteilsfähigkeit ein effektiverer Weg der Erziehung ist als das bloße Vermitteln von tradierten Normen.
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Arbeit, die philosophiegeschichtliche Analysen, eine Auseinandersetzung mit Staatstheorien sowie entwicklungspsychologische Erkenntnisse (Kohlberg, Piaget) methodisch kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Hauptansätze der Moralerziehung: der technologische Ansatz (Hobbes), der romantische Ansatz (Rousseau, Neill) und der progressive Ansatz (Kohlberg, Rawls).
Die wichtigsten Begriffe umfassen Moralerziehung, Gerechtigkeit, moralische Urteilsfähigkeit, Indoktrination, Wertrelativität und moralische Entwicklung.
Die Autorin kritisiert, dass der Ansatz in eine "ethische Konzeptlosigkeit" abgleitet, da die moralische Frage ins rein subjektive Gefühlsleben verlagert wird und eine objektive Begründung von Werten kaum möglich erscheint.
Das Hobbes-Beispiel verdeutlicht die Analogie zwischen dem Verlangen nach einem übermächtigen Staat, um das "Chaos" zu bändigen, und dem pädagogischen Verlangen nach einer strikten, normativen Werteübermittlung durch Lehrkräfte.
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