Magisterarbeit, 2004
113 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. The Enigma of Arrival: Transformation der kulturellen Tradition
2.1 Aneignung von Identität
2.2 Spaltung von Identität
2.3 Loslösung von Einheitsidentität
3. A Way in the World: Integration der kolonialen Perspektive
3.1 Distanzierung von Identität
3.2 Entfremdung von Identität
3.3 Akzeptanz von Exilidentität
4. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion von Identität in V. S. Naipauls Werken "The Enigma of Arrival" und "A Way in the World". Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der Autor das Spannungsfeld zwischen kolonialer Prägung und kultureller Integration durch literarische Techniken und autobiografische Erzählstrukturen verhandelt.
2.1 Aneignung von Identität
Das Motiv der Ankunft impliziert semantisch ebenso das Erreichen eines Ziels als Abschluss einer Reise oder Suche, als auch das Beenden eines Prozesses, der zum Stillstand kommt. Dabei ist die Ankunft eine Positionierung, die in Bezug auf Identität verbunden ist mit Sprach- und Erkenntnisfindung. Denn Identität als personale Einheit ist die Grundlage für jegliche Kommunikation, die an ein System gebunden ist: „The essence of the self (...) is cognitive: it lies in the internalized conversation of gestures which constitutes thinking, or in terms of which thought or reflection proceeds.“ Um eine Äußerung zu tätigen, die eine Erkenntnis offenbart, muss man innerhalb dieses kommunikativen Systems einen notwendigen Halt machen und Stellung beziehen in der endlosen gegenseitigen Ausspielung von Differenzen. Also markiert die Ankunft ebenso einen Anfang, indem sie den Startpunkt für eine systematisch orientierte Äußerung vorgibt.
Die Ankunft als symbolischer Fixpunkt von Identität steht damit für das Ideal von Stabilität, die den Lern- und Bildungsprozess der Suche oder Reise als Erinnerung integriert und zugleich eine Grundlage für zukünftiges Handeln schafft. Dieses Ideal wird im Allgemeinen deutlich in der Metaphorik eines Ortes, an dem die Zeit still steht. Dieser Ort ist einerseits in die Vergangenheit projiziert als verlorenes Moment des Glücks, andererseits wird er in einen utopischen Ort transformiert, der eine Aussöhnung von Selbst und Welt impliziert: „The journey and its destinations are often described as a passage through symbolic time, forwards towards a resolution of conflict and backwards towards a lost aspect of the past.“
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die postkoloniale Problematik der Identitätsfindung bei V. S. Naipaul ein und etabliert den theoretischen Rahmen um Dekonstruktion und Subjektbildung.
2. The Enigma of Arrival: Transformation der kulturellen Tradition: Dieses Kapitel analysiert, wie der Erzähler versucht, durch Integration in die ländliche Umgebung und kulturelle Vorbilder eine stabile, synthetische Identität zu konstruieren.
2.1 Aneignung von Identität: Hier wird die Ankunft als symbolischer Fixpunkt und notwendige Bedingung für die Kommunikation und das Subjektverständnis untersucht.
2.2 Spaltung von Identität: Dieses Kapitel thematisiert die Diskrepanz zwischen dem erzählenden Ich und dem erlebenden Ich sowie die damit verbundenen Probleme der autobiografischen Konstruktion.
2.3 Loslösung von Einheitsidentität: Es wird erörtert, wie das Scheitern an der absoluten Identitätsvorstellung zur notwendigen Anerkennung einer prozessualen, hybriden Identität führt.
3. A Way in the World: Integration der kolonialen Perspektive: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die koloniale Perspektive in Trinidad und wie diese durch die Integration in eine Gemeinschaft personale Identität stiften soll.
3.1 Distanzierung von Identität: Hier wird analysiert, warum die Identifikation mit der kolonialen Gemeinschaft für den Erzähler problematisch ist und zu einer notwendigen Distanzierung führt.
3.2 Entfremdung von Identität: Das Kapitel untersucht, wie durch die Abstrahierung und Objektivierung der eigenen Erfahrung eine Entfremdung von der ursprünglichen Identität stattfindet.
3.3 Akzeptanz von Exilidentität: Hier wird die letztendliche Akzeptanz der Exilidentität als notwendige Konsequenz der hybriden Lebenswirklichkeit verhandelt.
4. Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die beiden Romane sich ergänzen, indem sie die Prozesshaftigkeit und Mehrdimensionalität von Identität verdeutlichen.
V. S. Naipaul, Identität, Exil, Postkolonialismus, Autobiografie, Transformation, Subjektbildung, kollektive Identität, kulturelle Tradition, Diskurs, Hybridität, Dekonstruktion, Literaturanalyse, Erinnerung, Entfremdung.
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Konstruktion von Identität in zwei Romanen von V. S. Naipaul, wobei die Spannung zwischen kultureller Tradition und kolonialer Identität im Vordergrund steht.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Exil und Migration, das Motiv der Reise als Identitätssuche, die Bedeutung von Sprache und Geschichte für das Individuum sowie die Dekonstruktion von Einheitsmythen.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Naipauls Protagonisten versuchen, eine schriftstellerische Identität in einer postkolonialen Welt zu etablieren, in der alte Ordnungen zerfallen sind.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch kulturtheoretische Ansätze (wie die von Mead, Derrida oder Said) gestützt wird, um Identitätskonstruktionen im Text zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Analysen, die jeweils die spezifische Identitätsproblematik in "The Enigma of Arrival" und "A Way in the World" detailliert untersuchen und miteinander in Bezug setzen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie postkoloniale Identität, Hybridität, "generalized other" und die prozesshafte Natur autobiografischen Schreibens charakterisieren.
Die Ankunft fungiert sowohl als symbolischer Fixpunkt für Identität als auch als Beginn eines zirkulären Scheiterns an der Suche nach einem statischen, unveränderlichen Selbst.
Der "landlord" wird als "generalized other" interpretiert, der dem Erzähler zunächst Stabilität vorgaukelt, letztlich aber als eine fiktive Konstruktion und Zeichen für imperiale Dekadenz dekonstruiert wird.
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