Diplomarbeit, 2006
71 Seiten, Note: Sehr Gut
EINLEITUNG:
I. SIGMUND FREUDS KONZEPT DER PSYCHOANALYSE
1. Der Ödipuskomplex:
2. Die Verdrängungslehre:
3. Das Ich und das Es:
4. Das Ich und das Über-Ich:
5. Zusammenfassung:
II. PSYCHOANALYTISCHE TEMPUSTHEORIE ZU DEN TAGEBÜCHERN FRANZ KAFKAS:
1. EINFÜHRUNG:
1.1. Vergangenheit:
1.2. Zukünftigkeit:
1.3. Gegenwärtigkeit:
2. DAS PRÄSENS:
2.1. Vergangenheit:
2.1.1. Allgemeine Gültigkeit:
2.1.2. Wiederholung:
2.2. Gegenwart:
2.2.1. Unausweichlichkeit:
2.2.2. Vision:
2.2.3. Gezogene Lehre:
3. DAS PERFEKT:
3.1. Vergangenheit:
3.1.1. Emotionsgebundenheit:
3.2. Gegenwart:
3.2.1. Bewusstseinsgebundenheit:
4. DAS PRÄTERITUM:
4.1. Vergangenheit:
4.1.1. Unwiderruflichkeit:
4.1.2. Unkontrollierbarkeit:
4.1.3. Emotionslosigkeit:
5. DAS PLUSQUAMPERFEKT:
5.1. Vergangenheit:
5.1.1. Abhebung:
5.1.2. Unverständnis:
6. DAS ERSTE FUTUR:
6.1. Zukünftigkeit:
6.1.1. Undurchführbarkeit:
6.1.2. Vermutung:
III. EXKURS TEMPUSTHEORIEN
1. ROLAND HARWEGS TEMPUSTHEORIE:
1.1. Praktische Theorieanwendung:
2. HARALD WEINRICHS TEMPUSTHEORIE:
2.1. Praktische Theorieanwendung:
IV. ZUSAMMENFASSUNG DER DIPLOMARBEIT:
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den scheinbar willkürlichen Wechsel der Tempora in Franz Kafkas Tagebüchern durch eine neu entwickelte, psychoanalytisch fundierte Tempustheorie zu erklären. Die Forschungsfrage untersucht, inwieweit die Wahl eines Tempus nicht durch chronologische oder aspektuelle Faktoren, sondern durch die Notwendigkeit des Über-Ichs bestimmt wird, den seelischen Zustand des Ichs zu schützen und Konflikte durch temporale Distanzierung oder Verdrängung zu regulieren.
1. EINFÜHRUNG:
Alle Akte der Verdrängung, die das Ich eines Individuums vornimmt, erfolgen unter dem moralischen Druck des Über-Ichs. In diesem Sinne entscheidet im Grunde das Über-Ich, welche Vorstellungen und Emotionen im Ich nicht geduldet und daher verdrängt werden. Das Über-Ich als oberste Gewissensinstanz ist somit alleiniger Auslöser von Verdrängungshandlungen. Genau genommen ist ja das im Ich wirksame Realitätsprinzip nichts anderes als eine Projektion aus dem Über-Ich, während das Lustprinzip auf den Sexualtrieb im Es zurückgeht. Ziel des Über-Ichs ist es also, das Ich von moralisch verwerflichen Ideen und Wünschen zu reinigen, um es seinem Idealcharakter anzugleichen. Endpunkt dieser Linie ist demnach ein Über-Ich, das wohlwollend auf seinen Schützling herabblicken kann, der, wie es selbst, frei von seelischen Konflikten und Schwachstellen ist. Das Über-Ich möchte zu sich selbst sagen können: "Endlich braucht mich das Ich nicht mehr, da seine Idealität keiner Zurechtweisung mehr bedarf!" Um diesen Zustand zu erreichen, beobachtet das Über-Ich das Ich in penibler Genauigkeit und unterzieht alle seine Handlungen und Denkvorgänge einer strengen moralischen Prüfung. Entdeckt es irgendwo einen Ansatz, der das Ich von dem Ideal der Gefestigtheit abbringt, verstärkt es seinen Druck und nötigt das Ich förmlich dazu, derartige Tendenzen in sich auszulöschen und zu verdrängen.
Diese Wirkungsweisen des Über-Ichs lassen sich auch im Bereich von Kafkas Tempusgebrauch feststellen. Für die Wahl eines Tempus ist für das Über-Ich nicht entscheidend, ob sich ein Ereignis in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft befindet. Wichtig ist nur, ob das Über-Ich ein Ereignis dem Bewusstsein des Individuums gegenüberstellen kann, ohne dessen seelisches Gleichgewicht zu gefährden. Diesen Idealzustand strebt das Über-Ich grundsätzlich an. Es trachtet also danach, das Bewusstsein (B) des Individuums (I) nach dem Ereignis (E) beziehungsweise das Ereignis nach dem Bewusstsein zu verschieben. Dies gelingt ihm allerdings nicht immer, da nicht alle Erlebnisse des Ichs mit der Über-Ich Konzeption der Einheitlichkeit vereinbar sind. Manche Vorfälle müssen erst vom Ich verarbeitet, andere können nicht verarbeitet und müssen daher verdrängt werden und einige entziehen sich der Kontrolle des Über-Ichs.
EINLEITUNG: Darstellung der linguistischen Forschungslücken beim Thema Tempusgebrauch und Einführung der methodischen Ausrichtung auf eine psychoanalytische Tempustheorie.
I. SIGMUND FREUDS KONZEPT DER PSYCHOANALYSE: Grundlagen der psychoanalytischen Theorie mit Fokus auf Ödipuskomplex, Verdrängungslehre sowie das dynamische Wechselspiel zwischen Ich, Es und Über-Ich.
II. PSYCHOANALYTISCHE TEMPUSTHEORIE ZU DEN TAGEBÜCHERN FRANZ KAFKAS: Der Hauptteil der Arbeit, in dem die verschiedenen Tempusformen (Präsens bis Futur II) als Instrumente der seelischen Konfliktbewältigung und Verdrängungssteuerung analysiert werden.
III. EXKURS TEMPUSTHEORIEN: Kritische Auseinandersetzung mit den Modellen von Roland Harweg und Harald Weinrich und deren Grenzen bei der Erklärung von Kafkas Tagebuch-Stil.
IV. ZUSAMMENFASSUNG DER DIPLOMARBEIT: Resümee über die Eignung der Psychoanalyse zur Erklärung des unkonventionellen Tempuswechsels bei Kafka als Ausdruck pathologischer Strukturen.
Franz Kafka, Tagebücher, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Tempustheorie, Verdrängung, Über-Ich, Ich-Struktur, seelische Verarbeitung, neurotische Persönlichkeit, Tempusgebrauch, linguistische Aspektualität, Bewusstseinskonfrontation, Schreibhemmung, Literaturpsychologie.
Die Diplomarbeit untersucht die Funktion des Tempusgebrauchs in den Tagebüchern von Franz Kafka aus einer psychoanalytischen Perspektive, um zu erklären, warum Kafka innerhalb kurzer Abschnitte scheinbar willkürlich zwischen den Zeiten wechselt.
Die Arbeit verbindet Literaturwissenschaft und Psychoanalyse. Zentrale Felder sind Freuds Persönlichkeitsmodell (Ich, Es, Über-Ich) sowie die Linguistik der Tempora und Aspekte.
Das primäre Ziel ist es zu belegen, dass Kafkas Tempuswahl keinem rein chronologischen oder literarischen Prinzip folgt, sondern ein Abwehrmechanismus des Über-Ichs ist, um das seelische Gleichgewicht des Autors zu wahren.
Die Methode stützt sich auf die Freudsche Psychoanalyse, die dazu dient, die Tagebucheinträge als Symptome einer neurotischen Persönlichkeitsstruktur zu deuten und den Tempusgebrauch als eine Art „seelische Verarbeitung“ zu interpretieren.
Im Hauptteil werden die einzelnen Tempora (Präsens, Präteritum, Perfekt, etc.) systematisch durchleuchtet und anhand von Textbeispielen mit psychischen Prozessen wie Verdrängung, Unausweichlichkeit oder Schuldgefühlen verknüpft.
Schlüsselbegriffe sind Kafka, Psychoanalyse, Verdrängung, Über-Ich, Tempustheorie, seelische Verarbeitung und neurotische Persönlichkeitsstruktur.
Ein Tempuswechsel ist für die Autorin kein Zufall, sondern ein Zeichen dafür, dass das Über-Ich interveniert, um ein Ereignis entweder durch zeitliche Distanzierung „sicher“ zu machen oder durch sofortige Konfrontation eine seelische Verarbeitung zu erzwingen.
Die Autorin argumentiert, dass bestehende Theorien wie die von Harweg oder Weinrich nur faktische oder erzähltechnische Verhältnisse beschreiben, jedoch die tiefenpsychologische, emotionale Belastung („Besetztheit“) der Texte ignorieren, die für Kafka essentiell ist.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

