Bachelorarbeit, 2006
106 Seiten, Note: 1,5
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
Einleitung:
I. Ideelle und strukturelle Ordnungsfaktoren im Kaiserreich
1. Nationalismus und (Para)Militarismus
2. Die Transformation der kaiserlichen Armee
a. im Heer
b. in der Marine
3. Friedensresolution und Vaterlandspartei – Verständigungs- contra Siegfrieden
II. Die erste Phase der Revolution
1. Die Suche der Volksbeauftragten nach einer Bewaffneten Macht
2. Die ersten politischen Morde
Exkurs: einige Bemerkungen zur Rezeptiongeschichte
3. Die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
III. Die Etablierung des politischen Mordes in der Bayrischen Räterepublik
1. Die erste Phase der Revolution
2. Das Attentat auf Kurt Eisner
3. Das Scheitern der Räterepublik
IV. Die Freikorps als halbstaatliche Träger einer uneingeschränkten Gewaltkultur
1. Internationale Aspekte
2. Die Gardekavallerie-Schützendivision als Prototyp einer innerstaatlichen Eingreiftruppe
a. Vom Lynchmord zur Lynchjustiz
b. (Geheim-)Polizeiliche und juristische Rückendeckung
3. Der Soldatische Nationalismus
4. Sozialstruktur und Organisationsformen der Freikorps
V. Der Versailler Vertrag
1. Das Feindbild Erzberger
2. Die Politisierung der Marinebrigade Ehrhardt
VI. Vom Standrecht und „der Erschießung auf der Flucht“ (1920)
1. Politische Morde am revolutionären Gegner (aus geschlossener Formation)
a. Ausnahmezustand und Standrecht
b. Kanonisierter Mord
VII. Politischer Mord und Intellektuelle Verzweiflungstaten (1920-1922)
1. Die ersten Fememorde in Bayern
2. Die Märzaktion in Sachsen
3. Der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund
4. Vom Fememord zur intellektuellen Verzweiflungstat
Schluß
Die Studie untersucht die Genese und Ausbreitung politischer Gewalt in der Weimarer Republik, mit besonderem Fokus auf Preußen und Bayern. Ziel ist es, die Rolle der paramilitärischen Gewaltkulturen, die Verstrickungen der republikanischen Staatsführung mit dem Offizierskorps und die Systematik des politischen Mordes als Instrument zur Destabilisierung der jungen Demokratie kritisch zu analysieren.
Die Transformation der kaiserlichen Armee
Die ein halbes Jahrtausend währende Herrschaft der Hohenzollern in Berlin und dem umgebenden Grenzland (Mark) Brandenburg hatte mit dem Aufstieg Preußens, den siegreichen Kriegen gegen die monarchische Dynastie Österreich –Ungarns (1866), gegen Frankreich (1870) und der Reichsgründung (1871) ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die neugewonnene Großmacht- Stellung Preußens war untrennbar mit den staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen wie Monarchie, Beamtentum, lutherischer Kirche und Armee verbunden. Von diesen zentralen Ordnungsfaktoren, die allesamt auf einem starren Autoritarismus gründeten, genoss die Armee, deren leitende Positionen dem Adel vorbehalten waren , ein hervorzuhebendes Ansehen und eine extraordinäre Stellung.
Die mit der Industrialisierung einhergehenden dramatischen Innovationen der Waffentechnologie mündeten im Ersten Weltkrieg in einer ausufernden Bereitstellung von Gewaltmitteln (Rüstung), deren Zerstörungspotential das „klassische Kriegshandwerk“ revolutionierte. Damit war der industrialisierte Großkrieg funktional von Anfang an durch einen Prestigeverlust des monarchistischen Offizierskorps gekennzeichnet, der in der Kriegsniederlage und dem politischen Systemwechsel nur seinen sichtbarsten Ausdruck fand.
Nach der Okkupation Belgiens im Sommer 1914 und der Ermordung von über viertausend belgischen Zivilisten bei Vergeltungsaktionen fiel in den ersten Kriegsmonaten ein beträchtlicher Teil der alten, adligen Frontoffiziere. Mit dem Scheitern des von General Schlieffen bereits 1905 entworfenen Konzeptes eines Überraschungskrieges blieb auch die allseits erwartete siegreiche Rückkehr bis zur Weihnachtszeit 1914 aus. Der akute Munitionsmangel Ende 1914 veranlasste den deutschen Generalstab, dem im April 1915 von Prof. Fritz Haber angeleiteten, völkerrechtswidrigen Giftgaskrieg zuzustimmen.
Einleitung: Umriss der Thematik der politischen Gewalt in der frühen Weimarer Republik und der kritischen Auseinandersetzung mit der Rolle der Sozialdemokratie und des Militärs.
I. Ideelle und strukturelle Ordnungsfaktoren im Kaiserreich: Analyse der prägenden Elemente des Kaiserreichs wie Nationalismus und Militarismus, die das Fundament für die spätere politische Kultur bildeten.
II. Die erste Phase der Revolution: Untersuchung der Matrosenmeuterei und der Machtstrukturen während der Novemberrevolution in Berlin.
III. Die Etablierung des politischen Mordes in der Bayrischen Räterepublik: Beleuchtung der instabilen politischen Lage in Bayern, der Ermordung Kurt Eisners und der daraus folgenden politischen Radikalisierung.
IV. Die Freikorps als halbstaatliche Träger einer uneingeschränkter Gewaltkultur: Darstellung der Freikorps als autonome, oft rechtsfreie Akteure mit militärischem Überbau.
V. Der Versailler Vertrag: Analyse der psychologischen Wirkung der Niederlage und des Versailler Vertrags auf die nationalistische Szene, fokussiert auf Matthias Erzberger als Feindbild.
VI. Vom Standrecht und „der Erschießung auf der Flucht“ (1920): Untersuchung der staatlichen Repressionsmaßnahmen gegen linke Aufstände und die juristische Legitimierung politischer Morde.
VII. Politischer Mord und Intellektuelle Verzweiflungstaten (1920-1922): Einordnung der politischen Morde im Kontext des "Attentismus" und der "Organisation Consul" gegen Ende der Untersuchungsperiode.
Weimarer Republik, Politische Gewalt, Freikorps, Novemberrevolution, Soldatischer Nationalismus, Attentat, Paramilitarismus, Lynchjustiz, Versailler Vertrag, Dolchstoßlegende, Organisation Consul, Räterepublik, Matthias Erzberger, Kurt Eisner, Politische Justiz.
Die Arbeit untersucht die Herausbildung und Anwendung politischer Gewalt in den ersten Jahren der Weimarer Republik, insbesondere das Phänomen des politischen Mordes und die Rolle paramilitärischer Verbände.
Die zentralen Themen sind der Übergang vom Kaiserreich zur Republik, die Novemberrevolution, die Rolle der Freikorps, der Einfluss nationalistischer Geheimbünde sowie die Instrumentalisierung von Justiz und Gewalt gegen politische Gegner.
Die Arbeit analysiert, inwieweit politische Morde als Teil einer bewussten Provokationsstrategie gegen die parlamentarische Demokratie eingesetzt wurden und wie die staatliche Justiz darauf reagierte.
Es handelt sich um eine historische Untersuchung, die auf der Analyse von zeitgenössischen Dokumenten, Memoiren, juristischen Akten und einer umfassenden Auswertung der geschichtswissenschaftlichen Forschung basiert.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch und regional: von den Strukturen im Kaiserreich über die Revolutionsphase in Berlin und Bayern bis hin zu den organisierten Fememorden und Attentaten zwischen 1920 und 1922.
Begriffe wie politischer Mord, Paramilitarismus, Lynchjustiz, Weimarer Republik, Freikorps und Rechtsradikalismus stehen im Zentrum der Untersuchung.
Die Arbeit beleuchtet die Organisation Consul als konspiratives Netzwerk ehemaliger Freikorpsmitglieder, das maßgeblich in Attentate auf prominente Politiker wie Erzberger und Rathenau verwickelt war.
Die Arbeit klassifiziert das Attentat als erste politisch motivierte Tötung in Bayern, die eine folgenschwere Kette von Gewalt und Gegenreaktionen in der bayerischen Räterepublik auslöste.
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