Wissenschaftlicher Aufsatz, 2002
25 Seiten
1. Bildbeschreibung
2. Inwieweit ist die dargestellte Situation charakteris-tisch für das Zeitgeschehen des 19. Jahrhunderts ?
3. Erzählte Zeit (Die Zeit der Handlung)
4. Die Darstellungsart
5. Die Zeit in der Zeit
6. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gemälde "Die Ballettprobe" von Edgar Degas und analysiert, wie der Künstler durch spezifische kompositorische Mittel die Aspekte von Zeit, Vergänglichkeit und Modernität in einem statischen Bildmedium verarbeitet und konstruiert.
3. Erzählte Zeit (Die Zeit der Handlung)
Ob die Ballettprobe noch nicht begonnen hat oder gerade durch eine Pause unterbrochen worden ist, läßt sich nicht definitiv feststellen. Sicher ist auf jeden Fall, dass die dargestellte Situation einen Augenblick der Vorbereitung zeigt, der in naher Zukunft zu einem Ereignis führen wird. Dieses Ereignis ist der gemeinsame Tanz; die Vorbereitung dazu kann man in dem Schnüren des Kleides, vielleicht auch in dem angespannten Sinnieren des Tanzlehres sehen.
Degas hat diesen Augenblick so dargestellt, dass man sicher sein kann, dass jeden Moment eine Veränderung eintreten wird. Wenn das Kleid geschnürt ist, wird sich das Mädchen wieder seinen Mitschülerinnen zuwenden. Das sitzende Mädchen wird sich erheben, und auch der Tanzlehrer wird wieder die Regie übernehmen. Der Wandel steht unmittelbar bevor, und dieser Eindruck wird von Degas noch verstärkt, indem er am linken oberen Bildrand die Beine einer Tänzerin in das Bild hineinlaufen läßt: Der Betrachter ahnt, dass dieses noch unsichtbare Mädchen gleich mitten im Geschehen auftauchen wird.
1. Bildbeschreibung: Eine detaillierte Analyse der visuellen Elemente und Figurenkonstellationen im Gemälde "Die Ballettprobe" von Edgar Degas.
2. Inwieweit ist die dargestellte Situation charakteris-tisch für das Zeitgeschehen des 19. Jahrhunderts ?: Untersuchung des soziokulturellen Kontextes der Pariser Oper und der Rolle des Balletts als gesellschaftliches Phänomen dieser Ära.
3. Erzählte Zeit (Die Zeit der Handlung): Erörterung der temporalen Implikationen innerhalb des Bildes und der Darstellung eines unmittelbaren Vorbereitungszustandes.
4. Die Darstellungsart: Analyse des Einflusses von Fotografie und japanischen Holzschnitten auf die asymmetrische und moderne Kompositionstechnik von Degas.
5. Die Zeit in der Zeit: Philosophische Betrachtung darüber, wie Degas verschiedene zeitliche Ebenen und disparates Bildmaterial zu einem konstruierten, "unzeitlichen" Gesamteindruck verschmilzt.
6. Resümee: Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass das Werk gleichermaßen Aspekte der Zeitlichkeit, Zeitlosigkeit und Zeitbezogenheit in sich vereint.
Edgar Degas, Die Ballettprobe, 19. Jahrhundert, Impressionismus, Japanische Holzschnitte, Momentfotografie, Zeitlichkeit, Komposition, Realismus, Pariser Oper, Jules Perrot, Flâneur, Bildanalyse, Kunstgeschichte, Moderne.
Die Arbeit analysiert das Gemälde "Die Ballettprobe" von Edgar Degas hinsichtlich seiner künstlerischen Darstellung von Zeit und der Einflüsse der Moderne auf dessen Werk.
Die zentralen Felder sind die kunsthistorische Einordnung der Ballett-Szenen, die Einflüsse außereuropäischer Kunst (Japonismus) und Fotografie sowie die philosophische Reflexion über Zeit in der Malerei.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Degas durch die bewusste Montage disparater Zeitebenen und eine spezielle Kompositionstechnik eine "Unzeit" erschafft, die sowohl modern als auch zeitlos wirkt.
Es handelt sich um eine kunsthistorische Bildanalyse, die durch den Vergleich mit zeitgenössischen Strömungen und die Einbeziehung theoretischer Ansätze (z.B. Imdahl, Herbert, Keller) gestützt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die visuelle Beschreibung, die historische Kontextualisierung, die Untersuchung der Erzählzeit und die Analyse der Kompositionsmethoden im Vergleich zu anderen modernen Einflüssen.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Impressionismus, Japanische Holzschnitte, Momentfotografie, Zeitlichkeit, Kontingenz, Bildkomposition und Degas' spezifischer Realismus.
Das Treppenmotiv wird als zentraler "Bewegungsimpuls" interpretiert, der den Wandel vom "Jetzt" zum "Später" verdeutlicht und damit die Dynamik des gesamten Bildes symbolisiert.
Der Autor stellt fest, dass Degas verschiedene Zeiten (z.B. eine Fotografie von 1861 für eine Szene von 1874) kombiniert und somit ein "willkürliches Konstrukt" schafft, anstatt ein realistisches Ereignis abzubilden.
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