Magisterarbeit, 2007
134 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Politische Kultur nach Lenin – Charakteristika postkommunistischer Systemtransformation
2.1. Transformation der Sowjetunion
2.2. Stabilität politischer Systeme
2.2.1. Kongruenz von Struktur und Kultur
2.2.2. Politische Kultur und empirische Politikforschung
2.2.3. Spezifika postkommunistischer politischer Kultur
2.3. Politische Kultur als Determinante der Demokratisierung
3. Russlands „gelenkte Demokratie“ – Theorie und Praxis russischer Innenpolitik
3.1. Verfassungsrecht und Verfassungswirklichkeit
3.1.1. Die demokratische Verfassung Russlands
3.1.2. Das präsidentiell-parlamentarische Regierungssystem
3.1.3. Verfassungswirklichkeit unter dem Regime Putin
3.2. Demokratische Qualität in der Russländischen Föderation
3.2.1. Demokratie in Grauzonen
3.2.2. Messung der Demokratiequalität
3.3. Zusammenfassung: Die politische Struktur Russlands
4. Die politische Kultur der Russländischen Föderation
4.1. Subjektive Messung politischer Unterstützung
4.2. Politische Unterstützung in Russland
4.2.1. Werte und Prinzipien
4.2.2. Politische Institutionen
4.2.3. Performanz des Regimes Putin
4.3. Zusammenfassung: Politische Unterstützung in Russland
5. Perspektiven der Demokratie
6. Zusammenfassung
Die Arbeit analysiert die Perspektiven einer demokratischen Entwicklung in der Russländischen Föderation durch eine Untersuchung der politischen Kultur. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Kongruenz zwischen der politischen Struktur des Landes und den Einstellungen der Bevölkerung, um das Potenzial für eine demokratische Transformation oder die Stabilität des autoritären Regimes zu bewerten.
3.1.2. Das präsidentiell-parlamentarische Regierungssystem
Zum Verfassungsauftrag zählt nicht nur die Garantie spezifischer Rechte und Freiheiten, sondern auch die Gestaltung der Abläufe demokratischer Politik. Diese sind in den Verfassungsbestimmungen zum Regierungssystem festgelegt, welches „die tragenden formalrechtlichen, mit ihren Prärogativen in der Regel in der Verfassung verankerten Institutionen der politischen Ordnung, ihre innere Struktur, ihr Zusammenwirkung und ihre Beziehungen zur Herrschaftsordnung“ (Croissant 2006: 115) bezeichnet. Idealtypisch werden parlamentarische und präsidentielle Systeme anhand der jeweiligen Exekutiv-Legislativ-Beziehungen unterschieden. Eine einfache dichotome Differenzierung schlägt Steffani (1979: 39) vor: Ist eine Regierung durch das Parlament absetzbar, handelt es sich um ein parlamentarisches Regierungssystem; ist dies verfassungsrechtlich nicht möglich, liegt ein präsidentielles Regierungssystem vor. Diesem Abgrenzungsmerkmal folgend, würde die Russländische Föderation tendenziell auf parlamentarischer Basis regiert werden, denn die Staatsduma kann eine Regierung absetzen. Da der Präsident dem widersprechen und anstelle der Regierungsauflösung letztlich die Parlamentsauflösung verfolgen kann, bleibt Russland nach dieser Typologie ein unklarer Fall (vgl. Merkel 1996: 77). Die Entlassung einer Regierung erfolgt durch den Präsidenten im Einverständnis mit der Staatsduma. Da deren Abgeordnete den Verlust ihres Mandats riskieren, wenn sie eine Konfrontation mit dem Präsidenten eingehen, verfügt dieser über eine ungleich machtvollere Position als das Parlament (vgl. Remington 2004: 377; Ordeshook 2001: 20). Insgesamt scheint die Typologisierung des russischen Regierungssystems als ein parlamentarisches wenig plausibel.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Zweifel an der Demokratiequalität in Russland nach 2007 und leitet die Untersuchung der politischen Kultur als zentralen Erklärungsfaktor für Systemstabilität und Wandel ein.
2. Politische Kultur nach Lenin – Charakteristika postkommunistischer Systemtransformation: Dieses Kapitel etabliert den theoretischen Rahmen der politischen Kulturforschung und diskutiert die Besonderheiten der Systemtransformation in ehemals totalitären Staaten.
3. Russlands „gelenkte Demokratie“ – Theorie und Praxis russischer Innenpolitik: Die Analyse zeigt die Diskrepanz zwischen der demokratischen Verfassungsnorm und der autoritären Realität unter dem Regime Putin auf.
4. Die politische Kultur der Russländischen Föderation: Auf Basis von Umfragedaten des Levada-Zentrums werden die Einstellungen der Bevölkerung zu demokratischen Werten und ihr Vertrauen in politische Institutionen empirisch analysiert.
5. Perspektiven der Demokratie: Das Kapitel führt die theoretischen Analysen und empirischen Ergebnisse zusammen, um die Möglichkeiten für eine demokratische Entwicklung in Russland zu erörtern.
6. Zusammenfassung: Abschließend wird konstatiert, dass das autoritäre Regime stabil erscheint, da demokratische Einstellungen der Bevölkerung nicht in politisches Handeln übersetzt werden.
Politische Kultur, Systemtransformation, gelenkte Demokratie, Regimetyp, Russland, Demokratisierung, politische Unterstützung, Performanz, Autoritarismus, Pseudodemokratie, Verfassungswirklichkeit, Einstellungen, Transformation, Stabilität, Machtvertikale.
Die Arbeit untersucht die politische Entwicklung Russlands im Zeitraum von 2000 bis 2006 und analysiert, warum das Land trotz formal demokratischer Verfassungsstrukturen als autoritäres Regime eingestuft werden muss.
Die zentralen Themen sind das Konzept der politischen Kultur, die Analyse der russischen Regierungsform unter Vladimir Putin sowie die empirische Auswertung politischer Einstellungen der russischen Bevölkerung.
Die Arbeit fragt nach den Perspektiven der Demokratie in Russland und untersucht, ob die politische Kultur des Landes eine demokratische Entwicklung begünstigt oder die Stabilität des bestehenden autoritären Systems festigt.
Der Autor verbindet eine theoriegeleitete systemtheoretische Analyse mit der empirischen Sekundäranalyse von Umfragedaten des Moskauer Levada-Zentrums.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Transformationsforschung, eine detaillierte Analyse der politischen Struktur Russlands („gelenkte Demokratie“) und eine empirische Prüfung der politischen Kultur durch die Untersuchung von Werten, Institutionenvertrauen und Performanz-Bewertungen.
Zu den prägenden Begriffen zählen Politische Kultur, Transformation, Pseudodemokratie, Autoritarismus, Systemstabilität und die "Machtvertikale" unter Putin.
Er verwendet die Typologie von Loewenstein, um aufzuzeigen, dass die russische Verfassung zwar formal demokratisch ist, in der Praxis jedoch als "Maskerade" oder Fassade für die Machtkonzentration beim Präsidenten dient.
Die Machtvertikale wird als zentrales Instrument des Regimes beschrieben, um die Kontrolle des Präsidenten über Exekutive, Legislative und Judikative zu zementieren und so eine echte Gewaltenteilung effektiv zu verhindern.
Die Daten zeigen, dass eine Mehrheit der russischen Bevölkerung die Demokratie als Idee und wünschenswertes Modell befürwortet, jedoch ein spezifisch "russisches" Demokratiemodell bevorzugt, das neben Freiheiten auch Ordnung, Stabilität und materielle Sicherheit garantiert.
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