Magisterarbeit, 2003
77 Seiten, Note: 1,7
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
0. Vorwort
1. Zur Zitierweise
2. Zeitgeschichtliche und philosophiegeschichtliche Hintergründe
3. Shaftesburys Einfluß auf den Neologen Spalding
3.1. Grundgedanken der Shaftesburyschen Philosophie
3.2. Selbsterkenntnis und Selbstreflexion
3.3. Ästhetische Erfahrung und moralisches Gefühl
3.4. Glückseligkeit durch Tugend
3.5. Die tugendunterstützende Funktion der Religion
4. Die Bestimmung des Menschen nach Spalding
4.1. Ethische Reflexion und Selbstreflexion
4.2. Ethische Reflexion und die Frage nach dem Sinn des Lebens
4.3. Sinnlichkeit – die niedrigste Stufe der Selbstbestimmung
4.4. Vergnügungen des Geistes – ein Weg zur vernünftigen Selbstbestimmung
4.5. Tugend als Ausdruck vernünftiger Selbstbestimmung
4.6. Religion als Stütze der Tugend
4.7. Unsterblichkeit als Lohn
5. Spalding und Shaftesbury – ein Vergleich
5.1. Selbstbestimmung und kulturelle Verantwortung
5.2. Die Rolle des Gewissens im Akt der Selbstbestimmung
5.3. Spaldings Stufenmodell
6. Spalding – eine biographische Skizze
Die Arbeit untersucht das Verständnis von „Selbstbestimmung“ im Werk von Johann Joachim Spalding, insbesondere durch den Vergleich der Erst- und der letzten Auflage seines Werkes „Die Bestimmung des Menschen“, und analysiert den philosophischen Einfluss Shaftesburys auf Spaldings System der Lebensführung.
3.2. Selbsterkenntnis und Selbstreflexion
Erkenntnis beginnt bei Shaftesbury mit Selbsterkenntnis, die für ihn das einzig zuverlässige Wissen darstellt. Ergebnis der Einsicht in die eigenen Erkenntnisgrenzen ist Toleranz, das Pendant zur Idee der Freiheit, die das Individuum zu Respekt vor den Ansichten anderer verpflichtet. Die Notwendigkeit von Kritik und die Schärfung der Urteilskraft gehen damit einher. Daher ist Selbsterkenntnis sprichwörtlich der erste Weg zur Besserung. Denn der Überprüfung der eigenen Urteile und Handlungsmotive bei der Korrektur menschlichen Verhaltens ist größerer Erfolg beschieden, als der unüberlegten Befolgung von Denk- und Handlungsvorschriften. In dieser Rückwendung auf sich selbst, sieht Shaftesbury einen unabdingbaren Schritt zur Entwicklung und Schärfung des individuellen Entwicklungsvermögens und damit zur Selbstbestimmung des Individuums.
Insofern sich Selbsterkenntnis als die Grundlage unserer Bewertung der sich uns aufdrängenden sinnlichen Erscheinungsbilder, sowie der uns leitenden Neigungen offenbart, ist sie die Voraussetzung jeder Form von Erkenntnis. So sagt Shaftesbury in seiner Schrift zur Ästhetik:
„Wie wenig Beachtung man jener moralischen Betrachtung oder Untersuchung schenken mag, die wir das Studium unserer selbst nennen, so muß man doch, strenggenommen, zugeben, daß alle Erkenntnis jedweder Art auf dieser vorausgehenden beruht, und daß wir in Wahrheit solange keiner Sache sicher sein können, bis wir uns erst sicher sind, was wir selbst sind.“
0. Vorwort: Einführende Definition des Begriffs Selbstbestimmung und Einordnung von Spaldings Werk in den Diskurs der Aufklärung.
1. Zur Zitierweise: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise beim Vergleich der verschiedenen Auflagen von Spaldings Werk.
2. Zeitgeschichtliche und philosophiegeschichtliche Hintergründe: Kontextualisierung von Spaldings Denken im Zeitalter der Neologie zwischen Wolffianismus und Rationalismus.
3. Shaftesburys Einfluß auf den Neologen Spalding: Untersuchung des philosophischen Fundaments Shaftesburys als Quelle für Spaldings System.
4. Die Bestimmung des Menschen nach Spalding: Systematische Analyse der Stufen der Selbstbestimmung von der Sinnlichkeit bis hin zur tugendhaften Handlungsweise.
5. Spalding und Shaftesbury – ein Vergleich: Gegenüberstellung der beiden Denker hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten in der Wertproblematik und der moralischen Lebensführung.
6. Spalding – eine biographische Skizze: Kurze Übersicht zum Leben und Wirken von Johann Joachim Spalding.
Selbstbestimmung, Johann Joachim Spalding, Shaftesbury, Aufklärung, Neologie, Sittlichkeit, moral sense, Tugend, Vernunft, Selbstreflexion, Religionsphilosophie, Gewissen, Sinn des Lebens, Anthropologie, Moral.
Die Arbeit analysiert das philosophische Konzept der Selbstbestimmung im Werk „Die Bestimmung des Menschen“ von Johann Joachim Spalding im Kontext der deutschen Aufklärung.
Zentrale Themen sind das Verhältnis von Moral und Religion, die Bedeutung der Selbsterkenntnis, die Rolle des moralischen Gefühls und die Einflüsse der englischen Aufklärung auf das deutsche Denken.
Ziel ist es, Spaldings „System des Lebens“ systematisch zu rekonstruieren und zu zeigen, wie der Mensch durch Selbsterkenntnis und ethische Reflexion zu einem autonomen und sinnerfüllten Handeln gelangt.
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Textanalyse, die sowohl die Erstauflage (1748) als auch die letzte Auflage (1794) von Spaldings Hauptwerk sowie eine Rekonstruktion Shaftesburyscher Gedanken einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Einflusses von Shaftesbury, eine detaillierte Analyse der Stufen der Selbstbestimmung (Sinnlichkeit, Geist, Tugend) und eine Auseinandersetzung mit der Rolle der Religion als Stütze der Moral.
Schlüsselbegriffe sind Selbstbestimmung, Neologie, moral sense, Sittlichkeit, Tugendideal und ethische Reflexion.
Spalding übernimmt von Shaftesbury das Konzept des moralischen Sinnes (moral sense), welcher dem Menschen ein intuitives Verständnis für das Gute und Schöne vermittelt und eine natürliche Basis für tugendhaftes Handeln bildet.
Für Spalding fungiert die Religion als „Stütze der Tugend“. Sie liefert das moralische Urbild Gottes, welches den Menschen motiviert, sein Handeln an einer höheren Ordnung auszurichten und somit zu innerer Ruhe und Zufriedenheit zu finden.
Spalding beschreibt eine Entwicklung von der einfachen Sinnlichkeit über die Vergnügungen des Geistes bis hin zur tugendhaften Lebensführung. Diesen Fortschritt durch die Stufen versteht er als einen notwendigen Lernprozess zur Veredelung der eigenen Persönlichkeit.
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