Examensarbeit, 2002
93 Seiten, Note: 2,0
PROLOG
I. Ausgangspunkt
II. Entwicklung einer kommunikationstheoretischen Sichtweise auf Sprachbehinderungen
III. Gliederung und Themenschwerpunkte
1. FRIEDEMANN SCHULZ VON THUN UND DIE GRUNDLAGEN DER KOMMUNIKATION
1.1 Einleitung
1.2 Die Nachricht
1.3 Der Sender und das Nachrichtenquadrat
1.4 Der Empfänger und die „vier Ohren“
1.5 Das Feedback
1.6 Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation
1.7 Kommunikation ist Interaktion
1.8 Die explizite Metakommunikation hilft bei Störungen
1.9 Resümee
2. PAULO FREIRE UND DER DIALOGISCHE UNTERRICHT
2.1 Einleitung
2.2 Das „Bankiers-Konzept der Erziehung“
2.3 Pädagogik der Unterdrückten
2.3.1 Problemformulierende Bildungsarbeit
2.3.2 Dialogisches Lernen
2.4 Resümee
3. RUTH C. COHN UND DAS „LEBENDIGE LERNEN“: DIE THEMENZENTRIERTE INTERAKTION (TZI)
3.1 Einleitung
3.2 Grundlagen der Themenzentrierten Interaktion
3.2.1 Die Axiome
3.2.2 Die Postulate
3.2.3 Das Strukturmodell
3.2.4 Die Hilfsregeln
3.3 Die Themenzentrierte Interaktion in der Schule
3.4 Resümee
4. THOMAS GORDON UND DIE METHODEN ZUR KONFLIKTLÖSUNG
4.1 Einleitung
4.2 Lehrer-Schüler-Beziehung
4.3 Wer hat das Problem?
4.3.1 Der Schüler hat das Problem: das „aktive Zuhören“
4.3.2 Der Lehrer hat das Problem: die Ich-Botschaft
4.3.3 Schüler und Lehrer haben ein Problem: Konfliktlösung ohne Niederlage
4.4 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des „dialogorientierten Unterrichts“ im Kontext der sonderpädagogischen Sprachbehindertenpädagogik. Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Lehrer durch partnerschaftliche Dialogstrukturen die Sprachlichkeit sprachauffälliger Schüler fördern können, statt diese lediglich durch korrigierende Maßnahmen als Defizit zu betrachten.
1.2 Die Nachricht
Die zwischenmenschliche Kommunikation dient dem Austausch von Informationen in Situationen wechselseitiger Wahrnehmung der Kommunikanten. Jemand möchte etwas mitteilen. Dies geschieht, indem er seine Mitteilungen in verbale und nonverbale Zeichen mit Bedeutungsgehalt codiert; er sendet eine Nachricht. Diese muss vom Empfänger wieder decodiert werden, d.h. er versucht zu entschlüsseln, was der Sender ihm mit dieser Nachricht mitteilen wollte. Stimmt der empfangene Informationsgehalt im Wesentlichen mit dem Gesendeten überein, konnte sich der Sender dem Empfänger verständlich machen. Das ist nicht einfach, besteht jede Nachricht doch aus vielen Botschaften, die richtig interpretiert werden müssen.
Diese Botschaften sind explizit oder implizit in der Nachricht enthalten. Explizite Botschaften sind ausdrücklich formulierte Aussagen. Implizite Botschaften dagegen transportieren das Anliegen des Senders nicht so offensichtlich, es steckt in der Nachricht aber mit drin. Der Lehrer kann z.B. einen Schüler explizit auffordern, die Tafel zu wischen („Wische bitte die Tafel ab!“) oder es ihm implizit zu verstehen geben („Ich kann an der Tafel nicht schreiben, weil sie dreckig ist!“). Explizite und implizite Botschaften gehören unterschiedlichen Kommunikationsebenen an; explizite der Mitteilungsebene, implizite der Meta-Ebene. Implizite Botschaften werden zudem oft nonverbal, also durch die Intonation, Mimik und Gestik, ausgedrückt. Nonverbale Botschaften können eigenständige Inhalte besitzen oder die expliziten näher erklären, d.h. an ihnen kann der Empfänger ablesen, wie der Sender die verbale Aussage meinte. Wenn der Lehrer sagt: „Wir haben heute zwei Stunden gemeinsamen Unterricht.“, so werden die Schüler es unterschiedlich auffassen, je nachdem, ob er dabei ein freudiges oder missmutiges Gesicht zeigt.
1. FRIEDEMANN SCHULZ VON THUN UND DIE GRUNDLAGEN DER KOMMUNIKATION: Das Kapitel führt in das Nachrichtenquadrat ein und verdeutlicht, wie durch unterschiedliche Decodierung (die „vier Ohren“) Kommunikationsstörungen entstehen können.
2. PAULO FREIRE UND DER DIALOGISCHE UNTERRICHT: Hier werden das „Bankiers-Konzept“ und die „problemformulierende Bildungsarbeit“ gegenübergestellt, um den Lehrer als gleichberechtigten Partner zu positionieren.
3. RUTH C. COHN UND DAS „LEBENDIGE LERNEN“: DIE THEMENZENTRIERTE INTERAKTION (TZI): Das Kapitel erläutert das Strukturmodell (ICH, WIR, ES, GLOBE) als ganzheitlichen Ansatz, um eine dynamische Balance im Unterricht herzustellen.
4. THOMAS GORDON UND DIE METHODEN ZUR KONFLIKTLÖSUNG: Dieses Kapitel präsentiert Interventionsmethoden wie das „aktive Zuhören“ und die „Ich-Botschaft“, um Konflikte zwischen Lehrern und Schülern konstruktiv zu lösen.
Dialogorientierter Unterricht, Sprachbehindertenpädagogik, Kommunikation, Schulz von Thun, Paulo Freire, Bankiers-Konzept, Ruth C. Cohn, Themenzentrierte Interaktion, TZI, Thomas Gordon, Aktives Zuhören, Ich-Botschaft, Lehrer-Schüler-Beziehung, Selbstbewusstsein, Konfliktlösung.
Die Arbeit analysiert, wie ein dialogorientierter Unterricht dazu beitragen kann, sprachbehinderte Schüler in ihrer Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.
Zentrale Themen sind Kommunikationstheorien, Konzepte humanistischer Pädagogik sowie Strategien zur Konfliktlösung im schulischen Alltag.
Ziel ist es, die Haltung des Lehrers zu untersuchen und aufzuzeigen, wie durch einen gleichberechtigten Dialog eine förderliche Lernatmosphäre geschaffen werden kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit den Modellen von Schulz von Thun, Freire, Cohn und Gordon und deren Übertragung auf den sprachsonderpädagogischen Kontext.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte in vier Kapiteln, die jeweils spezifische Kommunikations- und Interaktionsmodelle und deren praktische Relevanz für den Lehrer beleuchten.
Die wichtigsten Begriffe sind Dialog, Kommunikation, Lehrer-Schüler-Beziehung, Selbstoffenbarung, Autonomie und Partizipation.
Im Bankiers-Konzept agiert der Lehrer als alleiniger Wissensvermittler und der Schüler als passives Objekt. Im dialogischen Unterricht hingegen findet ein partnerschaftlicher Austausch statt, bei dem beide Seiten als Subjekte gemeinsam Themen erarbeiten.
Es ermöglicht dem Lehrer, die zugrunde liegenden Probleme von Schülern zu erfassen, ohne diese sofort durch Bewertungen oder Ratschläge zu überlagern, was die notwendige Basis für therapeutische Erfolge schafft.
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