Magisterarbeit, 2005
109 Seiten, Note: 1,3
Thema und Zielbestimmung
I. Einst in Vergangenheit und Zukunft – zur Typologie des Romantischen als Wesen und Seelenlage
II. Das weltromantische 19. Jahrhundert – von Innerlichkeit, Lebensstolz und der Sympathie mit dem Tode
2.1 „Jeder Dichter aber, der etwas von der Seele des Ofterdingen in sich hat, sei uns von Herzen willkommen“
2.2 „Erstarrung; Öde; Eis; und Geist! Und Kunst!“
2.3 Zur Demontage visionärer Fruchtbarkeit – die Welt als Wille und der Tod
III. „Das Spiel kommt zu Würden“ – zur schöpferischen Jugendphase Thomas Manns
3.1 Unterweltliche Erotik: „Die Hunde im Souterrain“
3.2 „Mein Freund Schopenhauer“ – die geistige Rechtfertigung der frühen Jahre
IV. „Seine Begierde ward sehend“ – zu Reflexionen und Kunsttheorie nach 1900
4.1 Von Buddenbrooks zu Tonio Kröger – Todesrausch und Erkenntnis
4.2 Der Tod in Venedig – „Meisterhaltung“ am Ende des Frühwerks
4.3 ...und begierig ward das Sehen: gis – a – ais – h und Betrachtungen
V. „Operationes spirituales“ auf dem Zauberberg
5.1 Von Bleistiften und feuchten Stellen im Schattenreich
5.2 ...und: „die Augen auf!“
VI. Weltfähigkeit, imitatio Goethes und süßer Schlummer
6.1 „Die Republik... wie gefällt euch das Wort in meinem Munde?“
6.2 Vater Goethe und die „Lebensbürgerlichkeit“
6.3 „Könnte man nicht sagen, daß wir nur wachen, um zu schlafen?“
VII. Anstelle eines Ausblicks: „Der Untergang der romantischen Sonne“
Die vorliegende Arbeit untersucht die tiefe romantische Prägung im Werk Thomas Manns, um aufzuzeigen, wie das Werk die romantische Tradition des 19. Jahrhunderts aufnimmt, bewahrt und weit ins 20. Jahrhundert hinein transformiert. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Thomas Mann das Erbe der Romantik – insbesondere im Hinblick auf Dekadenz und die „Sympathie mit dem Tode“ – aus ihren eigenen Prämissen heraus überwindet und eine humanistische Lebensverpflichtung etabliert.
I. Einst in Vergangenheit und Zukunft – zur Typologie des Romantischen als Wesen und Seelenlage
„Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. [...] Sie will, und soll auch, Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen. [...] Sie umfasst alles, was nur poetisch ist.“7 So lauten hervorstechende Auszüge aus Friedrich Schlegels berüchtigtem Entwurf des Romantischen, der, obwohl hier allein auf die Poesie bezogen, bereits die Vielfalt und Mehrdimensionalität, die komplizierte Komplexität und komplexe Kompliziertheit dieses Phänomens betont, welches in wahrhaft sokratischer Aporie Progression und Extension synästhetisch in sich vereint und in seinen mannigfachen Erscheinungen die Grundbefindlichkeit der Moderne darbietet. Was ist ,Romantik’, was das ,Romantische’? Die Suche nach einer eindeutigen Antwort bleibt ausweglos, zu groß die Fülle an Auswegen.
Trotz der Differenziertheit der zahlreichen Ausführungen romantischer Dichter zu Charakteristika ihres Künstlertums und ihrer Zeit, die bereits weit darüber hinausgingen, die Romantik lediglich als eine grob in Jahreszahlen eingrenzbare literarisch-historisch gesellschaftliche Epoche zu deuten, kam die Betrachtung des Romantischen im Sinne eines allgemein Wesenhaften, einer Art ,Weltfühlens’, erst im 20. Jahrhundert auf, während die wissenschaftliche Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts für die Definition der hinter ihr liegenden Romantik allein einen chronologischen Kanon verwandte.8 Doch ist das Romantische in seinem Anspruch auf Autonomie und die Realität transzendierende Universalität, seiner progressiven Neigung und, dies vor allem, seiner Reflexivität, weiter als epochal zu veranschlagen, - nämlich als Seelenlage und Signum der Moderne. Seit einigen Jahrzehnten schon wird die romantische Dichtung in der Forschung – zu einem Großteil immerhin – nicht mehr nur mittels spezifischer Jahreszahlen des frühen 19. Jahrhunderts etikettiert, sondern vielmehr als eine zeitliche und räumliche Begrenzungen liquidierende verstanden, als eine Poesie, die jene avantgardistisch neue seelisch-geistige Haltung gebar, welche die Ära der Moderne bis heute maßgeblich prägt.
Thema und Zielbestimmung: Einführung in die Fragestellung der Arbeit und Erläuterung, wie das Werk Thomas Manns die romantische Tradition des 19. Jahrhunderts aufnimmt und überwindet.
I. Einst in Vergangenheit und Zukunft – zur Typologie des Romantischen als Wesen und Seelenlage: Theoretische Grundlegung des Romantischen als epochenübergreifendes Phänomen und moderne Seelenlage.
II. Das weltromantische 19. Jahrhundert – von Innerlichkeit, Lebensstolz und der Sympathie mit dem Tode: Untersuchung der Spannungsfelder zwischen Romantik und Dekadenz anhand exemplarischer Analysen.
III. „Das Spiel kommt zu Würden“ – zur schöpferischen Jugendphase Thomas Manns: Analyse der frühen Jahre und der Rolle der „unterweltlichen Erotik“ für das Künstlertum.
IV. „Seine Begierde ward sehend“ – zu Reflexionen und Kunsttheorie nach 1900: Betrachtung der ästhetischen Transformationen in den frühen Erzählungen und dem ersten Roman.
V. „Operationes spirituales“ auf dem Zauberberg: Untersuchung der komplexen Symbolik und der moralischen Entwicklung des Protagonisten im Zauberberg.
VI. Weltfähigkeit, imitatio Goethes und süßer Schlummer: Analyse von Manns Bekenntnis zur Republik und seiner Identifikation mit Goethe als humanistischem Vaterbild.
VII. Anstelle eines Ausblicks: „Der Untergang der romantischen Sonne“: Abschließende Betrachtung der Entwicklung des Romantischen bis in das Spätwerk und die Gegenwart.
Thomas Mann, Romantik, Dekadenz, Sympathie mit dem Tode, Künstlertum, Schopenhauer, Wagner, Moderne, Seelenlage, Lebensverpflichtung, Ironie, Humanität, imitatio Goethes, ästhetische Distanz, Geist und Leben.
Die Arbeit untersucht die kontinuierliche und tiefgreifende romantische Prägung im Schaffen Thomas Manns, von der Jugendphase bis zum Spätwerk.
Zu den zentralen Feldern gehören die Definition des Romantischen, das Verhältnis von Künstler und Bürger, die Verbindung von Eros und Thanatos sowie die Entwicklung von einer dekadenten zu einer humanistisch verpflichteten Lebenshaltung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Thomas Mann die romantische Tradition des 19. Jahrhunderts nicht nur bewahrt, sondern aus ihren eigenen Voraussetzungen heraus transzendiert.
Die Untersuchung erfolgt durch eine fundierte Werk- und Literaturanalyse, bei der Primärtexte im Kontext geistesgeschichtlicher Zusammenhänge und unter Einbeziehung philosophischer Einflüsse (insb. Schopenhauer, Nietzsche) gedeutet werden.
Der Hauptteil analysiert zentrale Lebens- und Schaffensphasen, von den frühen Novellen über den Zauberberg bis hin zu den späten essayistischen und narrativen Werken.
Begriffe wie Todessehnsucht, Ästhetizismus, Ironie, Humanität, imitatio Goethes und der Gegensatz von Geist und Leben stehen im Mittelpunkt.
Schopenhauer ist für Thomas Mann ein prägender Denker, dessen Philosophie des Willens und des Leidens als geistige Rechtfertigung der Jugendjahre dient und maßgeblich zur Etablierung des künstlerischen Selbstbildes beiträgt.
Die Arbeit zeigt eine Entwicklung auf, in der Thomas Mann nach dem Ersten Weltkrieg – motiviert durch Krisenerfahrungen – von einem „unpolitischen“ Ästheten zu einem Verfechter der demokratischen Humanität und Republik wird, ohne dabei seine romantischen Wurzeln völlig aufzugeben.
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