Bachelorarbeit, 2006
55 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Erste Etappe: Pips Suche nach dem Ich
2.1. Kindheit: Unschuldig schuldig
2.2. Die Ambitionen erwachen
3. Zweite Etappe: Aufstieg zum Gentleman und Sinnkrise
3.1. Entfernung vom Ich: Pip, der Snob?
3.2. Fremdbestimmung und Liebe
4. Dritte Etappe: Neuorientierung und Rückkehr
5. Die zwei Romanenden
6. Schlussbetrachtung: Great Expectations, ein moralisches Märchen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Reifeprozess von Pip, dem Protagonisten in Charles Dickens' Roman "Great Expectations", unter besonderer Berücksichtigung seiner Entwicklung von der Unschuld zur Erfahrung sowie der Problematik seines sozialen Aufstiegs. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit Pips moralische Schuld und sein Ringen mit dem viktorianischen Gentleman-Ideal sein Selbstbild prägen und wie Dickens die dialektische Beziehung zwischen Pips persönlicher Identitätsfindung und den gesellschaftlichen Erwartungen darstellt.
2.1. Kindheit: Unschuldig schuldig
My first most vivid and broad impression of the identity of things, seems to me to have been gained on a memorable raw afternoon towards evening. At such time I found out for certain, that this bleak place overgrown with nettles was the churchyard; and that Philipp Pirrip, late of this parish, and also Georgiana wife of the above, were dead and buried; and that Alexander, Bartholomew, Abraham, Tobias, and Roger, infant children of the aforesaid, were also dead and buried; and that the dark flat wilderness beyond the churchyard, intersected with dykes and mounds and gates, with scattered cattle feeding on it, was the marshes; and that the low laden line beyond, was the river; and that the distant savage lair from which the wind was rushing, was the sea; and that the small bundle of shivers growing afraid of it all and beginning to cry, was Pip.
Pip erlangt auf dem Friedhof am Grab seiner Eltern das erste Mal ein Bewusstsein für die Beschaffenheit der Welt um ihn herum, als er die Landschaft betrachtet und die verschiedenen Dinge darin miteinander vergleicht. Zuletzt wird er sich seiner selbst bewusst; schockiert von der neu erlangten Fähigkeit der Reflexion und der sich daraus ergebenden Erkenntnis seiner Einsamkeit in der Welt, beginnt er zu weinen.
Pip erfasst die Welt von Beginn an als den Ort seiner Isoliertheit und des Kummers; die Erzählung identifiziert seine Vater- und Mutterlosigkeit als einen Bestandteil seines Ichs. Es ist wichtig anzumerken, dass Pip an dieser Stelle verschweigt, dass er ein Zuhause bei Joe und Mrs. Gargery hat: Dies ist für die Konstruktion seines Selbstbildes nicht so wichtig, wie der Umstand, dass er eine Waise ist. Die Tristesse des Schauplatzes potenziert das Gefühl der Einsamkeit, die den Jungen Pip in Tränen ausbrechen lässt. Genau in diesem Augenblick erscheint Magwitch, der Sträfling, „from among the graves“ und befiehlt Pip, still zu sein. Der Umstand, dass Magwitch wie ein Geist hinter den Grabsteinen von Pips Eltern hervorkommt, kann als eine Vorausdeutung der späteren Beziehung zwischen den beiden gelesen werden: Magwitch übernimmt im weiteren Verlauf des Romans die Rolle von Pips totem Vater.
1. Einleitung: Diese Einleitung kontextualisiert die Entstehung des Romans im viktorianischen England und stellt den Bildungsroman-Charakter sowie die zentrale Fragestellung der Arbeit vor.
2. Erste Etappe: Pips Suche nach dem Ich: Dieses Kapitel analysiert Pips Kindheit, seine Erfahrung von Einsamkeit und Schuld auf dem Friedhof sowie den Beginn seiner Ambitionen, sich über seinen einfachen Stand hinaus zu entwickeln.
3. Zweite Etappe: Aufstieg zum Gentleman und Sinnkrise: Der Fokus liegt hier auf Pips Ankunft in London, seiner Identitätskrise durch den sozialen Aufstieg und dem Einfluss seines Gönners Magwitch sowie der Rolle von Charakteren wie Jaggers und Wemmick.
4. Dritte Etappe: Neuorientierung und Rückkehr: Hier wird der Prozess beschrieben, in dem Pip die Wahrheit über seinen Gönner erkennt, sich von seinen falschen Hoffnungen löst und versucht, ein moralisch geläutertes Leben zu führen.
5. Die zwei Romanenden: Dieses Kapitel diskutiert die umstrittene Entscheidung von Dickens, den Schluss des Romans zu überarbeiten, und analysiert die Auswirkungen dieser Änderungen auf das Verständnis der Beziehung zwischen Pip und Estella.
6. Schlussbetrachtung: Great Expectations, ein moralisches Märchen: Die Zusammenfassung bewertet den Roman als ein Werk, in dem jeder Charakter sein "gerechtes" Ende findet, und reflektiert, wie Pip durch seine Reifung und das Durchschauen der Erwachsenenwelt zu einer eigenen, ambivalenten Form von Identität findet.
Great Expectations, Charles Dickens, Bildungsroman, Identitätskrise, Gentleman-Ideal, Soziales Aufsteigen, Viktorianisches England, Moral, Schuld, Magwitch, Estella, Miss Havisham, Pip, Gesellschaftskritik, Moralische Läuterung.
Die Arbeit untersucht Pips moralische und soziale Entwicklung im Roman "Great Expectations" und wie diese durch Kindheitsprägungen und den Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung beeinflusst wird.
Die zentralen Themen sind der Bildungsroman-Charakter, die Dialektik von Unschuld und Schuld, das Ideal des viktorianischen Gentleman und die Destruktivität gesellschaftlicher Ambitionen.
Ziel ist es, Pips Reifeprozess kritisch zu beleuchten und insbesondere die Frage nach seiner moralischen Schuld sowie sein verzerrtes Gentleman-Ideal zu analysieren.
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse des Romans, unter Einbeziehung von Sekundärliteratur, um die Entwicklung des Protagonisten innerhalb seines historischen Kontextes zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert den Roman in drei Etappen, die Pips Kindheit, seinen Aufstieg in der Stadt und schließlich seine moralische Neuorientierung und Rückkehr nachzeichnen.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Identitätskrise, Gentleman-Ideal, Schuld, soziale Mobilität und das "moralische Märchen" Dickens'.
Die Arbeit diskutiert, wie Dickens weibliche Charaktere, insbesondere Estella und Miss Havisham, als Werkzeuge oder deformierte Figuren darstellt, die erst durch das Eingreifen männlicher Akteure oder tragische Ereignisse "geheilt" werden.
Die Autorin bevorzugt das ursprüngliche Ende, da sie das zweite Ende als eine unlogische und sentimentale Geste betrachtet, die dem sorgfältig errichteten moralischen Gerüst des Romans nicht gerecht wird.
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