Examensarbeit, 2005
205 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Zeitliche und räumliche Abgrenzungen
1.3 Vorgehensweise und Schwerpunktsetzung
2. Der erste Tristanroman und seine Ursprünge
2.1 Der keltische ‚Urtristan’
2.1.1 Die historischen Grundlagen des Stoffs
2.1.2 Die Struktur der ersten Tristandichtung
2.1.3 Der ‚Tochmarc Emire’ als mögliche Quelle des Stoffs
2.1.4 Die Sage von Dhiarmuda und Ghráinne als weitere mögliche Quelle des Stoffs
2.1.5 Weitere mögliche Grundlagen der ersten Tristandichtung
2.1.6 Die zeitliche Einordnung des keltischen ‚Urtristan’
2.2 Das ‚Älteste Epos’
2.2.1 Die wesentlichen Neuerungen des ‚Ältesten Epos’
2.2.2 Das Leben der Liebenden
2.2.3 Das Ende des ‚Ältesten Epos’
2.2.4 Zum Stil des ‚Ältesten Epos’
2.2.5 Der Entstehungskontext des ‚Ältesten Epos’
2.3 Die ‚Estoire’
2.3.1 Die Einbettung des Tristanstoffs in einen biographischen Rahmen
2.3.2 Veränderungen im ursprünglichen Handlungsgerüst
2.3.3 Die „Fortsetzung“: König Artus und Isolde Weißhand
2.3.4 Zur Veränderung der Konzeption des Stoffs
2.3.5 Die Frage nach der Verfasserschaft
2.3.6 Entstehungsumfeld und Wirkung der ‚Estoire’
2.4 Alternative Entstehungstheorien I: Orientalischer Ursprung
2.4.1 Wîs und Râmîn
2.4.2 Verbindungen zwischen Orient und Okzident
2.4.3 Wertung der orientalischen Ursprungstheorie
2.5 Alternative Entstehungstheorien II: Germanischer Ursprung
2.5.1 Parallelen zwischen der germanischen Sagenwelt und dem Tristanstoff
2.5.2 Wertung der germanischen Ursprungstheorie
3. Die deutschen Tristanbearbeitungen
3.1 Eilhart von Oberg
3.1.1 Überlegungen zur Datierung
3.1.2 Der Dichter und sein Auftraggeber
3.1.3 Die Entstehung zweier Überlieferungstraditionen
3.1.4 Die literarhistorische Einordnung des ‚Tristrant’ – inhaltliche Aspekte
3.1.5 Die literarhistorische Einordnung des ‚Tristrant’ – formale Aspekte
3.1.6 Abschließende Zusammenfassung und Wertung von Eilharts Werk
3.2 Gottfried von Straßburg
3.2.1 Der Entstehungskontext des ‚Tristan’
3.2.2 Hypothesen über Gottfrieds Quellen
3.2.3 Strukturelle Veränderungen des Stoffs
2.3.4 Gottfrieds Präsentation des Stoffs
3.2.5 Deutungsansätze zu Gottfrieds Werk
3.3 Die Fortsetzer Gottfrieds
3.3.1 Ulrich von Türheim
3.3.2 Heinrich von Freiberg
3.4 Weitere deutschsprachige Bearbeitungen
3.4.1 ‚Tristan als Mönch’
3.4.2 Das ‚Niederdeutsche Tristanfragment’
3.4.3 Die Prosaromane
4. Zusammenfassung
5. Literaturverzeichnis
5.1 Textausgaben
5.1.1 Tristanbearbeitungen
5.1.2 Sonstige Textausgaben
5.2 Forschungsliteratur
Die vorliegende Arbeit untersucht die stoffgeschichtliche Entwicklung der Tristansage von ihren keltischen Ursprüngen bis hin zu den deutschsprachigen Bearbeitungen des Mittelalters. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse inhaltlicher und formaler Veränderungen sowie der Einbettung des Stoffs in literarische und kulturelle Kontexte, um die Transformationen von der ursprünglichen Sagenform zu den höfischen Romanen und späteren Prosaerzählungen nachzuvollziehen.
2.1.1 Die historischen Grundlagen des Stoffs
Immerhin herrscht Einigkeit darüber, dass – wenn schon nicht die Sage an sich – zumindest die Ursprünge der einzelnen Stoffelemente im inselkeltischen Bereich zu suchen sind. Grund hierfür sind vor allem die Orts- und Personennamen. So ist etwa König Marke als historische Gestalt des 6. Jahrhunderts belegt. Hinweise befinden sich in der 884 von dem Mönch Wrmonoc verfassten Bearbeitung der ‚Vita S. Pauli Aureliani’, die die Taten eines regis Marci […] quem alio nomine Quonomorium schildert. Er wird dabei als Herrscher eines Reiches bezeichnet, in dem vier Sprachen gesprochen werden. Nimmt man für diese vier Sprachen das Kornische, das Kymrische, das Kumbrische und das Bretonische an, so lässt dies auf Kornwall als Herrschaftsgebiet schließen, was dem Sitz von Markes Hof im Tristanroman entsprechen würde.
Auch der Name des eigentlichen Protagonisten weist auf eine keltische Herkunft des Stoffs. So besitzt der Name eine piktische Wurzel, nämlich Drust. Der Name tritt im Keltischen in verschiedenen Varianten auf und ist in diesen auch in den verschiedensten Chroniken belegt: So ist etwa im ‚Buch von Deir’ der erste Abt des gleichnamigen Klosters mit dem Namen Drostán belegt, im ‚Chronicon Scottorum’ findet sich das Todesdatum eines Drust mac Erb, der um 445 gestorben sein soll, und in derselben Chronik entdeckt man auch den Hinweis auf den Tode Drosts mac Domhnail im Jahr 674. Weitere Belege des Namens liefern die ‚Annalen von Tigernach’: Sie berichten von der Vertreibung des Piktenkönigs Druist im Jahr 726 sowie vom Tode eines Drust 729 in der Schlacht gegen Oengus.
1. Einleitung: Vorstellung des Gegenstands, Herleitung der Forschungsfrage und Erläuterung des methodischen Vorgehens bei der stoffgeschichtlichen Untersuchung der Tristansage.
2. Der erste Tristanroman und seine Ursprünge: Darstellung des Modells von Friedrich Ranke zur Entwicklung der Sage in drei Stufen sowie Diskussion alternativer Entstehungstheorien.
3. Die deutschen Tristanbearbeitungen: Analyse der wichtigsten deutschsprachigen Umsetzungen, angefangen bei Eilhart von Oberg bis hin zu Gottfried von Straßburg und deren Fortsetzern.
4. Zusammenfassung: Reflexion über die Ergebnisse der Untersuchung sowie ein Ausblick auf die Grenzen und Möglichkeiten der stoffgeschichtlichen Forschung.
5. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Textausgaben und wissenschaftlichen Forschungsliteratur.
Tristansage, Tristanstoff, Stoffgeschichte, Eilhart von Oberg, Gottfried von Straßburg, keltischer Ursprung, Ältestes Epos, Estoire, höfischer Roman, Adaptation, Minnekonzeption, mittelalterliche Literatur, Überlieferungstradition, Literaturwissenschaft, Motivforschung.
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und der stoffgeschichtlichen Herkunft der Tristansage, von ihren vermuteten keltischen Anfängen bis zur Ausgestaltung in der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters.
Zentrale Themen sind die Rekonstruktion der Ursprungsfassungen der Sage, die Analyse der Minnekonzeption in verschiedenen Epochen sowie die formale und inhaltliche Differenzierung der Bearbeitungen durch verschiedene Dichter.
Ziel ist es, die Entwicklungslinien des Tristanstoffs aufzuzeigen, die Strukturwandlungen zwischen den unterschiedlichen Fassungen zu analysieren und die Bedeutung der einzelnen Bearbeiter für die Stoffpräsentation zu beleuchten.
Es wird eine vergleichende literaturhistorische und stoffgeschichtliche Methode angewandt, die auf der Analyse von Textquellen, der Auswertung der Forschungsliteratur und der Untersuchung struktureller sowie motivischer Veränderungen basiert.
Im Hauptteil werden zunächst die hypothetischen Ursprungsphasen (keltisch, orientalisch, germanisch) erörtert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der deutschen Tristanbearbeitungen, wobei Eilhart von Oberg und Gottfried von Straßburg im Mittelpunkt stehen.
Wichtige Begriffe sind Tristansage, Stoffgeschichte, Eilhart von Oberg, Gottfried von Straßburg, Adaptation, Minnekonzeption und Überlieferungstradition.
Das Modell von Ranke ist in der Tristanforschung heute weitgehend anerkannt; es dient als strukturelles Grundgerüst, um die Entwicklung der Sage von der keltischen Urform über das ‚Älteste Epos’ bis zur ‚Estoire’ zu erklären.
Diese Unterscheidung ist entscheidend, um die verschiedenen Interpretationsweisen und literarischen Ziele der Tristan-Bearbeiter zu verstehen – von der stärker abenteuerorientierten, unhöfischen Tradition bis hin zur höfischen, reflektierten Dichtung.
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