Bachelorarbeit, 2007
36 Seiten, Note: 5,5 (Notensystem CH)
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. Einleitung
2. Essstörung beim Mann
2.1. Symptome
2.2. Vorkommen der Männer in den Subgruppen der Essstörungen
2.3. Zusammenfassung
3. Sexuelle Orientierung: Homosexualität als Risikofaktor
3.1. Sexuelle Orientierung unter Männern mit Störungen im Essverhalten
3.2. Zusammenfassung
4. Rollenorientierung: Feminität als Risikofaktor?
4.1. Feminität und Maskulinität
4.1.1. Eine Dimension versus zwei Dimensionen
4.1.2. Wandel in Richtung Androgynie
4.2. Rollenorientierung unter Männern mit Essstörung
4.2.1. Rollenorientierung unter Heterosexuellen
4.2.2. Rollenorientierung unter Homosexuellen
4.3. Gesellschaft: die soziale Rolle des Mannes im Wandel
4.3.1. Traditionelle Rollenbilder werden aufgerüttelt
4.3.2. Emotionalität
4.4. Zusammenfassung
5. Essattacken, eine Antwort auf sozialen Druck?
5.1. Essattacken und die Fähigkeit der Emotionsregulation
5.1.1. Essen und Stressoren
5.1.2. Zwei Modelle zur Funktion von Essattacken (und Erbrechen):
5.2. Zusammenfassung
6. Diskussion
Die vorliegende Arbeit untersucht die Faktoren, die zur Zunahme von Essstörungen bei Männern beitragen, und geht der Forschungsfrage nach, inwiefern nicht nur die sexuelle Orientierung, sondern insbesondere die soziale Rollenorientierung als Risikofaktor für die Entwicklung einer Essspathologie zu bewerten ist.
4.3. Gesellschaft: die soziale Rolle des Mannes im Wandel
Wie muss der perfekte Mann sein? Was soll er fühlen, wie soll er aussehen? Erfolgreich sein im Beruf, ein guter Liebhaber, ein zärtlicher Vater und aufmerksamer Ehemann? Die vormals strengen Anforderungen der letzten Generationen an männliches und weibliches Verhalten haben sich gelockert.
In den 60er Jahren fand bei den Frauen eine Aufbruchbewegung und ein Abrücken von der betonten Geschlechterdifferenzierung statt, die zu starken Irritationen bei den Männern führte (Bründel & Hurrelmann, 1999). Während Frauen heute Erfolge im privaten und beruflichen Selbstbewusstsein erringen, zeigen sich Männer mannigfach verunsichert und orientierungsbedürftig. Es gibt viele unterschiedliche Bewusstseinsmuster, widersprüchliche Einstellungen und Versuche der Neuorientierung von Männern und Frauen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme von Essstörungen bei Männern und führt in die zentralen Untersuchungsfaktoren ein: sexuelle Orientierung und soziale Geschlechterrolle.
2. Essstörung beim Mann: Dieses Kapitel beschreibt das klinische Bild, die Symptomatik bei Männern im Vergleich zu Frauen sowie das Vorkommen in verschiedenen Diagnose-Subgruppen.
3. Sexuelle Orientierung: Homosexualität als Risikofaktor: Es wird analysiert, inwieweit Homosexualität als spezifischer Risikofaktor für Essprobleme bei Männern gilt und welche Bedeutung dies im Kontext der Gesamtzahlen hat.
4. Rollenorientierung: Feminität als Risikofaktor?: Das Kapitel untersucht den Zusammenhang zwischen Geschlechterrollen, gesellschaftlichem Wandel und dem Auftreten von Essstörungen bei Männern mit unterschiedlicher Orientierung.
5. Essattacken, eine Antwort auf sozialen Druck?: Hier werden psychologische Modelle der Emotionsregulation vorgestellt, um die Funktion von Essattacken als Bewältigungsstrategie zu erklären.
6. Diskussion: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, kritisch hinterfragt und mit dem ursprünglichen Thesenentwurf abgeglichen, um Schlussfolgerungen für Forschung und Therapie zu ziehen.
Essstörungen, Männer, Homosexualität, soziale Rollenorientierung, Feminität, Maskulinität, Androgynie, Essattacken, Emotionsregulation, Bulimie, Identitätsprobleme, Stressoren, psychologische Vulnerabilität, Essverhalten, Geschlechterrolle.
Die Arbeit befasst sich mit der Zunahme von Essstörungen bei Männern und hinterfragt die Ursachen für diese Entwicklung, insbesondere im Hinblick auf soziale und geschlechtsspezifische Faktoren.
Zentral sind der Einfluss der sexuellen Orientierung, die Bedeutung der männlichen sozialen Rollenorientierung sowie die Funktion von Essattacken als emotionale Bewältigungsstrategie.
Das Ziel ist zu klären, ob die einseitige soziale Rollenorientierung ein stärkerer Risikofaktor für die Entwicklung einer Essstörung bei Männern ist als die sexuelle Orientierung allein.
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende empirische Studien und Theorien zusammenführt, analysiert und kritisch diskutiert.
Der Hauptteil analysiert Symptome, Prävalenzen, den Einfluss von Feminität/Maskulinität, gesellschaftliche Veränderungen der Männlichkeitsbilder sowie psychologische Erklärungsmodelle für Essattacken (Escape- und Masking-Theorie).
Wichtige Begriffe sind Essstörungen bei Männern, Rollendiffusion, Emotionsregulation, maskuline/feminine Rollenorientierung und maladaptive Bewältigungsstrategien.
Da die Mehrheit der Männer mit Essstörungen heterosexuell ist, kann Homosexualität allein die Zunahme der Inzidenzfälle nicht erklären, weshalb die Rolle der sozialen Orientierung stärker in den Fokus rückt.
Die Escape-Theorie interpretiert Essattacken als Fluchtversuch, bei dem die Aufmerksamkeit durch das Essen von realen, externen Problemen abgewendet wird, um das emotionale Leid kurzzeitig zu mindern.
Die Masking-Theorie geht davon aus, dass Essattacken Probleme nicht "abblocken", sondern uminterpretieren, indem der Betroffene die negativen Gefühle als Folge des Essens statt als Folge externer Stressoren wahrnimmt.
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