Diplomarbeit, 1996
59 Seiten, Note: 2,3
I. Einleitung und Aufbau
II. Der Nachhaltigkeitsbegriff
1. Ursprung und Wesen des Nachhaltigkeitsbegriffs
2. Die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Ökonomie
3. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development)
III. Die Indikatorendiskussion
1. Die Kritik am Bruttosozialprodukt als Wohlfahrtsindikator für eine nachhaltige Entwicklung
2. Der jüngste Korrekturversuch: Der "Index of Sustainable Economic Welfare"
3. Das Ökosozialprodukt-Konzept
4. Umwelt-Satellitensysteme zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen: Das Konzept der Vereinten Nationen
5. Die Umweltökonomische Gesamtrechnung in Deutschland
6. Das niederländische System von Indikatoren
IV. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Forschungsstand und die praktische Umsetzung von Indikatoren zur Messung nachhaltiger Entwicklung, mit dem Ziel, die Eignung bestehender Wohlstandsmaße wie das Bruttosozialprodukt kritisch zu hinterfragen und alternative, ökologisch orientierte Bewertungssysteme zu evaluieren.
3. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development)
Zunächst einmal muß festgestellt werden, daß in der relevanten und zumeist englischsprachigen Literatur der Begriff des Sustainable Development zwar einheitlich verwendet, aber nicht einheitlich verstanden und interpretiert wird (vgl. Endres, 1993, S. 177); eine Sammlung von Definitionen findet sich etwa bei Pearce / Barbier / Markandya (1990, S. 173-185). Bei deutschen Übersetzungen oder auch deutschsprachigen Abhandlungen kommt hinzu, daß es für dieses Schlagwort keine einheitliche Übersetzung bzw. kein Äquivalent gibt; so findet man Beschreibungen wie "dauerhaft", "dauerfähig", "zukunftsfähig" oder "langfristig tragfähig" (vgl. Harborth, 1991, S. 7). Im folgenden soll daher die ohnehin bereits oben benutzte Bezeichnung "Nachhaltigkeit" bzw. "Nachhaltige Entwicklung" verwendet werden.
Pearce definiert als weitgehend unumstrittene Elemente der Definition von nachhaltiger Entwicklung (Pearce und Turner, 1990, S.43ff.) zum einen die Bejahung der Forderung nach Entwicklung, zum anderen die Forderung, daß diese Entwicklung nachhaltig (sustainable) verlaufen soll.
Diese Betonung des Entwicklungs- anstelle des Wachstumsbegriffes ist das erste Charakteristikum des Sustainable-Development-Begriffs, das als Ergebnis der Wachstumsdebatte Anfang der 70er Jahre, ausgelöst durch den oben erwähnten ersten Bericht des Club of Rome (Meadows et al., 1972), angesehen werden kann (vgl. auch Brenck, 1992). Entwicklung wird hierbei als positiver gesellschaftlicher Wandel definiert, wobei konkret etwa Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens, Verbesserung des Gesundheits- und Ernährungssektors sowie des Bildungsstandes, faire Ressourcenverteilung etc. angesprochen sind (vgl. Enquête-Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt" des Deutschen Bundestages, 1993, S. 36).
I. Einleitung und Aufbau: Die Einleitung führt in die umweltpolitische Diskussion der Nachhaltigkeit ein und stellt die Notwendigkeit dar, den aktuellen ökonomischen Entwicklungspfad durch konkrete Zieldefinitionen und Indikatoren kritisch zu operationalisieren.
II. Der Nachhaltigkeitsbegriff: Dieses Kapitel erläutert den Ursprung des Begriffs in der Forstwirtschaft sowie dessen Weiterentwicklung im Kontext des Brundtland-Berichts und analysiert die Herausforderungen bei der theoretischen Verankerung in der Ökonomie.
III. Die Indikatorendiskussion: Hier werden verschiedene Ansätze zur Messung von Nachhaltigkeit diskutiert, von der Kritik am Bruttosozialprodukt über monetäre Indizes wie den ISEW und das Ökosozialprodukt bis hin zu physischen Satellitensystemen und nationalen Indikatorlösungen.
IV. Fazit: Das Fazit resümiert, dass rein monetäre Nachhaltigkeitsansätze die Komplexität der ökologischen Langfristigkeit oft nur unzureichend abbilden und dass ein pluralistischer, auch physisch-quantitative Daten einbeziehender Indikatorenansatz notwendig erscheint.
Nachhaltige Entwicklung, Sustainable Development, Bruttosozialprodukt, Wohlfahrtsindikator, Ökosozialprodukt, Umweltökonomische Gesamtrechnung, SEEA, Nachhaltigkeitsindikator, Umweltkapital, Ressourcenökonomie, monetäre Bewertung, ökonomisch-ökologische Wechselbeziehungen, Lebensqualität, intergenerationelle Gerechtigkeit, Wohlstandsmessung.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Problematik, wie ökologische Nachhaltigkeit in ökonomische Bewertungssysteme integriert werden kann, um eine fundierte Basis für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik zu schaffen.
Zentrale Felder sind die Definition von Nachhaltigkeit, die Kritik an klassischen Wohlstandsindikatoren wie dem BSP sowie die Analyse verschiedener Ansätze zur Messung von Umweltnutzung und -zustand.
Das Ziel ist es, einen Überblick über den Stand der Forschung zur Operationalisierung nachhaltiger Entwicklung durch Indikatoren zu geben und zu prüfen, inwieweit diese für die praktische Politik tauglich sind.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und Literaturstudie, die verschiedene Konzepte der Umweltökonomie und der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen gegenüberstellt und kritisch würdigt.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von Indikatorenmodellen, darunter der "Index of Sustainable Economic Welfare", das Ökosozialprodukt, die SEEA-Satellitensysteme sowie länderspezifische Ansätze (Deutschland und Niederlande).
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nachhaltigkeit, BSP-Kritik, Ökosozialprodukt, Umweltökonomische Gesamtrechnung (UGR) und Indikatorensysteme charakterisiert.
Der Autor argumentiert, dass das BSP lediglich wirtschaftliche Leistungen und Konsum misst, jedoch externe Kosten, Ressourcenverbrauch, Umweltschäden und Verteilungsaspekte ausblendet, was zu Fehlsteuerungen in der Politik führt.
Der ISEW korrigiert zwar den persönlichen Konsum um soziale Faktoren, steht aber laut Autor in der Kritik, dem BSP theoretisch zu nahe zu sein und mangelnde Präzision bei der Monetarisierung ökologischer Werte aufzuweisen.
In den Niederlanden wird der Fokus stärker auf physische Indikatoren und eine "Rates-to-goals"-Strategie gelegt, da man dort annimmt, dass eine rein monetäre Bewertung ökologischer Qualität politisch weniger greifbar und teils kontraproduktiv ist.
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