Diplomarbeit, 2000
118 Seiten, Note: 2
1. EINLEITUNG
2. ZUM BEGRIFF LEGENDE
2.1. Die Entstehung des Begriffs Legende
2.2. Sprachliche Verbreitung und Unterschiede
2.3. Verschiedene Legendentheorien
2.3.1. Legendentheorien am Ausgang des 19. Jahrhunderts
2.3.2. Legendentheorien zu Beginn des 20. Jahrhunderts
2.3.3. Legendentheorien ab 1945
3. DER INHALTLICHE AUFBAU DER LEGENDE
3.1. Teil 1: Beginn bis Taufe im Haus des Nicostratus
3.1.1. Personen des ersten Teiles
3.1.2. Unterschiede zwischen den Acta und den mittelalterlichen Legendaren
3.2. Teil 2 Die Götzenzerstörung im Hause Chromatius
3.2.1. Personen des zweiten Teiles
3.2.2.Unterschiede zwischen den Acta und den mittelalterlichen Legendaren
3.2.2.1. Der Dialog zwischen Römern und Christen
3.2.2.2. Beschreibung der Kammer zur Vorhersagung der Zukunft
3.2.2.3. Die Flucht der Christen aus Rom
Teil 3 Das Martyrium der Christen
3.3.1. Personen des dritten Teiles
3.3.2. Unterschiede zwischen den Acta und den mittelalterlichen Legendaren
3.4. Zusammenfassung
4. DIE HANDSCHRIFT 717II DER BIBLIOTHEQUE MUNICIPALE, COLMAR
4.1. Unterschiede zwischen Acta Sanctorum und Handschrift 717II
4.1.1. Auslassungen der Sebastianlegende verglichen mit der Acta Sanctorum
4.1.1.1. Auslassungen im ersten Teil der Legende
4.1.1.2. Auslassungen im zweiten Teil der Legende
4.1.1.3. Auslassungen im dritten Teil der Legende
4.1.1.4. Zusammenfassung der Auslassungen innerhalb der Legende
4.1.2. Die inhaltlichen Zusätze und Abänderungen im Sebastiantext der Handschrift 717II
4.1.2. Gliederung des Sebastiantextes der Handschrift 717II
4.1.2.1. Gliederung des Textes im ersten Teil der Legende
4.1.2.2. Gliederung des Textes im zweiten Teil der Legende
4.1.2.3. Gliederung des Textes im Zwischenkapitel der Legende
4.1.2.4. Gliederung des Textes im dritten Teil der Legende
4.1.2.5. Zusammenfassender Blick auf die Gliederung des Textes der Handschrift 717II
5. SCHLUSSBEMERKUNG
6. TRANSKRIPTION DER HS. 717II 102R-162R
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sebastianlegende unter besonderer Berücksichtigung der Handschrift 717II der Bibliotheque Municipale zu Colmar. Ziel ist ein kritischer Vergleich zwischen den lateinischen Quellen (Acta Sanctorum) und den mittelalterlichen deutschsprachigen Legendaren, um die inhaltlichen Abweichungen, Kürzungen und redaktionellen Tendenzen der Überlieferung herauszuarbeiten.
Die Person des Heiligen Sebastian
Die Person des Heiligen Sebastian wird in der Geschichte zum ersten Mal in dem Schriftstück erwähnt, dass seit Theodor Mommsen den Titel „Chronograph vom Jahre 354“ trägt. Neben einem bebilderten Kalender, einer Chronik der Stadt Rom und anderen Einträgen, wurden in diesem Manuskript auch die Todestage und Begräbnisstätten römischer Märtyrer verzeichnet. In diesen Verzeichnissen findet sich auch der Name Sebastian, jedoch ohne einen Hinweis auf sein Leben oder erste Anzeichen seiner Legende in schriftlicher Form. Dieser Eintrag ist auch der einzige Nachweis dafür, dass es sich bei Sebastian tatsächlich um eine historische Persönlichkeit gehandelt hat und es sich nicht um eine rein fiktive Figur der katholischen Kirche handelt. Da es unter der Vielzahl der Heiligen jedoch auch manche gibt, deren historische Daten nicht so leicht nachgewiesen werden können, war die Wissenschaft bald darum bemüht, eine Differenzierung zwischen tatsächlichen und nur erfundenen Heiligen zu treffen.
Hippolyte Delehaye teilt in seinen „Legends of the Saints“ die Heiligen in drei Gruppen ein. Die erste Gruppe erfasst jene Heiligen, über die ein authentischer historischer Nachweis erbracht werden kann. Diese Heiligen sind von der katholischen Kirche autorisiert worden und seit Jahrhunderten als einstmals real existierende Personen anerkannt. In diese Gruppe gehören beispielsweise der Heilige Lawrence oder der Heilige Cyprian. In die zweite Gruppe werden die Heiligen eingereiht, deren Überlieferungsgeschichte nicht eindeutig festgelegt werden kann. Die dritte Gruppe bezieht sich dann auf Heilige, die völlig fiktional sind und nur marginalen literarischen Ursprung vorweisen können. Hierzu gehören Georg und Barbara, und hätte man von Sebastian nicht die Aufzeichnungen des Chronographen, so müßte man ihn auch dieser Gruppe hinzurechnen.
Trotz dieser dürftigen Angaben zu seiner geschichtlichen Persönlichkeit und seiner nicht sicheren historischen Authentizität, wurden seit seinem angenommenen Tod am 20. Januar 288 n.Chr. verschiedene Versionen seiner Leidensgeschichte erzählt und aufgeschrieben.
1. EINLEITUNG: Darstellung der historischen Quellenlage zu Sebastian und Einführung in die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. ZUM BEGRIFF LEGENDE: Erörterung der Etymologie und Entwicklung des Legendenbegriffs sowie Einordnung in wissenschaftliche Theoriekontexte.
3. DER INHALTLICHE AUFBAU DER LEGENDE: Analyse der Gliederung der Legende in drei Teile und Untersuchung der handelnden Personen im Vergleich zu den ursprünglichen Acta.
4. DIE HANDSCHRIFT 717II DER BIBLIOTHEQUE MUNICIPALE, COLMAR: Detaillierte Untersuchung der Auslassungen, Zusätze und der spezifischen Textgliederung in der untersuchten Handschrift.
5. SCHLUSSBEMERKUNG: Fazit zur Rolle Sebastians und zur redaktionellen Arbeitsweise der Dorothea von Kippenheim.
6. TRANSKRIPTION DER HS. 717II 102R-162R: Wiedergabe des Transkriptionsmanuskripts zur Erschließung des Quellentextes.
Heiligenlegende, Sebastian, Handschrift 717II, Acta Sanctorum, Mittelalterliche Literatur, Überlieferungsgeschichte, Dorothea von Kippenheim, Martyrium, Legendentheorie, Hagiographie, Redaktionsanalyse, Colmar, Lateinische Quellen, Exegese, Historizität.
Die Arbeit untersucht die Überlieferung der Sebastianlegende, insbesondere den Vergleich zwischen den spätantiken lateinischen Ursprungstexten und der mittelalterlichen Übersetzung der Nonne Dorothea von Kippenheim.
Im Zentrum stehen die redaktionelle Bearbeitung des Stoffes, die Vereinfachung und Kürzung lateinischer Vorlagen durch mittelalterliche Autoren sowie die Heiligkeitsauffassung im 15. Jahrhundert.
Das Hauptziel ist es, die spezifischen inhaltlichen Abweichungen der Colmarer Handschrift 717II zu identifizieren und zu belegen, dass diese Veränderungen nicht auf ein schadhaftes Original, sondern auf eine bewusste redaktionelle Strategie zurückzuführen sind.
Es wird eine philologisch-vergleichende Methode angewandt, die den Sebastiantext der Handschrift 717II systematisch den lateinischen Acta Sanctorum gegenüberstellt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der inhaltlichen Struktur, den Vergleich der Personenkonstellationen sowie eine detaillierte Untersuchung der Auslassungen und Zusätze im Textkörper.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Sebastianlegende, Hagiographie, Acta Sanctorum, Handschriftenkunde und die redaktionelle "Aktualisierung" mittelalterlicher Texte.
Sie stellt ein einzigartiges Dokument dar, das die Adaption einer antiken Legende durch eine Nonne des 15. Jahrhunderts im elsässischen Raum eindrucksvoll widerspiegelt.
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass Dorothea von Kippenheim bewusst Eingriffe in das Original vornahm, um den Text für das zeitgenössische Publikum verständlicher und theologisch "gemäßigter" zu gestalten.
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