Magisterarbeit, 2003
54 Seiten, Note: 1,8
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
EINLEITUNG
§ 1. Der Begriff des Spieles und die Phänomenologie
§ 2. Der Begriff der Intentionalität
§ 3. Erfahrung
KAPITEL I
ZEICHEN UND BEDEUTUNG. DAS SPIEL ALS SEMIOTISCHER BEGRIFF
§ 1. Einleitung
§ 2. Das Anzeichen
§ 3. Anzeige und Assoziation
§ 4. Ausdruck in Zeichen
Ausdruck in kommunikativer Funktion
Ausdruck im einsamen Seelenleben
§ 5. Aufbau des Ausdrucksaktes
§ 6. Zeichen und Bedeutung
§ 7. Name und Benennung als Exempel der Beziehungsverhältnisse im Ausdrucksakt
§ 8. Symbol, Spiel und Spielbedeutung
KAPITEL II
SPIEL UND ERKENNTNIS
§ 1. Einleitung
§ 1. Spiel und Kalkül
§ 2. Rekurs: Philosophie der Arithmetik
§ 3. Namen, Zeichen und Spiel
§ 4. Spiel und kategoriale Anschauung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Spielbegriff im Kontext der Phänomenologie Edmund Husserls. Ziel ist es, die Funktion des Spielbegriffs innerhalb der semiotischen Überlegungen Husserls zu klären und zu prüfen, ob dieser Begriff einen neuen Zugang zu den erkenntnistheoretischen Verhältnissen der "Logischen Untersuchungen" eröffnet.
§ 1. Der Begriff des Spieles und die Phänomenologie
Der Begriff des Spieles hat in der Philosophie eine lange Tradition. Bezeugt ist er seit Heraklit. Auch Platon hat sich mit dem Begriff des Spieles auseinandergesetzt. Bei Heraklit ist ein spielendes Kind Metapher der Weltzeit (auch: Lebenszeit; grch.: Aion). Für Platon steht der spielende Mensch in wahrer Beziehung zu den Göttern. Andererseits ist nach Platons Auffassung der Umgang mit Literatur eine bloße Spielerei, da sich das Geschriebene ‚überall herumtreibt’ und die Autoren zumeist nicht Rede und Antwort stehen können für das, was sie geschrieben haben.
In der Philosophie der Neuzeit gewinnt der Spielbegriff vor allem in der Ästhetik an Bedeutung. Bei Kant und im Anschluß an ihn Schiller steht das Spiel in enger Verknüpfung mit Freiheit. Das ästhetisch Schöne kann nach Kant ein freies Spiel der Erkenntnisvermögen des Subjekts hervorrufen. Nach Schiller geht es im Spiel um die Vermittlung von Stoff- und Formtrieb. Beide Triebe sind Antagonismen, die durch den Spieltrieb harmonisiert werden können. Im Spieltrieb ist der Mensch nicht ausschließlich an einen der beiden Triebe gebunden, so daß er durch den Spieltrieb in Freiheit gesetzt werden kann. Schiller bezeichnet das Spiel mit der paradox klingenden Wendung „lebendige Gestalt“.
Weiterhin ist die Spieltheorie zu nennen, die vor allem im mathematischen und logischen Bereich Anwendung fand. Die Spieltheorie ist eine Variante der Wahrscheinlichkeitstheorie, zuerst angewendet auf Verhältnisse des Glücksspieles. Es ist dabei die Frage leitend, inwieweit strategische Handlungen innerhalb sehr komplex strukturierter Prozesse Einfluß gewinnen können.
Im 20. Jh. gewinnt der Spielbegriff zunehmendere Aufmerksamkeit. Viele wirkungskräftige Philosophen des 20. Jahrhunderts haben sich mit dem Spielbegriff beschäftigt, sei es in ästhetischer (Gadamer), metaphysischer (Heidegger), ontologischer (Heidegger, Fink), anthropologischer (Buytendijk) oder pädagogischer (Scheuerl) Hinsicht. Weiterhin hat der Spielbegriff Eingang gefunden in die Sprachphilosophie, namentlich durch Wittgenstein. Wittgenstein versteht Sprachspiele als Handlungen in der Sprache oder Lebensformen.
EINLEITUNG: Einführung in die traditionelle Bedeutung des Spielbegriffs in der Philosophie und Darstellung der Notwendigkeit, diesen Begriff phänomenologisch im Kontext von Husserls "Logischen Untersuchungen" zu klären.
KAPITEL I: Analyse der semiotischen Grundlagen bei Husserl, insbesondere der Differenzierung von Ausdruck und Anzeichen, sowie die erste Untersuchung des Spielbegriffs als Hilfsmittel zur Klärung symbolischer Operationen.
KAPITEL II: Untersuchung des Zusammenhangs von Spiel und Erkenntnis, wobei das Spiel als Kalkül analysiert wird, und kritische Reflexion über die Grenzen spielerischer Operationen bezüglich der Erkenntnisgewinnung.
Intentionalität, Spielbegriff, Phänomenologie, Edmund Husserl, Logische Untersuchungen, Zeichen, Ausdruck, Anzeichen, Symbolik, Kalkül, Erkenntnis, Bedeutung, Sinn, Assoziation, kategoriale Anschauung.
Die Arbeit untersucht die philosophische Bedeutung des Spielbegriffs bei Edmund Husserl, einem Denker, der diesen Begriff in seinen Schriften zwar nur selten explizit verwendet, ihn jedoch als Analogie für das Operieren mit symbolischen Zeichen in der Mathematik und Logik einsetzt.
Die zentralen Themen sind die Phänomenologie der Intentionalität, die Semiotik (Lehre vom Zeichen), die Differenz zwischen Anzeichen und Ausdruck sowie die formale Logik und Arithmetik als Orte des symbolischen "Spiels".
Das primäre Ziel ist es, den "Husserlschen Spielbegriff" thematisch zu klären, seinen semiotischen Kontext zu bestimmen und zu prüfen, ob dieser Begriff neue Erkenntnisse über die erkenntnistheoretischen Strukturen der "Logischen Untersuchungen" ermöglicht.
Die Arbeit nutzt die phänomenologische deskriptive Methode, indem sie sich eng an Husserls "Logische Untersuchungen" anlehnt und durch Aktanalyse sowie den Vergleich mit anderen Denkern (Derrida, Gadamer, Heidegger, Mill) den Spielbegriff systematisch erschließt.
Im Hauptteil wird zunächst die Unterscheidung von Anzeichen und Ausdruck erarbeitet. Danach wird das Spiel als Kalkül und als symbolische Operation innerhalb von Zeichensystemen, wie sie in der Arithmetik vorkommen, detailliert analysiert.
Die wichtigsten Begriffe sind Intentionalität, Spielbegriff, Phänomenologie, Zeichen, Bedeutung, Kalkül, kategoriale Anschauung und Ausdruck.
Während Kant und Schiller den Spielbegriff primär in ästhetischem oder anthropologischem Kontext (Verknüpfung mit Freiheit und Stoff-/Formtrieb) verwenden, nutzt Husserl ihn funktional und operativ im Bereich der symbolischen Logik, abgelöst von ästhetischen Freiheitserwägungen.
Der Kalkül fungiert als "Innenperspektive" des Spiels. Er ermöglicht die mechanische und regelbasierte Operation mit Zeichen, die für Husserls Verständnis symbolischer Mathematik entscheidend ist, wobei der Spielbegriff den Kalkül semiotisch einrahmt.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass dem Spiel als rein symbolischem System keine eigenständige Erkenntnisweise zukommt; es bedarf immer der Interpretation oder Rückführung auf originäre Anschauung bzw. kategoriale Formen, um objektive Verhältnisse zu erkennen.
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