Magisterarbeit, 2003
105 Seiten, Note: 1,3
1.0. Einführung: Digitale Architektur / CAAD
1.1. Ereignishorizont des CTRL_space
2.0. Historische Herleitung einiger kulturtechnischer Vorraussetzungen von CAAD-Programmen
2.1. Standards I
Normierte Arbeitswelt und die Potenz der Standardisierung von Maschinenmitarbeitern
2.1.1. Taylors Scientific Management
2.1.2. Optimierte Mensch-Maschine-Systeme
2.1.3. Leitbild: Der intelligente Gorilla im Iconwald
2.1.4. Zerstückelung von Arbeitsabläufen, analog/digital
2.1.5. „Achtung! Beobachtet diesen Mann!“
2.1.6. Digitalisierung des Schreibtisches
2.2. Standards II
Normierte Baukultur und die Potenz der Standardisierung gebauter Materie
2.2.1. Schlaglichter einer Geschichte der Standardisierung im Bauwesen
2.2.1.1. Vermessung der frühen Standardisierung
2.2.1.2. Pistolen, die die Welt verändern
2.2.1.3. Globaler Siegeszug: Institutionalisierung der Standardisierung
2.2.1.4. Standardisierung in Deutschland: DIN
2.2.2. Ernst Neufert und seine BEL/BOL
2.2.2.1. Differente Standards, formales Chaos
2.2.2.2. Die Luftwaffe solls richten (DIN 4171)
2.2.2.3. „Das Chaos gezwungen, Form zu werden.“
2.2.2.4. Schwingungsordnungen von Leib und Seele
2.2.2.5. BEL > ein kaltes Medium
2.2.2.6. Neuferts Zeichenmaschine
2.2.2.7. Der Mann ohne Eigenschaften
2.2.2.8. Wie viel BEL ist in CAAD?
2.3. Ordnung
Gitternetze: Differenzmaschinen im Raum des weißen Rauschens
2.3.1. Draw a distinction!
2.3.2. „Stile sind Lüge.“
2.3.3. Gitter, die die Welt bedeuten
2.3.4. Von Charakterköpfen und aufgeblähten Fischen
2.3.5. „Your map is about to go nova.”
2.3.6. Information Architecture
2.3.7. SNAP to grid
2.4. Implementierung: Digital CTRL_space
2.4.1. Sketchpad
2.4.2. Computing power by the acre
3.0. Technischer CTRL_space
Funktionsweisen moderner CAAD-Programme
3.1. NURBS: Von der mathematischen Eleganz der Kurven
3.1.1. Von ost-englischen Dialekten, eingespannten Enten und feuchtem Papier
3.1.2. Hochkomplexe Oberflächen, wie von Geisterhand erschaffen
3.2. Smart Objects: Virtuelle Materie als Agent des Architekten
3.3. Autogenerative Systeme
3.4. Keyframing: Dynamisierte Materie
3.5. Materialisierte Träume: CAM
3.6 Infinitesimaler CTRL_space: MEMS
4.0. Poetischer CTRL_space
CAAD-Ästhetik
4.1. Blobmeister Zauberei
4.2. Topologische Deformationen
5.0. Beenden... Alt + F4
Die Arbeit untersucht die Transformation der Architektur von einer ingenieurswissenschaftlich geprägten Disziplin hin zu einer durch informationstechnologische Systeme bestimmten Praxis. Ziel ist es, Computer Aided Architectural Design (CAAD) als eine Form der totalen Raumkontrolle zu begreifen und die historischen, technologischen sowie ästhetischen Voraussetzungen dieses Wandels aufzuzeigen.
2.1.2. Optimierte Mensch-Maschine-Systeme
Taylor hatte engen und produktiven Kontakt zu Henry Ford, seines Zeichen der Erfinder der Fließbandproduktion. Zwar hatte Ford bereits eine geniale Megamaschine zum Autobau erfunden und durch das die Werkstücke kontinuierlich dynamisierende Fließband bereits eine extreme Effizienzsteigerung erlangt, mit der Leistung seiner menschlichen Mitarbeiter war er aber so gar nicht zufrieden. Taylor schlug seinem Freund folgende Abhilfe vor: Genau wie industrielle Fertigungsstücke, die seit der epochalen Konzeption Eli Whitney der aus normierten Einzelstücken bestehenden Feuerwaffe im Jahre 1798 immer weitreichender und genauer normiert wurden, sollte nun auch die Arbeitsleistung des Menschen bzw. der „menschlichen Betriebssysteme“ der Fabrik allumfassend normiert werden: „Bisher stand die Persönlichkeit an erster Stelle, in Zukunft wird die Organisation und das System an erster Stelle treten.“
Das Programmieren von Betriebssystemen wird demnach lange vor dem ersten funktionstüchtigen Computer erfunden. Die Problemstellung bei Taylor gehorcht zwar noch dem Zeitalter der Thermodynamik, da es ursächlich darum ging, möglichst viel Energie zu sparen, aber die Lösungsmethode ist bereits informationstechnologisch fundiert: „[Die] Methoden sind räumliche und zeitliche Vermessungen von Mensch-Maschine-Systemen, die zur Optimierung und Normierung von Werkzeugen und Ausführungsmethoden führen.“
Zwar war das Konzept der Arbeitsteilung schon des längeren bekannt, aber das Wissen über Arbeitsabläufe zur Zeit der Studien Taylors beruhte immer noch hauptsächlich auf einer Arbeitswissenschaft des Einzelnen. Das vorhandene Wissen wurde mündlich weitergegeben und war somit von störendem Rauschen bei der Übertragung im Ausbildungsprozess beeinträchtigt. Taylor stellte fest, dass diese Art des Lernens noch sehr dem eines Kindes ähnelte, dass durch Ausprobieren und mimetische Handlungen geprägt ist. Taylor zielte hingegen auf die Erlangung klarer Regeln und Handlungsanweisungen für den Arbeitsprozess hin. Zunächst sollte ungeordnetes Erfahrungswissen in prozessierbare Daten verwandelt, dieses wiederum in einer Datenbank gespeichert und anschließend geordnet werden.
1.0. Einführung: Digitale Architektur / CAAD: Einführung in die Transformation der Architektur vom physikalischen Prozessionsraum hin zum digitalen Kontrollraum, geprägt durch informationstechnologische Einflüsse.
2.0. Historische Herleitung einiger kulturtechnischer Vorraussetzungen von CAAD-Programmen: Untersuchung der historischen Wurzeln von CAAD, insbesondere der Standardisierung und Taylorisierung von Arbeitsprozessen als Grundlage für heutige Software-Logiken.
2.1. Standards I: Analyse der Normierung der Arbeitswelt nach dem Vorbild von Taylor, um die industrielle Effizienz und die Rolle des Menschen als Maschinenmitarbeiter zu beleuchten.
2.2. Standards II: Untersuchung der Normierung in der Baukultur unter besonderer Berücksichtigung von Ernst Neufert und seiner Bauentwurfslehre als Vorläufer digitaler Standardisierung.
2.3. Ordnung: Erläuterung der Bedeutung von Gitternetzen und Rastern als fundamentale, ordnungsstiftende Strukturen im architektonischen Entwurf, die bis in den Cyberspace reichen.
2.4. Implementierung: Digital CTRL_space: Darstellung der Geburtsstunde von CAD durch Ivans Sutherlands Sketchpad und dessen Bedeutung für den computerbasierten Entwurfsprozess.
3.0. Technischer CTRL_space: Detaillierte Betrachtung aktueller technischer Funktionsweisen moderner CAAD-Programme, wie der mathematischen Oberflächenkontrolle durch NURBS.
4.0. Poetischer CTRL_space: Diskussion der ästhetischen Auswirkungen digitaler Entwurfswerkzeuge, insbesondere der sogenannten Blob-Architektur und topologischer Deformationen.
5.0. Beenden... Alt + F4: Fazit zur Rolle der Maschine und des Computers als prägendes Leitmedium der gegenwärtigen Epoche und der Architekturproduktion.
CAAD, Digitale Architektur, CTRL_space, Standardisierung, Taylorismus, Ernst Neufert, Informatik, Algorithmus, Gitternetz, NURBS, Blob-Architektur, Information Architecture, Mensch-Maschine-Verbund, Entwurfsprozess, Automatisierung.
Die Arbeit analysiert die Veränderung des architektonischen Entwerfens im digitalen Zeitalter. Sie zeigt auf, wie der Computer die Architektur zu einem "CTRL_space" (Kontrollraum) umwandelt, in dem Informationen die Energie als Leitkriterium abgelöst haben.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Standardisierung (vom Taylorismus bis zur DIN), die medientechnologischen Grundlagen von Software, die mathematische Organisation von Raum durch Raster und Algorithmen sowie die daraus resultierende neue Ästhetik.
Das Ziel ist es, CAAD nicht nur als Werkzeug, sondern als eine spezifische Strategie der totalen Raumkontrolle zu beschreiben und die funktionalen sowie ideologischen Abhängigkeiten zwischen Software und architektonischer Form zu offenbaren.
Die Arbeit nutzt medientheoretische und historische Analysen. Sie verbindet dabei technologische Entwicklungen (wie die von CAD-Software) mit kulturwissenschaftlichen Diskursen und philosophiegeschichtlichen Fragestellungen.
Im Hauptteil werden zunächst die "analogen Vorläufer" (Standardisierung, Messwesen) behandelt, bevor die Implementierung dieser Prinzipien in den Computer (Sketchpad) und deren mathematische Umsetzung (NURBS, Autogenerative Systeme) in modernen Programmen untersucht werden.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie CAAD, Standardisierung, CTRL_space, mathematische Kontrolle, Blob-Architektur und Mensch-Maschine-Interaktion zusammenfassen.
Die Arbeit argumentiert, dass moderne Softwarearchitektur – etwa durch feste Funktionspaletten und vordefinierte Routinen – den Architekten in eine Rolle drängt, die an Taylors "Maschinenmitarbeiter" erinnert, wobei die Komplexität des Programmcodes für den Anwender verborgen bleibt.
Der Autor zeigt auf, dass die Blob-Architektur eng mit der Funktionsweise von Simulationssoftware verknüpft ist. Die "flüssige" Ästhetik entsteht erst durch die mathematische Logik der Software und ist somit ebenso ein Produkt technologischer Vorgaben wie eine künstlerische Entscheidung.
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