Magisterarbeit, 2006
79 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1. Relevanz
1.2. Forschungsstand
1.3. Forschungsziel und Methode
2. Theorie des Skandals
2.1. Mediale Öffentlichkeit als Rahmen für den Schriftsteller
2.2. Kunst als Devianz
2.3. Struktur des Skandals
2.3.1. Devianz
2.3.2. Öffentlichkeit
2.3.3. Akteure und Mechanismen
2.4. Modell des Skandals
3. Skandalanalyse in Bernhards Werken
3.1. Präludium: Dankesrede
3.2. „Die Ursache. Eine Andeutung“
3.2.1. Voraussetzungen
3.2.2. Der Normbruch
3.2.3. Die Enthüllung
3.2.4. Die Empörung
3.2.5. Fazit
3.3. „Holzfällen. Eine Erregung“
3.3.1. Voraussetzungen
3.3.2. Der Normbruch
3.3.3. Die Enthüllung
3.3.4. Die Empörung
3.3.5. Fazit
3.4. „Heldenplatz“
3.4.1. Voraussetzungen
3.4.2. Der Normbruch
3.4.3. Die Enthüllung
3.4.4. Die Empörung
3.4.5. Fazit
4. Resümee
5. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Phänomene literarischer Skandale im Werk von Thomas Bernhard mit dem Ziel, eine systematische Typologie zu erstellen. Durch die Anwendung eines theoretischen Modells auf ausgewählte Skandalereignisse soll analysiert werden, wie Bernhard durch gezielte Provokation und Normbrüche einen Dialog mit der Öffentlichkeit erzwingt und wie die Medien als Akteure in diesem Prozess agieren.
3.3.2. DER NORMBRUCH
Bernhard verurteilt in diesem Werk den österreichischen Kulturbetrieb. Seine Attacken gelten Institutionen wie dem Burgtheater, der ministeriellen Kunstförderung, aber auch den Repräsentanten dieser kulturpolitischen Strukturen. Richtete er seine Kritik in der „Ursache“ vor allem deshalb gegen Österreich, da er zwischen Nationalsozialismus und Katholizismus einen direkten Kausalzusammenhang sieht, handelt es sich bei diesem Text eher um eine indirekte Kritik. In der österreichischen Kulturpolitik wirkt sich natürlich das politische Klima des Staates aus. Insofern betreibt Bernhard hier erneut – wenn auch verhüllter als bei der „Ursache“ – Kritik an der Beliebigkeit eines politischen Systems im Staat, wenn er seine Hauptfigur sprechen lässt:
„Künstlertum heißt in Österreich für die meisten, sich dem Staat, gleich welchem, gefügig zu machen und sich von ihm aushalten zu lassen lebenslänglich. Das österreichische Künstlertum ist ein gemeiner und verlogener Weg des Staatsopportunismus, der mit Stipendien und Preisen gepflastert und mit Orden und Ehrenzeichen tapeziert ist und der in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof endet.“
Zunächst ist der Normverstoß, den Bernhard begeht, arrivierte Personen des Kulturbetriebes bloßzustellen und zu diffamieren. Dieser Verstoß ist allerdings nur der Anlass für einen weiteren: Das Einmischen juristischer Gewalt in einen literarischen Konflikt.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von Thomas Bernhards Image als streitbarer Autor ein und definiert das Forschungsziel einer Skandalogie.
2. Theorie des Skandals: Es wird ein heuristisches Modell des Skandals erarbeitet, das die Komponenten Devianz, Öffentlichkeit und die spezifischen Rollen von Akteuren wie Skandalierer und Skandalrezipient definiert.
3. Skandalanalyse in Bernhards Werken: Anhand der Dankesrede sowie der Werke „Die Ursache“, „Holzfällen“ und „Heldenplatz“ wird das theoretische Modell auf die konkrete Skandalgeschichte angewandt.
4. Resümee: Die Ergebnisse zeigen eine konsistente Struktur der Skandale bei Bernhard auf, bei der mediale Berichterstattung die Provokationen des Autors durch Skandalisierung verstärkt.
5. Ausblick: Die Analyse wird in den breiteren Kontext der österreichischen Kulturgeschichte und der schwierigen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit gestellt.
Thomas Bernhard, Literarischer Skandal, Österreich, Öffentlichkeit, Normbruch, Medien, Skandalisierung, Provokation, NS-Vergangenheit, Literaturkritik, Devianz, Rezeption, Kulturbetrieb, Heldenplatz, Holzfällen.
Die Arbeit untersucht die Typologie literarischer Skandale bei Thomas Bernhard und wie diese durch ein Zusammenwirken von Autor, Medien und Öffentlichkeit entstehen.
Im Zentrum stehen die Struktur des Skandals, die Rolle der Medien bei der Steuerung öffentlicher Aufmerksamkeit sowie die Auseinandersetzung zwischen Kunst und staatlichen bzw. gesellschaftlichen Normen.
Das Ziel ist die Erstellung einer „Skandalogie“ durch die Anwendung eines theoretischen Modells auf Bernhards Werk, um Kontinuitäten und Mechanismen seiner Skandale aufzuzeigen.
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der Zeitungstexte diskursanalytisch auswertet, um die Positionierung von Akteuren in der Genese der Skandale zu rekonstruieren.
Der Hauptteil analysiert detailliert den Ablauf von drei großen Skandalen: „Die Ursache“, „Holzfällen“ und „Heldenplatz“, jeweils unterteilt in Voraussetzungen, Normbruch, Enthüllung, Empörung und Fazit.
Neben dem zentralen Begriff des literarischen Skandals sind dies Begriffe wie Normbruch, Mediale Öffentlichkeit, Devianz und die spezifisch österreichische Dynamik zwischen Autor und Staat.
Da Bernhard wiederholt die Verknüpfung von Katholizismus und Nationalsozialismus thematisierte, bildet dies den Kern der moralischen Normbrüche, die in Österreich zu intensiven öffentlichen Debatten führten.
Das juristische Eingreifen durch Beschlagnahmung des Buches führte zu einer noch breiteren Diskussion über die Freiheit der Kunst und machte den Skandal zu einem bundesweiten Politikum.
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