Examensarbeit, 2002
112 Seiten, Note: sehr gut
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
I. Einleitung
1. Der Gegenstandsbereich der vorliegenden Arbeit
2. Die Vorgehensweise
3. Reflexion und Begründung des methodischen Verfahrens
4. Zum Problem der Beurteilung historischer Begebenheiten aus heutiger Sicht
II. Leni Riefenstahl – eine kurze Biografie
III. Der Karriereweg der Leni Riefenstahl
1. Filme für den Nationalsozialismus
1.1 Sieg des Glaubens
1.1.1 Die „neue Form“ des Films
1.1.2 Der künstlerische Anspruch von Sieg des Glaubens
1.2 Triumph des Willens
1.2.1 Die Mythologisierung des Nationalsozialismus
1.2.2 Die propagandistische Bedeutung von Triumph des Willens
1.3 Tag der Freiheit! Unsere Wehrmacht!
1.3.1 Der ideologische Kontext von Tag der Freiheit! Unsere Wehrmacht!
1.4 Olympia I – Fest der Völker und Olympia II – Fest der Schönheit
1.4.1 Das Auftragswerk des Propagandaministeriums
1.4.2 Die Ästhetik in den Olympia-Filmen
1.4.3 Der „unpolitische“ Film
2. Die Funktionalisierung Leni Riefenstahls für den NS-Staat
IV. Das Bild Leni Riefenstahls in den bundesdeutschen Printmedien
1. Die 50er und 60er Jahre
1.1 Riefenstahl-Rezeption in den 50er und 60er Jahren
2. Die 70er Jahre
2.1 Das Comeback und der Streit um die Olympia-Filme
2.2 Die sozialen Aspekte der Riefenstahl-Verehrung
2.3 Kritik an Riefenstahls öffentlichen Auftritten
2.4 Riefenstahl-Rezeption in den 70er Jahren
3. Die 80er Jahre
3.1 Riefenstahl taucht in die Unterwasserwelt ab
3.2 Der Prozess gegen Nina Gladitz
3.3 Margarete Mitscherlich über eine „vom Männlichkeitswahn besessene Superverleugnerin“
3.4 Kommentare zu den Riefenstahl Memoiren
3.5 Riefenstahl-Rezeption in den 80er Jahren
4. Die 90er Jahre
4.1 Ausstellungen zum Thema Riefenstahl und deren Beurteilung in der Presse
4.1.1 Erste Riefenstahl-Retrospektive in Leipzig
4.1.2 Verkaufsausstellung in Hamburg
4.1.3 Die Ausstellung im Filmmuseum Potsdam
4.2 Artikel zum 95. Geburtstag
4.3 Riefenstahl-Rezeption in den 90er Jahren
5. Ab dem Jahr 2000
5.1 Leni Riefenstahl - Vermarktung eines Mythos
5.2 Die „Ikone des Alters“
5.3 Die letzte lebende Provokation
5.4 Letzte Angriffe gegen Riefenstahl: Die Klage der Sinti und Roma und der Verdacht der Holocaust-Leugnung
5.5 Presseartikel zum hundertsten Geburtstag
5.6 Riefenstahl-Rezeption ab dem Jahr 2000
V. Fazit
VI. Ausblick
Die Arbeit untersucht den Wandel der medialen Wahrnehmung und Darstellung von Leni Riefenstahl in bundesdeutschen Printmedien von 1950 bis 2002. Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie sich das Bild der Regisseurin im Laufe der Jahrzehnte veränderte und welche Faktoren – etwa politische Diskurse, Ausstellungen oder ihre eigene Selbstdarstellung – diesen Prozess beeinflussten, ohne dabei die Schuldfrage der Künstlerin endgültig zu entscheiden.
Der Gegenstandsbereich der vorliegenden Arbeit
Im Alter von 100 Jahren erlebt Leni Riefenstahl heute eine unerwartete Renaissance. In aller Welt werden ihre Fotos ausgestellt, zahlreiche Bücher über ihr Leben sind Kassenerfolge. Sogar Hollywood entdeckt die Regisseurin für sich und will ihr Leben verfilmen. Ist nun endlich das eingetreten, was sie Jahre lang gefordert hat? Man solle sie nur als Künstlerin sehen, mit Politik habe sie nie etwas zu tun gehabt. Das verkündet sie heute ebenso wie 1945.
Die Frage danach, ob die populäre und vielseitige Frau nur ein „verführtes Talent“ ihrer Zeit gewesen ist oder ob sie bewusst propagandistisches Filmmaterial produziert hatte, wird wohl nie eindeutig geklärt werden können. Unbestritten hingegen bleibt, dass es Leni Riefenstahl gelang, ein gewaltiges künstlerisches Potential in beeindruckenden Werken umzusetzen, die heute ebenso begeistern wie vor gut 60 Jahren.
Leni Riefenstahl ist zweifelsohne eine der meist diskutierten, angefeindeten aber auch beachteten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sich von ihr ein „Bild“ zu machen, setzt neben einer großangelegten Lesetätigkeit die historische Aufarbeitung der von Leni Riefenstahl u.a. in ihren Memoiren veröffentlichten Aussagen voraus. Die immer auf ein Neues kursierenden Gerüchte über ihre Person müssen wie das von ihr propagierte Weltbild analysiert werden, indem man vergleichend ein Grundlagenwissen der Ästhetik des Films des Zeitraums 1930 bis 1950, sowie der Fotografie seit den 70er Jahren hinzuzieht.
I. Einleitung: Dieses Kapitel umreißt das Thema der Arbeit, die Vorgehensweise bei der Analyse von Zeitungsartikeln und reflektiert die methodischen Herausforderungen bei der wertfreien Auseinandersetzung mit der Person Riefenstahl.
II. Leni Riefenstahl – eine kurze Biografie: Eine chronologische Darstellung von Riefenstahls Leben, von ihren Anfängen als Tänzerin und Schauspielerin über ihre Regiekarriere während der NS-Zeit bis hin zu ihrem späteren Wirken als Fotografin.
III. Der Karriereweg der Leni Riefenstahl: Analyse der filmischen Arbeiten Riefenstahls während des Nationalsozialismus und deren Rolle als Propagandainstrumente sowie die Funktionalisierung der Künstlerin durch den NS-Staat.
IV. Das Bild Leni Riefenstahls in den bundesdeutschen Printmedien: Zentrale Analyse der Rezeptionsgeschichte, aufgeteilt in Jahrzehnte, die den Wandel der öffentlichen Wahrnehmung von den 1950er bis zum Jahr 2002 nachzeichnet.
V. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, welche die Entwicklung Riefenstahls zur „Ikone“ und den Einfluss der Medien auf die Vergangenheitsbewältigung kritisch hinterfragt.
VI. Ausblick: Überlegungen dazu, wie zukünftige Forschung und historische Aufarbeitung die Rolle von Medien bei der Beurteilung historischer Persönlichkeiten noch stärker berücksichtigen sollten.
Leni Riefenstahl, Nationalsozialismus, Medienrezeption, Propagandafilm, Vergangenheitsbewältigung, Triumph des Willens, Olympia, Mythos, Zeitungsanalyse, NS-Regime, Dokumentarfilm, Riefenstahl-Renaissance, Personenkult, Geschichtsschreibung, Erinnerungskultur.
Die Arbeit untersucht, wie sich das öffentliche Bild von Leni Riefenstahl in den bundesdeutschen Printmedien über einen Zeitraum von 60 Jahren entwickelt hat und welche Faktoren diesen medialen Prozess beeinflussten.
Neben der Biografie Riefenstahls und einer Analyse ihrer NS-Filme liegt der Fokus auf der journalistischen Aufarbeitung ihrer Rolle im Dritten Reich, ihrem späteren „Comeback“ als Fotografin und ihrer medialen Stilisierung zur Pop-Ikone.
Das Ziel ist es, die Entwicklung der Riefenstahl-Rezeption aufzuzeigen und zu verstehen, wie Journalisten und Medien die ambivalente Person Riefenstahl und ihr Erbe im Kontext der deutschen Vergangenheitsbewältigung interpretierten.
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Analyse von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln, die mithilfe von Leitfragen zu Inhalt, Form und Argumentationsführung ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Karrierewege Riefenstahls (insbesondere ihrer NS-Filme) und eine tiefgehende Untersuchung ihrer medialen Darstellung über die Jahrzehnte hinweg, von den 1950er Jahren bis zur Jahrtausendwende.
Begriffe wie Riefenstahl-Renaissance, Propagandafilm, Vergangenheitsbewältigung, Mediale Konstruktion und Mythosbildung stehen im Zentrum der Untersuchung.
Diese Differenzierung hilft zu verstehen, wie Riefenstahl ihre Arbeit in den Parteitagsfilmen (als Auftragswerk für das Regime) von ihren Olympia-Filmen abgrenzte, um ihre Rolle als Künstlerin und nicht als bloße Propagandistin zu betonen.
Die Selbstinszenierung Riefenstahls als gebrechliche, aber vitale „alte Dame“ diente in den 90er Jahren und danach dazu, bei Journalisten Respekt zu erzeugen und kritische Fragen zu ihrer NS-Vergangenheit durch ein „Mitleidsmoment“ abzuwehren.
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