Magisterarbeit, 2007
94 Seiten, Note: 1,7
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
0 EINLEITUNG
1 GRUNDLAGEN: „TRIP AUF DER GEISTERBAHN DER IDENTITÄT“
1.1 ANNÄHERUNG AN DEN IDENTITÄTSBEGRIFF
1.2 KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN
1.2.1 PERSONALE IDENTITÄT
1.2.2 SOZIALE IDENTITÄT
1.2.3 KOLLEKTIVE IDENTITÄT
2 EUROPÄISCHE IDENTITÄT
2.1 THEORETISCHES SPEKTRUM
2.1.1 EUROPÄISCHE IDENTITÄT AUS DER „MOTTENKISTE DER GESCHICHTE“
2.1.2 KONSTRUKTION EUROPÄISCHER HISTORIE
2.1.3 DISKURSTHEORETISCHER ABSOLUTISMUS
2.1.4 POLITISCH-INSTITUTIONELLE ORDNUNG ALS BASIS
2.1.5 EUROPA ALS WERTEGEMEINSCHAFT
2.1.5.1 Universalität der Werte und Partikularität der europäischen Identität
2.1.5.2 Werte, Emotionen und europäische Identität
2.1.6 EUROPA ALS WIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT
2.1.7 EUROPA UND DIE »ANDEREN«
2.1.7.1 Gegenidentität Islam
2.2 ZUSAMMENFASSUNG UND KRITIK
3 KOMPARATIVE MEDIENANALYSE ALS ANSATZ DER IDENTITÄTSFORSCHUNG
3.1 KONZEPTION DER UNTERSUCHUNG UND HYPOTHESEN
3.2 HINTERGRÜNDE UND ENTSTEHUNG DES KARIKATURENSTREITS
3.3 PROFILE DER MEDIEN: FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG / THE TIMES
3.4 UNTERSUCHUNGSMETHODE
3.5 KATEGORIENSYSTEM
3.6 GRUNDGESAMTHEIT, ANALYSE- UND CODIEREINHEITEN
4 ERGEBNISSE DER MEDIENANALYSE UND AUSWERTUNG
4.1 ALLGEMEINE IDENTIFIKATIONSKENNZAHLEN
4.2 EUROPÄISCHE IDENTITÄTSKERNE
4.3 POLITISCHE WERTE
4.3.1 FREIHEITSRECHTE
4.3.2 QUALITATIVE STRUKTURANALYSE
4.3.3 ZWISCHENZUSAMMENFASSUNG
4.4 SOZIALE WERTE
4.4.1 QUALITATIVE STRUKTURANALYSE
4.4.2 ZWISCHENZUSAMMENFASSUNG
4.5 ÖKONOMIE
4.5.1 QUALITATIVE STRUKTURANALYSE
4.6 GEGENIDENTITÄT ISLAM
4.6.1 QUALITATIVE STRUKTURANALYSE
4.6.2 ZWISCHENZUSAMMENFASSUNG
5 RESÜMEE
Die Arbeit untersucht die Rekonstruktion europäischer Identität in den Medien anhand des Diskurses über die Mohammed-Karikaturen im Februar 2006. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob und wie sich durch die mediale Berichterstattung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Times europäische Identitätskerne identifizieren lassen, um zu prüfen, inwieweit die Europäische Union als Wertegemeinschaft wahrgenommen wird.
2.1.1 Europäische Identität aus der „Mottenkiste der Geschichte“
„Seit jeher, und heute mehr denn je, habe ich gespürt, was doch die Nationen, die Europa bevölkern, gemeinsam haben. Alle sind von derselben weißen Rasse, derselben christlichen Herkunft, derselben Lebensart; seit eh und je einander verbunden durch ungezählte Bande des Denkens, der Kunst, der Wissenschaft, der Politik, des Handelns; und so entspricht es ihrer Natur, dass sie ein ganzes werden, das in dieser Welt seinen Charakter und seine Gestalt findet“ (Gaulle 1971, S. 440).
Die Aussage Charles de Gaulles steht exemplarisch für eine obsolete, aber noch immer tief im Bewusstsein vieler Theoretiker verankerte Grundauffassung, die von der objektiven Existenz und Rekonstruierbarkeit eines gemeinsamen europäischen Fundaments aus Geschichte und Kultur ausgeht (Joas/Wiegandt 2005, Seibt 2005, Thiede 2005, Kocka 2002). Aus gewissermaßen historisch-substantialistischer Perspektive behaupten Vertreter dieser Position, dass Europa „genuin europäische Traditionen von Werten, Erfahrungen, Methoden und Einrichtungen“ sowie einen „European way Dinge zu tun“ besitzt (Hettlage/Müller 2006, S. 15).
Die meisten Vertreter des historischen Ansatzes beschreiben die klassische Antike als Kern europäischer Tradition. Im Mittelpunkt steht dabei die Befreiung aus der Befangenheit im magischen Denken. Die Griechen begannen mit der Entzauberung der Welt und ebneten damit den Weg für den Übergang vom Mythos zum Logos. Mit dem Höhlengleichnis in Platons Politeia ist die erste Phase der Aufklärung fixiert. Ferner wird mit der griechischen Antike der Beginn der Staatsphilosophie und des wissenschaftlichen Denkens verbunden (Weidenfeld 1985, S. 14 f., Löwenthal 1985, S. 43f.). Adolf Muschg sieht in dieser Epoche die Geburt des politischen Diskurses des Abendlandes (vgl. Muschg 2005, S. 26). Die Bedeutung des antiken Roms für das heutige Europa wird an der Verbreitung der lateinischen Sprache und der „artes liberales“ festgemacht. Die Übermittlung der „artes liberales“ wird als prägend für die Grundstruktur europäischen Denkens und als Grundlage für die Entwicklung der modernen Geisteswissenschaften bezeichnet.
0 EINLEITUNG: Einführung in die Problematik europäischer Identität und Vorstellung der empirischen Forschungsabsicht anhand des Karikaturenstreits.
1 GRUNDLAGEN: „TRIP AUF DER GEISTERBAHN DER IDENTITÄT“: Auseinandersetzung mit der Mehrdimensionalität und den theoretischen Konzepten des Identitätsbegriffs.
2 EUROPÄISCHE IDENTITÄT: Analyse der theoretischen Positionen und Konstruktionsversuche von europäischer Identität.
3 KOMPARATIVE MEDIENANALYSE ALS ANSATZ DER IDENTITÄTSFORSCHUNG: Darlegung des Forschungsdesigns, der Hypothesen sowie der methodischen Vorgehensweise der komparativen Medienanalyse.
4 ERGEBNISSE DER MEDIENANALYSE UND AUSWERTUNG: Präsentation und Interpretation der empirischen Befunde aus der Analyse von FAZ und Times.
5 RESÜMEE: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund der Identitätsforschung.
Europäische Identität, Identitätsforschung, Mohammed-Karikaturen, Politische Werte, Soziale Werte, Medienanalyse, Diskurs, Konstruktivismus, Europäische Union, Wertegemeinschaft, Gegenidentität Islam, Pressefreiheit, Pluralismus, Solidarität, Säkularisation.
Die Arbeit untersucht die Rekonstruktion europäischer Identität durch den Diskurs über die Mohammed-Karikaturen von 2006 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Times.
Die Schwerpunkte liegen auf politischen und sozialen Werten sowie der Konstruktion von Europa als Wertegemeinschaft und deren Abgrenzung durch eine Gegenidentität (Islam).
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass sich durch die Analyse medialer Diskurse in Krisenzeiten Kernpunkte einer europäischen Identität rekonstruieren lassen.
Die Arbeit verwendet eine komparative, inhaltsanalytische Methode, die sich aus einer quantitativen Frequenzanalyse und einer qualitativen Strukturanalyse zusammensetzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Identitätsbegriffs sowie die empirische Auswertung des Karikaturenstreits anhand eines eigens entwickelten Kategoriensystems.
Zentrale Begriffe sind Europäische Identität, Medienanalyse, Politische Werte, Wertegemeinschaft, Gegenidentität Islam und Konstruktivismus.
Die Auswahl erfolgte aufgrund der Mitgliedschaft in EU-Staaten mit konträren europapolitischen Einstellungen, um einen repräsentativen Vergleich für die europäische Identitätskonstruktion zu ermöglichen.
Der Islam wird als ein (negatives) Kontrastbild genutzt, welches durch die Abgrenzung von "europäischen Werten" wie Säkularisation und Pressefreiheit zur Stärkung eines europäischen Wir-Gefühls beiträgt.
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