Magisterarbeit, 2007
109 Seiten, Note: 1,0
1 Was ist Schulleistung?
1.1 Die Mehrdimensionalität des Schulleistungsbegriffs
1.2 Die Zweideutigkeit von ›Schulleistung‹
1.3 Zur Geschichte der Schulleistung
2 Zur Theorie der Bildungsungleichheit
2.1 Das Referenzmodell: die ›Meritokratie‹
2.2 Bourdieus ›Kapital‹ und ›Habitus‹
2.3 Boudons ›Herkunftseffekte‹
2.4 Das Bourdieu-Boudon-Paradigma
2.5 Probleme und Desiderate
3 Bronfenbrenners Modell der menschlichen Entwicklung
3.1 Anlage und Umwelt
3.2 Die Ökologie der menschlichen Entwicklung
3.3 Das bio-ökologische Modell des Entwicklungsprozesses
3.4 Proximale Prozesse
3.5 Operationalisierung des bio-ökologischen Modells
3.6 Zusammenfassung und Ausblick: Bronfenbrenners bio ökologisches Modell als Theorie proximaler Prozesse
4 Empirische Überprüfung des bio-ökologischen Modells
4.1 Problemstellung
4.1.1 Forschungsstand
4.1.2 Ableitung von Forschungshypothesen
4.2 Statistische Verfahren
4.2.1 Umgang mit fehlenden Werten
4.2.2 Analysemethode
4.2.3 Zentrierung der Prädiktorvariablen
4.2.4 Mögliche Wirkungen von Interaktionseffekten
4.3 IGS Göttingen-Geismar
4.3.1 Stichprobe und Instrumente
4.3.2 Ergebnisse
4.3.3 Zusammenfassung
4.4 PISA-Studie
4.4.1 Stichprobe und Instrumente
4.4.2 Ergebnisse
4.4.3 Zusammenfassung
4.5 Diskussion und Grenzen der Untersuchungen
5 Schluss
Die Arbeit untersucht die Bedeutung proximaler Prozesse in Elternhaus und Schule für die Schulleistung. Ziel ist es, den Wirkungszusammenhang zwischen sozialer Herkunft, familiären bzw. schulischen Interaktionsprozessen und Bildungserfolg zu klären, um das "Wie"-Rätsel der Bildungsungleichheit pädagogisch fundierter zu beantworten.
3.1 Anlage und Umwelt
Die Frage, ob „es ausschließlich Erbfaktoren sind, auf die menschliches Verhalten zurückgeführt werden muß“ (Klafki et al. 1971: 15), war nach Klafki ausdrücklich zwar erst als Reaktion auf den Einzug des Leistungsprinzips in die Schule gestellt worden (vgl. Kapitel 1.3). Sie ist aber trotzdem „von entscheidender Bedeutung für jegliche Erziehung“ (Klafki et al. 1971: 15).
„Denn Erziehung zielt auf die Entwicklung und Veränderung von Verhaltensweisen ab, und zwar durch gezielte Anordnungen von Umweltfaktoren wie Gebote und Verbote von Eltern, Besuch einer Schule, Lehrlingsausbildung in einem Betrieb usw. Wäre nun menschliches Verhalten ausschließlich durch die biologische Anlage bestimmt, dann wäre damit jede Erziehungsabsicht, die auf Veränderungen zielt, illusorisch. Allenfalls könnte Erziehung dann noch darauf einwirken, daß sich die Anlagen optimal entfalten.“ (Klafki et al. 1971: 15)
Mit anderen Worten: Erziehung – z.B. im Sinne ›schulischer Erziehung‹ – ist nur möglich, „wenn auch die Umwelt von Bedeutung für die Entwicklung menschlichen Verhaltens und menschlicher Eigenschaften ist“ (Klafki et al. 1971: 15). Dass die Frage nach dem Zusammenspiel von Anlage und Umwelt bei der Ausprägung von Verhaltensmerkmalen allerdings nicht ohne weiteres zu beantworten ist, lässt sich plakativ an Tierversuchen mit Ratten zeigen, wie sie von Tryon (1940) und Cooper & Zubek (1958) durchgeführt worden sind.
1 Was ist Schulleistung?: Dieses Kapitel beleuchtet die Mehrdimensionalität und die Zweideutigkeit des Schulleistungsbegriffs sowie dessen historische Genese als gesellschaftliches Instrument.
2 Zur Theorie der Bildungsungleichheit: Hier werden die meritokratischen Grundlagen hinterfragt und mit den soziologischen Ansätzen von Bourdieu und Boudon kontrastiert, um Disparitäten als Folge von Reproduktionsprozessen zu begreifen.
3 Bronfenbrenners Modell der menschlichen Entwicklung: Das Kapitel führt das bio-ökologische Modell ein, das die Entwicklung des Menschen als wechselseitigen Prozess zwischen Anlage und Umwelt durch proximale Prozesse beschreibt.
4 Empirische Überprüfung des bio-ökologischen Modells: Dieser Teil testet das theoretische Modell anhand von Daten der IGS Göttingen-Geismar und der PISA-Studie auf seine Eignung zur Erklärung von Leistungsunterschieden.
5 Schluss: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und diskutiert die pädagogische Neubeschreibung von Bildungsungleichheit jenseits biologistischer Begabungsmodelle.
Schulleistung, Bildungsungleichheit, Meritokratie, Habitus, Kulturkapital, Bronfenbrenner, bio-ökologisches Modell, proximale Prozesse, Schulentwicklung, PISA-Studie, Erziehungspraxis, Sozialisation, Interaktionseffekte, Bildungsbeteiligung, Schulerfolg.
Die Arbeit analysiert, wie soziale Herkunft und familiäre sowie schulische Bedingungen die Schulleistung von Schülerinnen und Schülern beeinflussen, basierend auf dem Modell proximaler Prozesse.
Die zentralen Themen sind Bildungsgerechtigkeit, soziologische Theorien zu Bildungsdisparitäten, Entwicklungspsychologie und die empirische Überprüfung von Interaktionseffekten auf den Schulerfolg.
Das Ziel ist es, zu klären, wie proximale Prozesse (direkte Interaktionen) als "Motor" für die menschliche Entwicklung fungieren und warum diese Prozesse herkunftsbedingte Bildungsunterschiede verstärken oder abmildern können.
Die Arbeit nutzt theoretische Analysen soziologischer und pädagogischer Ansätze und kombiniert diese mit empirischen Methoden der moderierten multiplen Regression (MMR) zur Auswertung von Datensätzen.
Der Hauptteil behandelt die theoretische Fundierung durch Bourdieu, Boudon und Bronfenbrenner sowie die empirische Validierung durch zwei Datensätze zur Bedeutung familiärer und schulischer Lernumwelten.
Wichtige Schlüsselwörter sind Schulleistung, Bildungsungleichheit, proximale Prozesse, kulturelles Kapital und das bio-ökologische Entwicklungsmodell.
Der Autor argumentiert, dass eine reine Beschreibung von Ursachen (Was) nicht ausreicht; erst das Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen und Interaktionsprozesse (Wie) ermöglicht eine pädagogisch fundierte Einflussnahme.
Die PISA-Studie dient als umfangreiche empirische Basis, um die theoretische Annahme zu prüfen, ob ein gymnasiales Umfeld als proximaler Prozess eine ausgleichende Wirkung auf den Einfluss des familiären Hintergrunds haben kann.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

