Wissenschaftlicher Aufsatz, 1988
21 Seiten
I
II
III
IV
V
VI
Die Arbeit untersucht praktische Strategien zur Aktivierung japanischer Studenten im deutschsprachigen Literaturunterricht, um der typischen Passivität und Redescheu in einem durch das japanische Bildungssystem geprägten Umfeld entgegenzuwirken.
III
In welcher Form können wir die von uns sorgfältig ausgewählten Werke im Unterricht behandeln?
Die grundlegende Herausforderung für uns als Literaturlehrer im Ausland ist die Notwendigkeit, jederzeit im Unterricht simpelstes Deutsch zu sprechen. Das ist jüngeren Akademikern oft unmöglich und verlangt selbst erfahrenen Auslandslehrern die größte Konzentration ab. Anfangs, bis sich eine gewisse Routine eingestellt hat, müssen wir praktisch bei jedem Satz überlegen, ob wir ihn so sagen können, ob er in dieser Formulierung verstanden werden kann. Zugleich müssen wir fortwährend Augenkontakt mit den Studenten halten ("scanning"), um sicher zu stellen, dass wir verstanden wurden. Wenn wir ratlose Mienen wahrnehmen, müssen wir sofort das zuletzt Gesagte umformulieren, solange, bis wir von der Mehrheit verstanden werden. Denn ein Monologisieren ohne Schülerresonanz ist vollkommen sinnlos. Es ist nicht nur eine Zeitverschwendung für Schüler und Lehrer; es hat auch verderbliche Wirkungen: Die Studenten resignieren und "schalten ab". - Und man sollte nicht sich selbst gegenüber die faule Ausrede gebrauchen, die Studenten wurden sich schon allmählich "hineinhören", sie müssten sich an anspruchsvolleres Deutsch gewöhnen. Wie sollen sie das, wenn sie bereits "abgeschaltet" haben? Nur durch langsame Steigerung des Sprachniveaus können wir das erreichen.
Wenn ich - nach über dreißigjähriger Lehrtätigkeit im Ausland - gefragt würde, welcher Teil meiner Arbeit der mühsamste ist, müsste ich antworten: die Notwendigkeit, mich jederzeit auf das Sprachniveau meiner Studenten einzustellen, ohne dabei den Unterricht allzu primitiv ausfallen zu lassen. - Zugleich aber dürfen wir unsere Spontaneität und menschliche Wärme nicht verlieren! Man darf uns also die Anstrengung und Konzentration nicht anmerken. - All dies ist äußerst schwer. Extravertierten Lehrertypen fällt es meist leichter, als dem "typisch deutschen, introvertierten Gelehrten", der sich ohnehin mehr für sein Fach interessiert als für seine Studenten. -
I: Einleitung in die strukturellen und kulturellen Rahmenbedingungen des fremdsprachlichen Literaturunterrichts in Japan, insbesondere die Passivität der Studenten.
II: Diskussion über die Auswahl geeigneter literarischer Werke, die sowohl sprachlich bewältigbar als auch inhaltlich für japanische Studenten motivierend sind.
III: Darstellung konkreter didaktischer Strategien zur aktiven Gestaltung des Literaturunterrichts und zur Steuerung der Sprachnutzung.
IV: Erörterung der Gestaltung von Testen und Prüfungen, um Transparenz zu schaffen und die Arbeitsmoral der Studenten stetig zu fördern.
V: Betrachtung der Rolle der japanischen Sprache im Unterricht und der Bedeutung einer gezielten, pädagogisch motivierten Kommunikation.
VI: Reflexion über die Stellung des deutschen Lektors im japanischen Lehrkörper und die daraus resultierenden Herausforderungen bei der pädagogischen Eignung.
Literaturunterricht, Japan, Studentenbeteiligung, Fremdsprachenerwerb, Lehrmethodik, Textauswahl, Didaktik, Interkulturelle Kommunikation, Lesescheu, Motivation, Prüfungsstrategien, DAAD-Lektorat, Deutsch als Fremdsprache, Klassische Literatur, Literaturvermittlung.
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Herausforderung, japanische Studenten im Kontext des deutschsprachigen Literaturunterrichts aktiv zur Beteiligung und zum Sprechen in der Fremdsprache zu motivieren.
Zu den zentralen Themen gehören die Analyse kulturell bedingter Passivität, Kriterien für eine geeignete Textauswahl, Techniken zur Unterrichtssteuerung sowie Strategien zur motivierenden Gestaltung von Leistungsüberprüfungen.
Das Ziel ist es, Lektoren und Lehrenden an japanischen Universitäten begrenzte, aber effektive Strategien an die Hand zu geben, um die Studentenbeteiligung zu steigern und das Interesse an deutscher Literatur zu fördern.
Die Arbeit stützt sich primär auf die langjährige Erfahrung und praktische Reflexion des Autors im Ausland, kombiniert mit pädagogischen Beobachtungen zur Didaktik des Literaturunterrichts.
Im Hauptteil werden methodische Ansätze wie die notwendige Vereinfachung der Sprache durch den Lehrer, die schrittweise Einführung von Textanalysen, das aktive Korrigieren und ein durchschaubares Punktsystem zur Leistungsmessung detailliert erläutert.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Literaturunterricht, Aktivierung, Didaktik, Interkulturelle Kommunikation und Lehrermethodik charakterisiert.
Die Sprachwahl ist entscheidend, da das konsequente Sprechen in der Fremdsprache (Deutsch) – trotz des schwierigen Niveaus – die einzige Möglichkeit ist, die Studenten zur aktiven Sprachnutzung zu zwingen und die Passivität zu durchbrechen.
Der Autor empfiehlt, das Leisesprechen konsequent nicht durchgehen zu lassen, den Unterrichtsraum räumlich so zu gestalten, dass andere Studenten zwischen Lehrer und Sprechendem sitzen, und durch die Aufforderung zu lautem Sprechen eine gegenseitige Korrektur und ein gemeinsames Lernen zu ermöglichen.
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