Masterarbeit, 2007
113 Seiten, Note: 1,5
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Fragestellung
4. Methodik
5. Der nationalsozialistische Soldat
6. Bedingungsrealität: Staatliche Kontrolle
6.1. Organisation und Distribution
6.2. Inhaltliche und gestalterische Vorgaben
6.3. „Sieg im Westen“
7. Wirkungsrealität: Schwindende Glaubwürdigkeit
8. Filmrealität vs. Bezugsrealität: Die Macht des Faktischen
8.1. Quellenbestand und Auswahl
8.2. Krieg im Westen: Bestätigung des nationalsozialistischen Soldatenbildes
8.3. Stillstand im Winter und Panzer in Afrika
8.4. Kampf um Stalingrad
8.5. Rückzug an der Ostfront
8.6. Infanteriekampf in der Normandie
8.7. Volkssturm und letzter Kampf im Westen
9. Fazit
10. Filmprotokolle
Die Arbeit untersucht, welches Bild der deutsche Soldat in den Wochenschauen des Zweiten Weltkriegs vermittelte und inwiefern dieses Idealbild mit der tatsächlichen Kriegssituation korrespondierte. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob und wie der Kriegsverlauf die propagandistische Darstellung des "Mustersoldaten" beeinflusste und ab wann eine Diskrepanz zwischen Wunschvorstellung und Realität für die Zuschauer erkennbar wurde.
8.3. Stillstand im Winter und Panzer in Afrika
Ein gutes Jahr nach der Premiere von „Sieg im Westen“ zeigte sich in der Wochenschau schon ein ganz anderes Bild vom Leben an der Front. Am 22. Juni 1941 hatte Deutschland Russland angegriffen. Nach riesigen Raumgewinnen zu Beginn war die deutsche Offensive im russischen Winter stecken geblieben. Am 5. Dezember startete die erste russische Gegenoffensive. In den Wochenschauen zu Jahresbeginn 1942 war ausführlich über die Sammlung von Winterkleidern für Soldaten an der Ostfront berichtet worden und es konnte kein Zweifel bestehen, dass die Truppen im nördlichen und östlichen Winter harte Zeiten durchzustehen hatten. Die Wochenschau 599 vom 25. Februar 1942 begann mit einer Rede Hitlers vor Offiziersanwärtern und einer Rückblende auf deren Ausbildung. Unmittelbar darauf folgte ein Bericht von der finnischen Front in Ostkarelien. Vorgerückt wird im Schritttempo mit Hilfe von Pferdegespannen, was sichtlich mühsam ist. Scheinbar in kleinen Gruppen bewegen sich die Soldaten vorwärts, eine hinter ein Pferd gespannte Feldküche kippt um und muss aufgerichtet werden, bevor es weitergehen kann. Als Soldaten einen vereisten Fluss überqueren wollen, warnt sie die Off-Stimme: „Tempo zulegen, der Feind kann den Übergang einsehen!“ Das Offensichtliche wird sogar noch verbalisiert: „Das Vorrücken durch die tief verschneiten Wälder verlangt Härte und Zähigkeit.“ Der Unterschied zum Sturmlauf, der den Zuschauern nur ein Jahr zuvor gezeigt wurde, ist radikal: Während bei „Sieg im Westen“ designierte Ziele innerhalb kürzester Zeit erstürmt wurden, herrscht hier offensichtlicher Stillstand, in Frankreich waren riesige Organisationen damit beschäftigt, mit den vorrückenden Truppen mitzuhalten und schafften dies nur dank dem massiven Einsatz von Lastkraftwagen, hier bereitet es bereits Mühe, mit den Pferd eine Gulaschkanone an ihren Bestimmungsort zu bringen. Das Biwak findet, wie die Offstimme sagt, bei minus 30 Grad statt. Am offenen Feuer sitzen die Soldaten im Kreis und wärmen sich die Hände, ein paar legen sich an Ort und Stelle zum Schlafen hin. „Nach schweren Strapazen ein kurzer Schlaf“ sagt die Off-Stimme dazu lapidar und man stellt sich unwillkürlich die Frage: Wie schwer müssen die Strapazen gewesen sein, damit ein Soldat im Freien ohne Schlafsack und Handschuhe bei minus 30 Grad einschlafen kann?
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung der Wochenschau als Propagandainstrument und Darstellung der Zielsetzung der Untersuchung.
2. Forschungsstand: Überblick über die bisherige filmhistorische und geschichtswissenschaftliche Literatur zur nationalsozialistischen Filmpolitik.
3. Fragestellung: Definition des Erkenntnisinteresses hinsichtlich der Abweichungen zwischen Soldatenbild und Realität.
4. Methodik: Erläuterung des systemtheoretischen Ansatzes nach Helmut Korte zur Analyse der vier Realitätsebenen.
5. Der nationalsozialistische Soldat: Analyse der historischen Vorläufer und ideologischen Komponenten des Soldatentums.
6. Bedingungsrealität: Staatliche Kontrolle: Darstellung der organisatorischen Strukturen und inhaltlichen Vorgaben durch das RMVP.
7. Wirkungsrealität: Schwindende Glaubwürdigkeit: Untersuchung der zeitgenössischen Rezeption und des zunehmenden Vertrauensverlusts in die Propaganda.
8. Filmrealität vs. Bezugsrealität: Die Macht des Faktischen: Empirische Analyse ausgewählter Beiträge im direkten Abgleich mit dem Kriegsverlauf.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der propagandistischen Wirksamkeit unter Berücksichtigung der Kriegslage.
Wochenschau, Propaganda, Zweiter Weltkrieg, Soldatenbild, Wehrmacht, Nationalsozialismus, Filmrealität, Bezugsrealität, Kameradschaft, Volksgemeinschaft, Goebbels, Filmpropaganda, Ostfront, Volkssturm, Kriegswochenschau
Die Arbeit analysiert die Darstellung deutscher Soldaten in der "Deutschen Wochenschau" während des Zweiten Weltkriegs und hinterfragt, wie ein ideales Bild des "Mustersoldaten" gegenüber der frontalen Realität konstruiert wurde.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die ideologische Aufladung des Soldatentums, die staatliche Kontrolle der Filmproduktion, die Bedeutung von Kameradschaft und die Entwicklung der Wochenschau in verschiedenen Phasen des Kriegs.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie sich die Diskrepanz zwischen dem propagandistischen Anspruch an den Soldaten und der tatsächlichen Kriegssituation im Laufe der Zeit entwickelte und die Glaubwürdigkeit des Mediums beeinflusste.
Die Arbeit nutzt einen filmsemiologischen Ansatz nach Helmut Korte, der vier Ebenen berücksichtigt: Bedingungsrealität, Bezugsrealität, Filmrealität und Wirkungsrealität.
Der Hauptteil widmet sich dem Abgleich der Filmdarstellungen mit dem realen Kriegsgeschehen, von den frühen Erfolgen in Frankreich bis zum Einsatz des Volkssturms 1944.
Zentrale Begriffe sind Wochenschau, Propaganda, Soldatenbild, Filmrealität, Bezugsrealität, Kameradschaft und der totale Krieg.
Goebbels übte eine sehr enge, persönliche Kontrolle über die Herstellung aus, wobei er ständig versuchte, die dramaturgische Qualität der Filme zu steigern, um die Stimmung der Bevölkerung zu beeinflussen.
Dieser Film gilt als Meisterwerk der NS-Propaganda, da er exemplarisch zeigt, wie militärische Erfolge filmisch in das Idealbild des "nationalsozialistischen Soldaten" übersetzt wurden.
Die Zuschauer reagierten zunehmend mit Misstrauen, da die Diskrepanz zwischen dem offiziellen, siegesgewissen Ton der Wochenschau und den eigenen Informationen oder Gerüchten über die Lage in Stalingrad unüberbrückbar wurde.
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