Diplomarbeit, 2001
93 Seiten, Note: Sehr Gut
VORWORT
1. FORM
1.1 Theoretische Vorbemerkungen
1.2 Thanatos als formale Umsetzung der Konzeption der romantischen Ironie
1.3 Fiktion der Fiktion
1.4 Ironie des Fragments
1.5 Leben im Signifikanten
1.6 Selbstreferentialität in Thanatos
1.7 Polyphonie
2. Exkurs: ROMANTIK, ENDSTATION AUSCHWITZ
2.1 Hegel und die romantische Ironie
2.2 Georg Lukács Kritik an der deutschen Romantik
2.3 Carl Schmitts Kritik an der deutschen Romantik
2.4 Deutsche Romantik und Hollywood
3. DIE APORIEN DES KONRAD JOHANSER
3.1 Der Weg in die Bilder
3.2 Das Zauberzelt
3.3 Benjamins moderner Allegoriker
3.4 Anna, das Projekt/Objekt des Großprojektors
3.5 Die Revision
3.6 Das Idyll
3.7 Natur und Schluss
Die Arbeit untersucht den Roman "Thanatos. Das schwarze Buch" von Helmut Krausser, indem sie die Strategien der Figur Konrad Ezechiel Johanser analysiert, die Kontingenz der modernen Existenz durch den Rückzug in eine idealisierte, romantisch codierte Innenwelt zu leugnen. Ziel ist es, das Scheitern dieses Versuchs sowie die fatalen Konsequenzen eines solchen radikalen Subjektivismus aufzuzeigen, der den Protagonisten letztlich zur inneren Isolation führt.
1.1 Theoretische Vorbemerkungen
Kontingenz. Es gibt keinen Weg zurück zum verlorenen Ganzen, zum unmarkierten oder formlosen, universalen oder heilen Zustand der Welt. Möglicherweise ist das, was man Ganzheit der Welt nannte und nennt, sehnsüchtige Projektion des modernen Subjekts auf vermeintlich prämodernes In-der-Welt-Sein, das nie stattgefunden hat. Das wäre das Ergebnis einer zu Ende gedachten Moderne. Sie analysierte zum einen die Welt und somit die moderne Existenz als plural, gab aber zum anderen den Traum von der Erlösung des säkularisierten Individuums auf die eine, monokausale Begründung der Existenz, die zwischen Ideologie, Rausch, Liebe/Sex, Kunst, Idylle und Arbeit oszillierte und an die Stelle der Metaphysik trat, nicht auf. Das ist ihr romantischer Teil. Anders gesagt: Wie kann das Subjekt Ganzheitliches in einer säkularisierten Welt erfahren, gibt es so etwas wie transzendente Immanenz?
Georges Bataille zum Beispiel meint ja, und spricht von der Entgrenzung des Subjekts in der Konfrontation mit dem Heiligen. Das Heilige manifestiert sich in ekstatischen Zuständen. Der Weg dorthin führt über das Opfer, Sex, Gewalt. Dort, in der Immanenz des endlichen und partikularen menschlichen Lebens, besteht für das moderne Subjekt Aussicht auf Totalität seiner Existenz, in der Ekstase, im Aufgehen im Augenblick kann der Drang nach Authentizität und Präsenz beruhigt werden, so Bataille. In diesen Momenten der Entgrenzung kommt das Ich zu sich, indem es sich preisgibt.
1. FORM: Theoretische Untersuchung der ästhetischen Struktur des Romans, insbesondere der romantischen Ironie und des Konzepts der Selbstreferentialität.
2. Exkurs: ROMANTIK, ENDSTATION AUSCHWITZ: Analyse der Romantik-Kritik durch Hegel, Lukács und Schmitt sowie deren historische Bedeutung für das Verständnis der Moderne.
3. DIE APORIEN DES KONRAD JOHANSER: Vertiefende Untersuchung der psychischen Strategien der Hauptfigur und deren Scheitern im Versuch, die Realität zu negieren.
Helmut Krausser, Thanatos. Das schwarze Buch, romantische Ironie, Subjektivität, Kontingenz, Moderne, Literaturtheorie, Romantik, Identität, Allegorie, Kulturindustrie, Entfremdung, Sehnsucht.
Die Arbeit analysiert Helmut Kraussers Roman "Thanatos. Das schwarze Buch" und untersucht, wie der Protagonist Konrad Ezechiel Johanser versucht, seine subjektive Realität durch den Rückzug in Literatur und romantische Ideale zu bestimmen.
Im Zentrum stehen die romantische Ironie, die theoretische Kritik an der deutschen Romantik, das Konzept der modernen Subjektivität sowie die Auseinandersetzung mit der Kulturindustrie.
Das primäre Ziel ist es, die Fatalität des Versuchs zu illustrieren, die Kontingenz der Moderne durch eine Flucht in eine hermetisch abgeriegelte, ästhetisch überhöhte Innenwelt zu leugnen.
Die Arbeit verwendet literaturtheoretische Analysen, gestützt auf philosophische und kulturwissenschaftliche Ansätze, insbesondere unter Rückgriff auf Luhmann, Schlegel, Adorno und Bataille.
Der Hauptteil gliedert sich in eine formale Analyse der Romanstruktur, einen Exkurs zur Romantik-Rezeption und eine tiefgehende Untersuchung der "Aporien" des Protagonisten Konrad Johanser.
Neben dem Autorennamen und Romantitel sind Begriffe wie romantische Ironie, Kontingenz, Subjektivität und Entfremdung zentral für das Verständnis der Argumentation.
Johanser scheitert, weil er den entscheidenden Fehler begeht, Literatur und Leben zu verwechseln; er versucht, sein psychisches System wie einen Text zu behandeln, was in einer totalen, isolierten Innerlichkeit endet.
Anna fungiert für Johanser als "Projektionsfläche" oder "Katalysator" einer romantischen Erlösungsfiktion, wodurch sie als reale Person entmenschlicht und zur reinen, kontrollierbaren Imagination degradiert wird.
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