Forschungsarbeit, 2002
26 Seiten
1. Verlauf des Studienprojekts
2. Kurzer geschichtlicher Abriss zur Entwicklung Südtirols nach 1918
3. Die drei Sprachgruppen in Südtirol – Nähe oder Distanz?
4. Die wichtigsten Themenkomplexe im aktuellen politischen Diskurs Südtirols
4.1 Der Artikel 19 des Autonomiestatuts
4.2 Zweitspracherwerb und Immersion
4.3 Von der Zweisprachigkeit zur Mehrsprachigkeit
4.4 Die Zweisprachigkeitsprüfung
4.5 Der ethnische Proporz
4.6 Die Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung
4.7 Der Streit um die Toponomastik und das Siegesdenkmal
4.8 Das „Unbehagen“ der italienischsprachigen Bevölkerung
4.9 Zur Situation der deutschen, italienischen und ladinischen Sprache in Südtriol
5. Weitreichende Auswirkungen der Mehrsprachigkeit
Die Arbeit untersucht die spezifischen traditionellen, dauerhaften sowie aktuellen Problemkomplexe in der Autonomen Provinz Südtirol, die aus dem Zusammenleben verschiedener Sprachgruppen und den damit verbundenen politischen Entscheidungen resultieren, und beleuchtet deren Hintergründe für ein besseres Verständnis.
1. Verlauf des Studienprojekts
“L’Alto Adige è una terra piena di contraddizioni.”
Die oft vorzufindende Auffassung, in bi- bzw. multilingualen Gebieten müsse sozusagen von vornherein und ganz selbstverständlich Zwei-/Mehrsprachigkeit unter der Bevölkerung herrschen, ist unzutreffend. Dies wird beispielsweise an den vielfältigen Diskussionen zum Thema Sprache und den ungelösten Problemen des Zusammenlebens und zusammen Lernens im dreisprachigen Südtirol deutlich und ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass solche Gebiete ja historisch nicht zur Förderung von Mehrsprachigkeit geschaffen wurden, sondern um Minderheiten zu schützen bzw. den Gebrauch und somit das Überleben deren Sprache in einer bestimmten Nation, Region oder Provinz zu gewährleisten. Da aus dem Zusammen- bzw. vielleicht auch lediglichem Nebeneinanderleben verschiedener Sprachgruppen nicht zwangsläufig das reziproke Erlernen des Idioms des Nachbarn folgt, kann es durchaus in einsprachigen Gebieten einen höheren Anteil an multilingualen Bewohnern geben als in zahlreichen sogenannten mehrsprachigen Gebieten. Abgesehen davon, dass die zunächst rein physische Nähe verschiedener Ethnien per se noch keine Garantie für das Erlernen der Sprache des „anderen“, „Fremden“ sein kann, folgt aus ihr auch nicht zwangsläufig das aktive Bemühen um ein gelungenes Zusammenleben und ein kreatives Miteinander. Dies gilt grundsätzlich für die frankophone Provinz Québec im anglophonen Kanada ebenso wie für die deutsch- und ladinischsprachige Minderheit in Südtirol oder etwa die baskische und katalanische Minderheit in Frankreich und Spanien, wenn auch vielleicht in einem jeweils individuell unterschiedlichen Ausmaß.
1. Verlauf des Studienprojekts: Diese Einleitung skizziert die Problematik des Zusammenlebens in mehrsprachigen Gebieten und definiert das Ziel der Arbeit, spezifische Südtiroler Problemkomplexe zu beleuchten.
2. Kurzer geschichtlicher Abriss zur Entwicklung Südtirols nach 1918: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick, von der Angliederung an Italien über den Faschismus bis hin zur Erlangung des Autonomiestatuts.
3. Die drei Sprachgruppen in Südtirol – Nähe oder Distanz?: Hier wird die Siedlungsstruktur und die soziolinguistische Situation der deutschen, italienischen und ladinischen Sprachgruppe in Südtirol analysiert.
4. Die wichtigsten Themenkomplexe im aktuellen politischen Diskurs Südtirols: Dieser Abschnitt erörtert detailliert zentrale Konfliktfelder wie Schule, Zweisprachigkeitsprüfung, ethnischen Proporz und Identitätssymbole.
5. Weitreichende Auswirkungen der Mehrsprachigkeit: Das Fazit weist auf fortwährende Konsequenzen hin, die sich aus der konsequenten Umsetzung der sprachlichen Symmetrie in verschiedenen Lebensbereichen ergeben.
Südtirol, Sprachgruppen, Mehrsprachigkeit, Autonomiestatut, Identität, Zweisprachigkeit, Minderheitenschutz, ethnischer Proporz, Schule, Sprachpolitik, Toponomastik, Siedlungsstruktur, Zusammenleben, Italienisch, Deutsch
Die Arbeit beschäftigt sich mit den dauerhaften und aktuellen politischen und gesellschaftlichen Problemen, die durch das Zusammenleben verschiedener Sprachgruppen in Südtirol entstehen.
Im Zentrum stehen die Auswirkungen der Geschichte auf das heutige Miteinander, die sprachliche Situation, bildungspolitische Fragen sowie die ethnische Aufteilung in der Provinz.
Das Ziel ist es, die für Südtirol spezifischen Problemkomplexe und Diskussionspunkte aufzuzeigen und diese durch die Auseinandersetzung mit notwendigen historischen und politischen Hintergründen verständlich zu machen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie auf Experteninterviews mit Vertretern verschiedener Südtiroler Ämter und Institutionen, die im Sommer 2002 in Bozen geführt wurden.
Der Hauptteil analysiert spezifische Themenbereiche, darunter das Autonomiestatut, das getrennte Schulsystem, die Zweisprachigkeitsprüfung, den ethnischen Proporz und die symbolische Bedeutung der Toponomastik.
Die wichtigsten Schlagworte sind Südtirol, Mehrsprachigkeit, Autonomiestatut, Minderheitenschutz, Sprachgruppen und Identität.
Sprache dient in Südtirol als wesentliches Merkmal für ethnische Identität und Gruppenzugehörigkeit; politische Entscheidungen zur Sprachregelung werden daher häufig als Eingriff in den Schutz der Minderheit interpretiert.
Der Proporz regelt die Verteilung von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst und sozialen Wohnbau nach der Stärke der Sprachgruppen, um historische Ungleichgewichte auszugleichen, steht aber wegen seiner starren Einordnung in der Kritik.
Das Unbehagen resultiert daraus, dass die italienischsprachige Bevölkerung, obwohl sie im italienischen Gesamtstaat die Mehrheit bildet, innerhalb der Autonomen Provinz Südtirol zur Minderheit geworden ist.
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