Magisterarbeit, 2003
138 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Die Situation der Schauspieler in Europa
1.1 Arbeitsverbot im Heimatland
1.2 Ausweichen auf andere europäische Länder
1.3 Emigrantenwellen
1.4 Ausbruch des Krieges
1.5 Flucht durch Europa
1.6 Flucht nach Amerika
1.7 Affidavits
2. Die Situation in den USA
2.1 Isolationisten versus Interventionisten
2.2 Hollywoods Geschäfte mit den Nazis
2.3 Nye-Ausschuß
2.4 Office of War Information
2.5 European Film Fund
3. Die deutschsprachigen Schauspieler im amerikanischen Exil
3.1 Emigration nach 1933
3.2 Emigration nach 1939
3.3 Arbeitsmöglichkeiten
3.4 Ungewohntes Studiosystem in Hollywood
3.5 Sprachschwierigkeiten
4. Deutschsprachige Schauspieler in den Anti-Nazi-Filmen
4.1 Arbeitsfeld
4.1.1 accent roles
4.1.2 Rollen als Nazis oder deren Opfer
4.1.3 Rollenklischees
4.2 Beruf: Nebendarsteller
4.2.1 Character Actor
4.2.2 Supporting Actor
4.2.3 Bit
4.2.4 Extra
4.3 Die Personen
4.3.1 Felix Basch
4.3.2 Frederick Giermann
4.3.3 Faye Wall
4.3.4 Felix Bressart
4.3.5 Helmut Dantine
4.3.6 Ludwig Donath
4.3.7 Poldy Dur
4.3.8 Alexander Granach
4.3.9 Ilka Grüning
4.3.10 Lotte Palfi
4.3.11 Otto Reichow
4.3.12 Lionel Royce
4.3.13 Richard Ryen
4.3.14 Reinhold Schünzel
4.3.15 Ludwig Stössel
4.3.16 Helene Thimig
4.3.17 Gisela Werbezirk
5. Die Anti-Nazi-Filme
5.1 Anti-Nazi-Filme bis 1941
5.2 Anti-Nazi-Filme nach 1941
5.3 Das Deutschlandbild in den Anti-Nazi-Filmen
5.4 Filme zwischen Realität und Künstlichkeit
5.5 Genrefilme mit Nazithematik
5.6 Die Filme
5.6.1 ABOVE SUSPICION
5.6.2 THE CROSS OF LORRAINE
5.6.3 DESPERATE JOURNEY
5.6.4 EDGE OF DARKNESS
5.6.5 ESCAPE
5.6.6 HITLER - DEAD OR ALIVE
5.6.7 THE HITLER GANG
5.6.8 HOSTAGES
5.6.9 HOTEL BERLIN
5.6.10 ONCE UPON A HONEYMOON
5.6.11 THE SEVENTH CROSS
5.6.12 SO ENDS OUR NIGHT
6. Epilog
6.1 Kriegsende
6.2 Rückkehr
6.3 A FOREIGN AFFAIR
Die Arbeit untersucht das Schicksal deutschsprachiger Filmschauspieler, die vor dem Nationalsozialismus in das amerikanische Exil flüchteten. Dabei wird analysiert, wie diese Schauspieler trotz Sprachbarrieren und Stereotypisierung in Hollywoods Anti-Nazi-Filmen als Nebendarsteller oder in Kleinstrollen tätig wurden und welche Bedingungen ihr Arbeitsleben prägten.
4.1.1 accent roles
Nach Kriegsbeginn wandelte sich die Begrifflichkeit der 'accent roles' vom Europäer allgemein hin zu einer Kategorisierung als 'Deutscher', was immer auch gleichzeitig eine politische Bedeutung hatte. Für die Exilschauspieler gab es deswegen kaum noch Rollen außerhalb der Anti-Nazi-Filme, die für sie oft zum letzten Refugium wurden:
Dozens of faces familiar from the pre-war Continental stage and screen turned up again in unwonted surroundings, often speaking thickly accented and ungrammatical English. Some of the former leading lights of the Berlin theatre found themselves playing, not Shakespeare or Ibsen, but Nazi officers or partisan leaders, and in John Farrow's 'The Hitler Gang' refugee actors impersonated many of the men responsible for their refugee status.
Dabei wurde nicht selten bereits bei der Besetzung der Rollen eine Typisierung über den Akzent vorgenommen. Die Helden sprachen akzentfreies Englisch, während die Bösen einen deutschen Akzent hatten, wodurch deren Rolle von vornherein als negativ oder zumindest ambivalent gekennzeichnet war. Es gab auch gute Deutsche mit Akzent, die mußten aber erst durch Taten beweisen, daß sie bereit waren, für die Sache und den Helden zu sterben. Eine differenziertere Herangehensweise im Umgang mit Akzentrollen blieb die Ausnahme. Gemünden verwies auf die Rolle von Heydrich in HITLER'S MADMAN (1943), sowie auf den von Fritz Lang* realisierten Film HANGMEN ALSO DIE! (1943):
Having a native speaker of English who resembles Heydrich play the role establishes in the viewer a more pressing sense of immediacy, and hence a greater necessity to act. In the Lang and Brecht film the identifications handled somewhat differently. For Lang, it was the Czechs who had to be free of accents. In Lang's idiom, they had to speak like 'middle Americans', while the Germans had to be marked by their accent as foreigners and intruders.
Einleitung: Die Arbeit thematisiert die oft ignorierten Schicksale emigrierter Schauspieler in Hollywood, die in Anti-Nazi-Filmen meist nur Nebenrollen erhielten.
1. Die Situation der Schauspieler in Europa: Dieses Kapitel behandelt die zunehmende Ausgrenzung jüdischer und politisch unerwünschter Filmschaffender im Dritten Reich, die Fluchtbewegungen und die erschwerten Bedingungen in den Exilländern.
2. Die Situation in den USA: Die Analyse beleuchtet das politische Klima in den USA, das Hollywood-Studiosystem, die Rolle der Zensur (Hays Code) und die Arbeit des European Film Fund für bedürftige Emigranten.
3. Die deutschsprachigen Schauspieler im amerikanischen Exil: Hier wird der schwierige Integrationsprozess der Emigranten thematisiert, geprägt von Sprachproblemen, Statusverlust und der Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt.
4. Deutschsprachige Schauspieler in den Anti-Nazi-Filmen: Das Kapitel untersucht das spezifische Arbeitsfeld der Emigranten als "Nebendarsteller" (Character/Supporting Actors), die Typisierung durch Akzente und die Schwierigkeiten bei der Identifikation mit Nazi-Rollen.
5. Die Anti-Nazi-Filme: Die Untersuchung zeigt auf, wie das Genre der Anti-Nazi-Filme in Hollywood entstand, sich durch Propagandavorgaben entwickelte und welche Klischees und Deutschlandbilder dabei vermittelt wurden.
6. Epilog: Dieser Abschnitt zieht ein Fazit über die Rückkehr- und Exilerfahrung und verdeutlicht das Schicksal der vergessenen Generation der Filmschauspieler.
Exil, Emigration, Hollywood, Anti-Nazi-Filme, Filmschauspieler, Nebendarsteller, Propaganda, Nationalsozialismus, European Film Fund, Sprachbarrieren, Stereotypisierung, Integration, Identitätsverlust, Filmgeschichte, Flucht
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Schicksal deutschsprachiger Filmschauspieler, die vor den Nationalsozialisten fliehen mussten und versuchten, in Hollywoods Filmindustrie im Exil beruflich Fuß zu fassen.
Zentral sind die Fluchterfahrungen, der schwierige Neuanfang im Studiosystem Hollywoods, die Nutzung von Exilanten als Nebendarsteller in Anti-Nazi-Propagandafilmen und der Verlust an künstlerischem Status.
Das Ziel ist es, die vergessenen Biografien und die Arbeitsbedingungen dieser Schauspieler aufzuzeigen, die gezwungen waren, oft als Feindbilder oder Nazis in Anti-Nazi-Filmen aufzutreten.
Es wird eine film- und kulturhistorische Analyse betrieben, die auf Literaturrecherche, Dokumentenanalyse (Briefe, Zeitungsartikel) und der Sichtung sowie Interpretation ausgewählter Anti-Nazi-Filme basiert.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Lebensumstände im Exil, die Schwierigkeiten der Akzent-Rollen ("accent roles"), das Berufsbild des Nebendarstellers und die Entwicklung des Filmgenres "Anti-Nazi-Film".
Die zentralen Schlagworte sind Exil, Filmexil, Hollywood, Emigration, Anti-Nazi-Filme, Schauspielkarriere und Identität.
Der Fund war eine Hilfsorganisation von Emigranten in Hollywood, die bedürftige Flüchtlinge durch Vermittlung von Einreisevisa, Verträgen und finanziellen Darlehen bei ihrem Neuanfang unterstützte.
Neben dem Verlust ihrer Heimat und Sprache war ihr traditionelles schauspielerisches Handwerkszeug (expressives Spiel) im amerikanischen Studiosystem oft nicht gefragt, was in Kombination mit Sprachschwierigkeiten zu einer Reduktion auf stereotype Kleinstrollen führte.
Viele Schauspieler empfanden es als deprimierend, Nazis zu verkörpern, die sie in der Realität verabscheuten. Gleichzeitig boten diese Rollen eine existenzielle Notwendigkeit, da sie oft die einzige Möglichkeit waren, in Hollywood überhaupt eine Anstellung zu finden.
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