Diplomarbeit, 2005
93 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
1.1 Motiv und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Vorherrschende Strömungen in der Didaktik der beruflichen Bildung
3 Kulturhistorische Schule, Tätigkeitstheorie und Expansives Lernen
3.1 Die Kulturhistorische Schule nach Vygotskij
3.2 Tätigkeitstheorie nach Leont’ev
3.3 Expansives Lernen nach Engeström
3.3.1 Tätigkeitsdreieck als Analysemodell menschlicher Tätigkeit
3.3.2 Widersprüche als Antrieb für expansives Lernen
3.4 Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen nach tätigkeitstheoretischen Gesichtspunkten
4 Konstruktivistische Lerntheorie im Vergleich zur Tätigkeitstheorie
4.1 Konstruktivistische Gestaltung eines Lehr- und Lernprozesses
4.2 Merkmale konstruktivistischer und tätigkeitstheoretischer Unterrichtsansätze
5 Die Lernumgebung ‚LAB@FUTURE’
5.1 Beschreibung der LAB@FUTURE-Lernumgebung
5.2 Aufbau der LAB@FUTURE-Lernumgebung
5.3 Exkurs: Mixed Reality und mediale Wirklichkeitserfahrung
6 Beobachten mit der Videokamera als methodisches Vorgehen
6.1 Unterscheidung von Beobachtungsformen
6.2 Beschreibung der beobachteten Situationen
6.2.1 Berufsschule Bremen-Vegesack
6.2.2 artec-Labor Universität Bremen
6.3 Verortung und Vorgehensweise der eigenen Videoanalysen
6.4 Anpassung von Beobachtungsform und -kriterien für die eigenen Videoanalysen
6.5 Ergebnisse der Beobachtung
6.5.1 Unterrichtseinheit an der Berufsschule Bremen-Vegesack (Kontext 1)
6.5.2 Evaluation am artec-Labor der Universität Bremen (Kontext 2)
6.5.3 Vergleich von Kontext 1 und Kontext 2
7 Zusammenfassung, Diskussion und Ausblick
8 Literatur
Anhang A
A.1 Transkription Kontext 1
A.2 Transkription Kontext 2
Die Arbeit untersucht, inwieweit tätigkeitstheoretische und konstruktivistische Ansätze zur Gestaltung von Lernprozessen in der gewerblich-technischen Berufsbildung beitragen können. Im Fokus steht die Forschungsfrage, wie durch die Beobachtung von Lehr-Lern-Situationen mittels Videoanalysen beurteilt werden kann, ob Schüler zu aktiven und selbsttätigen Handlungen angeregt werden.
3.1 Die Kulturhistorische Schule nach Vygotskij
Vygotskij skizziert im Jahre 1930 ein vereinfachtes Schema, nach dem der einfache Reiz(S)- Reaktions(R)- Prozess durch einen komplexen, vermittelten Akt (X) ersetzt wird (siehe unten Abb. 2). Der direkte Impuls, auf einen Reiz (S) innerhalb eines neuen Prozesses zu reagieren (R), wird gehemmt und ein Hilfsreiz (X) eingeführt. Dieses Bindeglied zwischen Reiz und Reaktion bezeichnet Vygotskij als Reiz zweiter Ordnung, als Zeichen.
Die vermittelnden Instrumente in der menschlichen Tätigkeit unterscheidet er in Werkzeuge und Zeichen. Letztere gehören zu der umfassenderen Kategorie der „psychologischen Werkzeuge“.
Als Beispiele für psychischer Werkzeuge und aus ihnen gebildeten komplizierter Systeme zählt Vygotskij folgende auf: die Sprache, verschiedene Formen der Nummerierung und des Zählens, mnemotechnische Mittel, die algebraischen Symbole, Kunstwerke, die Schrift, Schemata, Diagramme, Karten, Zeichnungen, alle möglichen Zeichen und vieles mehr.
Wahrnehmungen, Begriffe, Werte, etc. entstehen im Prozess der subjektiven Tätigkeit und erzeugen ein inneres Abbild der äußeren gegenständlichen Tätigkeit. Das entstandene Abbild wirkt wiederum aktiv auf die Tätigkeit zurück, indem es als Orientierung in der Tätigkeit fungiert. Abbilder formen die Grundlage für Orientierung in der Welt, in welcher der Mensch tätig ist, um seine Motive und Ziele zu realisieren. Sie werden von Leont’ev als innere psychische Widerspiegelungen der aktiven Tätigkeit charakterisiert.
1 Einleitung: Vorstellung der Motivation, der Zielsetzung sowie des Aufbaus der Diplomarbeit.
2 Vorherrschende Strömungen in der Didaktik der beruflichen Bildung: Skizzierung bedeutender Ereignisse zur Entwicklung des Begriffs der beruflichen Handlungskompetenz in der berufspädagogischen Diskussion.
3 Kulturhistorische Schule, Tätigkeitstheorie und Expansives Lernen: Darstellung der theoretischen Grundlagen und Erläuterung der Konzepte Vygotskijs, Leont’evs und Engeströms zur Analyse menschlicher Tätigkeit.
4 Konstruktivistische Lerntheorie im Vergleich zur Tätigkeitstheorie: Erläuterung der konstruktivistischen Perspektive und Gegenüberstellung mit der Tätigkeitstheorie hinsichtlich ihrer Unterrichtsmerkmale.
5 Die Lernumgebung ‚LAB@FUTURE’: Beschreibung der Hard- und Softwarekomponenten sowie des didaktischen Konzepts der untersuchten multimedialen Lernumgebung.
6 Beobachten mit der Videokamera als methodisches Vorgehen: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise bei der Videoanalyse und Darstellung der untersuchten Kontexte.
7 Zusammenfassung, Diskussion und Ausblick: Reflexion der Ergebnisse der Videoanalysen, deren Bedeutung für die berufliche Handlungskompetenz sowie Anregungen für zukünftige Forschungen.
Tätigkeitstheorie, Kulturhistorische Schule, Expansives Lernen, Konstruktivismus, berufliche Handlungskompetenz, Videografie, Interaktionsanalyse, LAB@FUTURE, Mechatronik, Berufspädagogik, Lehr-Lern-Situation, Aneignungsprozess, Widerspruch, Arbeitsteilung, Mediale Lernumgebung.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Beobachtung von Lernprozessen in multimedialen Umgebungen innerhalb der gewerblich-technischen Berufsausbildung unter Anwendung tätigkeitstheoretischer Perspektiven.
Die Arbeit verknüpft Theorien der kulturhistorischen Schule, der Tätigkeitstheorie und des Konstruktivismus mit praktischen Videoanalysen in beruflichen Lernumgebungen, speziell im Bereich Mechatronik.
Ziel ist es, eine Beobachtungsperspektive zu entwickeln, die es ermöglicht, Lehr-Lern-Situationen anhand von Videoanalysen zu beurteilen und deren Qualität hinsichtlich der Anregung von Schülern zu aktiven und selbsttätigen Handlungen zu bewerten.
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf Videoanalysen und Mikroanalysen von Interaktionsprozessen basiert, welche mit der Systematik der wissenschaftlichen Beobachtung nach Atteslander kombiniert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Lerntheorien, eine Beschreibung der Lernumgebung LAB@FUTURE und die empirische Untersuchung von zwei spezifischen Unterrichtskontexten mittels Videoanalyse.
Die zentralen Konzepte sind berufliche Handlungskompetenz, das Tätigkeitsdreieck nach Engeström, die Zone der nächsten Entwicklung sowie der Einsatz von Mixed-Reality-Technologien in der Lehre.
LAB@FUTURE bietet durch die Verknüpfung realer und virtueller Arbeitsbereiche Potenziale für handlungsorientiertes Lernen, während traditioneller Unterricht oft stärker instruktionsgeleitet und rezeptiv geprägt ist.
Die Mikroanalyse zeigte, dass in Kontext 1 (Berufsschule) mehr Freiräume für aktives Handeln bestanden, während Kontext 2 (artec-Labor) stärker durch ein eng geführtes Instruktionsverhalten des Lehrers geprägt war.
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