Bachelorarbeit, 2007
41 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Fremdheit – Die Konstruktion einer Alterität
2.1 Eine Topografie des Fremden
3. Das Stereotyp – Ontologie und Potenzial
3.1 Stereotyp und Handeln
3.2 Rassismus und Stereotypen
3.3 Stereotyp und Fetischismus
4. Exotismus – Stereotyp und Konstruktion
5. Bilder aus / in der Ethnologie und Ethnografie
5.1 Wilde, Primitive und Naturvölker
6. Phantom Afrika – Bilder eines Ethnografen
6.1 Magie Afrikas – Magie in Afrika
6.2 Religion und Synkretismus
6.3 Fetische
6.4 Sexualität
7. Fetischismus und Kultur
7.1 Fetischismus und Macht
8. Nackte Tatsachen? Mapplethorpes Bilder
9. Fotografien der Wirklichkeit? – Bilder Afrikas
9.1 Beispiel: World Press Foto 2005
10. Konklusion
11. Bibliografie
Die Arbeit untersucht, wie Afrika-Bilder durch gesellschaftliche und historische Prozesse konstruiert werden, wobei der Fokus auf der Entstehung von Alterität durch eurozentristische Perspektiven liegt. Dabei wird analysiert, wie Mechanismen wie Stereotypisierung, Exotismus und Fetischisierung dazu dienen, den "Anderen" als passives Objekt zu definieren und Machtstrukturen zu legitimieren.
6.1 Magie Afrikas – Magie in Afrika
Die Irrationalität und der trotz Missionierung anhaltende Aberglaube des dunklen Kontinents findet sich im Buch ‚Phantom Afrika’ häufig wieder. Leiris erzählt von Scharlatanen, Dämonenerzählungen, Hexerei und zahlreichen rituellen Handlungen.
„Nach dem Abendessen bringt der bama Noso Dyara, eine Art komischer Scharlatan, eine Reihe von Kunststücken vor uns zur Aufführung. (...) Er benetzt die Spitze eines Messers sorgsam mit seinem Speichel und stößt es mehrmals in sein Fetischhorn; dann stellt er das dasselbe Messer senkrecht auf seine Schädelmitte, die Klinge parallel zur Gesichtsebene, und treibt es zweieinhalb Zentimeter tief in den Kopf – ohne die geringste Möglichkeit einer Täuschung. Er läßt das Messer ungefähr eine Viertelstunde so stecken. Während dieser Zeit singt er und macht allerhand Späße. Seinen messerbewehrten Schädel hält er mehreren der anwesenden Personen hin (unter anderem Griaule, Mouchet, Lutten und mir) und fordert uns auf zu versuchen, das Messer durch heftiges Schütteln herauszureißen.“ (Leiris, 1980a: 52)
1. Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Fokus auf die Konstruktion von Fremdheit und stellt die zentrale Fragestellung nach der Entstehung und Funktion von Afrika-Bildern in der Ethnografie und den Medien dar.
2. Fremdheit – Die Konstruktion einer Alterität: Dieses Kapitel definiert Fremdheit nicht als Eigenschaft, sondern als aktiven Zuschreibungsprozess, der zur Identitätsbildung und Ausgrenzung des "Anderen" dient.
2.1 Eine Topografie des Fremden: Hier werden die Ursachen der Fremdheitskonstruktion unter Einbeziehung von Eurozentrismus und der Differenzierung zwischen Eigenem und Fremdem durch Bernhard Waldenfels erläutert.
3. Das Stereotyp – Ontologie und Potenzial: Es wird die Funktionsweise von Stereotypen als ökonomische Vereinfachungsmuster vorgestellt, die unser Weltbild ordnen, aber auch zur Vorurteilsbildung führen können.
3.1 Stereotyp und Handeln: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie Stereotype als kognitiv-emotionale Faktoren menschliches Handeln beeinflussen und oft instinktive Reaktionen hervorrufen.
3.2 Rassismus und Stereotypen: Es wird analysiert, wie Stereotypisierung als Repräsentationspraxis zur Festschreibung symbolischer Grenzen und zur Rechtfertigung von Machtungleichheiten eingesetzt wird.
3.3 Stereotyp und Fetischismus: Hier wird die Bhabha'sche Definition des Stereotyps als Fetisch diskutiert, wobei die Ambivalenz des kolonialen Diskurses und die Dekonstruktion des Subjekts im Mittelpunkt stehen.
4. Exotismus – Stereotyp und Konstruktion: Das Kapitel untersucht den Exotismus als spezifisches Stereotyp und Projektionsfläche für unterdrückte Wünsche der "zivilisierten" Welt.
5. Bilder aus / in der Ethnologie und Ethnografie: Die Rolle der Ethnografen als Mittelsmänner bei der Produktion von Bildern fremder Kulturen und der damit verbundenen projektiven Verzerrung wird kritisch hinterfragt.
5.1 Wilde, Primitive und Naturvölker: Es wird die begriffsgeschichtliche Entwicklung und der pejorative Charakter der Bezeichnungen für nicht-europäische Gesellschaften in der Ethnologie thematisiert.
6. Phantom Afrika – Bilder eines Ethnografen: Die Analyse von Michel Leiris' "Phantom Afrika" dient als Fallbeispiel für eine ethnografische Arbeit, die zwischen persönlicher Erfahrung und eurozentristischem Erwartungshorizont schwankt.
6.1 Magie Afrikas – Magie in Afrika: Dieser Abschnitt zeigt, wie Leiris die als irrational wahrgenommenen magischen Praktiken und das Besessenheitsphänomen in Afrika beschreibt und bewertet.
6.2 Religion und Synkretismus: Die Mischung aus christlichen Missionierungselementen und indigenen Ritualen wird als Synkretismus analysiert, über den sich der Ethnograf teilweise ironisierend äußert.
6.3 Fetische: Es wird die Bedeutung von Amuletten und Fetisch-Objekten für die afrikanischen Stämme und deren Wahrnehmung durch den europäischen Ethnografen untersucht.
6.4 Sexualität: Hier wird die distanzierte und abwertende Wahrnehmung der afrikanischen Sexualität durch Leiris als Konstruktion von "Natur" versus "Kultur" analysiert.
7. Fetischismus und Kultur: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über verschiedene Fetischismustheorien und kritisiert den hochmütigen, kolonialen Blick der Ethnologie auf afrikanische Religionen.
7.1 Fetischismus und Macht: Es wird argumentiert, dass die Fetischisierung der Afrikaner selbst als Machtinstrument zur Unterwerfung fungierte.
8. Nackte Tatsachen? Mapplethorpes Bilder: Die Untersuchung von Robert Mapplethorpes Fotografien zeigt auf, wie der schwarze männliche Körper in der Kunst ästhetisiert und erneut als rassistischer Fetisch gerahmt wird.
9. Fotografien der Wirklichkeit? – Bilder Afrikas: Basierend auf Roland Barthes wird die vermeintliche Objektivität von Pressefotografie hinterfragt, die Afrika oft nur als hungernden, hilfsbedürftigen Kontinent darstellt.
9.1 Beispiel: World Press Foto 2005: Eine konkrete Bildanalyse des Gewinnerfotos von 2005 illustriert die Konstruktion und mediale Wirkung eines Afrika-Bildes.
10. Konklusion: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Afrika-Bilder in Grenzräumen der Kulturen entstehen und meist von Machtungleichheiten geprägt sind.
11. Bibliografie: Die Bibliografie listet die wissenschaftliche Literatur auf, die für die theoretische Fundierung der Arbeit verwendet wurde.
Afrika-Bilder, Alterität, Fremdheitskonstruktion, Stereotyp, Exotismus, Fetischismus, Ethnografie, Kolonialismus, Rassismus, Repräsentation, Mapplethorpe, Barthes, Identität, Machtdiskurs, Medienbild.
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der Frage, wie durch westliche, eurozentristische Perspektiven Bilder von Afrika konstruiert werden und welche Rolle dabei Mechanismen wie Alterität, Stereotypisierung und Fetischisierung spielen.
Zu den zentralen Themen gehören die kulturelle Konstruktion des Fremden, die Rolle der Ethnografie bei der Bildproduktion, das Konzept des Exotismus sowie die Analyse von Fotografien als Träger kolonialer Fantasien.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Afrika-Bilder keine objektiven Abbilder der Realität sind, sondern soziale Konstrukte, die Machtstrukturen und Differenzierungen zwischen dem Eigenen und dem Fremden zementieren.
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Ansätze aus der Diskursanalyse (z. B. Bhabha, Barthes, Foucault) und Fetischismustheorien nutzt, um Texte und Bildmaterialien zu dekonstruieren.
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen zu Fremdheit und Stereotypen, untersucht das Werk "Phantom Afrika" von Michel Leiris und analysiert abschließend die visuelle Fetischisierung in Mapplethorpes Fotografien sowie in aktueller Pressefotografie.
Die zentralen Schlagworte umfassen Afrika-Bilder, Alterität, Stereotyp, Fetischismus, Exotismus, Ethnografie, Rassismus und Repräsentation.
Der Fetischismus wird nicht nur auf materielle Objekte angewandt, sondern als Machtinstrument beschrieben, mit dem afrikanische Subjekte zu Objekten degradiert und durch den westlichen Blick fetischisiert werden.
Es dient als Fallbeispiel für eine außergewöhnliche, persönliche Ethnografie, an der sich die Verstrickung des Ethnografen in eurozentristische Denkweisen und seine projektiven Anteile besonders gut zeigen lassen.
Die Analyse verdeutlicht, dass selbst "objektive" Pressefotos durch den Bildausschnitt und den begleitenden Text in einen Kontext gerückt werden, der das Stereotyp eines hilfsbedürftigen, hungernden Afrikas verstärkt.
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