Examensarbeit, 2007
150 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Von der Entstehung und Bedeutungswerdung des Schlossplatzes in Berlin als zentraler Symbolort
2.1 Das Berliner Stadtschloss
2.1.1 Die Residenz der preußischen Monarchen bis zur Revolution 1918/19
2.1.2 Politisches Machtzentrum und kultureller Mittelpunkt zwischen 1919 und 1945
2.1.3 „Denkmalwerdung“** - ein Prozess zwischen der Weimarer Republik und der frühen DDR
2.1.4 Die Kriegsruine als Chance zur radikalen Neuordnung
2.1.5 Totalabriss für einen neuen Zentralen Platz
2.2 Vom Zentralen Platz zum Palast der Republik
2.2.1 Die Ost-Berliner Zentrumsplanung der DDR
2.2.2 Visionäre Neubauprojekte und realisierte Zentrumsbebauung
2.3 Der Palast der Republik
2.3.1 Antithese zum Bonner Bundestag und pragmatische Notwendigkeit
2.3.2 Großbaustelle Palast der Republik 1973 – 1976
2.3.3 Funktionalität des zentralen Mehrzweckbaus
2.3.4 „Ein Palast und seine Republik“***
2.3.5 Schließung des Palastes 1990
3 Offener Diskurs und politische Entscheidung im Rahmen einer neuen Hauptstadtplanung
3.1 Kontroversen um den Palast der Republik
3.1.1 Initiativen und Meinungen um den Palast – Pro und Kontra
3.1.2 Der Palast der Republik als Erinnerungsort und Zeugnis sozialistischer Baukultur
3.1.3 Schloss – Palast – Simulation und Zukunftshoffnungen
3.1.4 Die Mitte Berlins wird neu definiert: Das Humboldt-Forum
3.1.5 Kulturelle Zwischennutzung
3.1.6 Letzte Einsprüche und Diskussionen vor dem Rückbau
3.2 Der Rückbau des Palastes der Republik
3.2.1 Rückbauplanung und Vorbereitung der Demontage
3.2.2 Rückbauphasen und Bauabschnitte
3.3 Die Neugestaltung des Schlossplatzes
3.3.1 „Ideen für die leere Mitte von Berlin“ **** – Nutzungskonzeptionen für den Schlossplatz
3.3.2 Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses – ein neues Politikum?
4 Schlussbetrachtung
4.1 Die Bedeutung des Palastabrisses für die städtebauliche Entwicklung Berlins
4.2 Spurenbeseitigung damals wie heute: Schlosssprengung – Palastrückbau
4.3 Neuer Raum für Geschichte, Kunst und Kultur
4.4 „Vorwärts in die Vergangenheit,…“ *****
Die Arbeit untersucht den kunsthistorischen und städtebaulichen Wandel des Berliner Schlossplatzes unter besonderer Berücksichtigung des Rückbaus des Palastes der Republik. Ziel ist es, den ideologischen und funktionalen Umgang mit baukulturellem Erbe der DDR in der wiedervereinigten Hauptstadt zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen Rekonstruktion und zeitgenössischer Architektur liegt.
2.3.2 Großbaustelle Palast der Republik 1973 – 1976
Die Unternehmung „Palast der Republik“, dessen Grundsteinlegung am 2. November 1973 stattfand, stand unter der Bauleitung von Erhardt Gißke, der zum Direktor der Aufbauleitung Sonderbauvorhaben Berlin berufen wurde, und dem verantwortlichen Minister für Bauwesen, Wolfgang Junker. Generalprojektant wurde der VEB BMK Ingenieurhochbau. Im Wesentlichen war das Gebäude in drei Bauabschnitte eingeteilt: Bauteil 1 umfasst den Bereich Volkskammersaal, Bauteil 2 das große Foyer und Bauteil 3 den Bereich des Großen Saales. Bevor man jedoch mit den Aufbauten beginnen konnte, musste eine in den Boden eingelassene Grundplatte aus Beton für Stabilität sorgen. Die bautechnische Gründung des Gebäudes direkt an der Spreeuferzone zwischen Dom und Marstall war nur möglich durch eine für die erforderliche Wasserverdrängung notwenige Stahlbetonwanne. Mit den Ausschachtungsarbeiten begann man am 13. August 1973, unmittelbar nach den X. Weltfestspielen der Jugend und Studenten. Dabei wurden Reste der alten Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert freigelegt und insgesamt 205.000 Kubikmeter Erdreich „enttrümmert“; die elf Meter tiefe Baugrube (weit unterhalb der Spreesohle und dem alten Schlossfundament) umfasste eine Fläche von 180 mal 110 Metern. Sogar Einheiten der Nationalen Volksarmee sowie sowjetische Streitkräfte waren im Einsatz. Über die gemeinsame Arbeit mit den sowjetischen Soldaten berichtet ein Mitglied der Kreisleitung Bauwesen und Tiefbauarbeiter: „So unterstützten sie uns zum Beispiel bei der Bohrung der notwendig gebrauchten Sprenglöcher, damit die riesigen Schloßfundamente stückweise abgesprengt werden konnten. Außerdem halfen sie uns bei Stemm- und Schachtarbeiten.“ [Diskussionsbeitrag vom 27. Sept. 1973]. Obwohl das Ausschachten bis in den Dezember hinein dauerte, begann man im Oktober bereits mit den Gründungsarbeiten und dem Betonieren der über den gesamten Grundriss angelegten Fundamentplatte. Auf diese Grundplatte wurden zunächst die Betonwandungen von acht vertikalen Treppenkernen (Gleitkerne) sowie andere Versorgungsschächte und die Hauptstützen des Stahlskeletts errichtet.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Rückbau des Palastes der Republik und stellt ihn in den Kontext der städtebaulichen Debatten über die Berliner Mitte seit der Wiedervereinigung.
2 Von der Entstehung und Bedeutungswerdung des Schlossplatzes in Berlin als zentraler Symbolort: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese des Ortes vom kurfürstlichen Schloss bis hin zum Abriss der Ruine durch die DDR-Führung nach.
3 Offener Diskurs und politische Entscheidung im Rahmen einer neuen Hauptstadtplanung: Das Kapitel analysiert die kontroversen Debatten der neunziger Jahre, die zum Rückbau des Palastes und zu den Plänen für das Humboldt-Forum führten.
4 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung reflektiert die Bedeutung der Spurenbeseitigung für das Berliner Stadtbild und die Nachhaltigkeit der aktuellen baulichen Rekonstruktionsansätze.
5 Anhang: Der Anhang bietet eine umfassende Auflistung der verwendeten Literatur, Abbildungsquellen sowie eine Fotodokumentation des Palastrückbaus.
Palast der Republik, Berliner Stadtschloss, Rückbau, DDR-Baukultur, Schlossplatz, Humboldt-Forum, Städtebau, Hauptstadtplanung, Denkmalpflege, sozialistische Architektur, Nachkriegsmoderne, Berliner Mitte, Rekonstruktion, Architekturgeschichte, DDR-Geschichte.
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte und dem städtebaulichen Wandel des Berliner Schlossplatzes, insbesondere dem Abriss des Palastes der Republik und der Diskussion um die Neugestaltung der historischen Mitte Berlins.
Zentrale Themen sind die kunsthistorische Einordnung, der politische Entscheidungsprozess rund um den Palast, der Aspekt des Denkmalschutzes sowie die Entwicklung des Berliner Stadtzentrums in der DDR und nach der Wiedervereinigung.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie der ideologische Rückbau politisch-symbolischer Bauten der DDR, exemplarisch dargestellt am Palast der Republik, den Funktions- und Bedeutungswandel der Berliner Mitte prägt.
Die Arbeit verfolgt einen kunsthistorischen Ansatz und kombiniert eine chronologische Analyse historischer Quellen und Planungsdokumente mit einer kritischen Reflexion aktueller städtebaulicher Debatten.
Im Hauptteil werden sowohl die historische Entwicklung des Schlossplatzes als auch der komplexe Prozess der politischen Entscheidungsfindung zum Rückbau des Palastes, einschließlich der kulturellen Zwischennutzungen, eingehend untersucht.
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Palast der Republik, Berliner Stadtschloss, DDR-Baukultur, Städtebau, Denkmalpflege, Hauptstadtplanung und das Humboldt-Forum.
Die Fotodokumentation der Autorin dient als wertvolles visuelles Protokoll der Rückbauphasen und verdeutlicht den physischen Verschwindungsprozess des Palastes von 2006 bis 2007.
Die Arbeit identifiziert klare ideologische Parallelen, hebt jedoch hervor, dass die Sprengung des Schlosses 1950 ein radikalerer politischer Bruch war, während der Rückbau des Palastes unter dem Vorwand einer Asbestsanierung erfolgt.
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