Diplomarbeit, 2006
63 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Wohlfahrtstheoretische Rechtfertigung staatlicher FuT-Politik
2.1 Der „ideale Markt“ der paretianischen Wohlfahrtsökonomik
2.2 Marktversagen und seine Ursachen
2.2.1 Positive Externalitäten von FuE-Aktivitäten
2.2.2 Technologisches Wissen als öffentliches Gut
2.2.3 Unteilbarkeiten und technische Großrisiken
2.2.4 Risikoscheue, Unsicherheit und Informationsasymmetrien
2.3 Staatsversagen und seine Ursachen
2.3.1 Eigeninteressen politischer Entscheidungsträger
2.3.2 Informations- und Effizienzprobleme
2.4 Zwischenfazit
3. Kritik am Ansatz des Marktversagens und evolutorische Sicht
3.1 Allgemeine Kritik am Modell der vollständigen Konkurrenz
3.1.1 Nirwana-Vorwurf
3.1.2 Statische Natur der Analyse
3.2 Neoklassik vs. Evolutorik
3.2.1 Evolutorische Kritik an der neoklassischen Theorie
3.2.2 (Vermeintliches) Marktversagen – Neoklassik vs. Evolutorik
3.2.3 Zur Natur von Innovationsprozessen – Neoklassik vs. Evolutorik
4. Die bundesdeutsche Forschungs- und Technologiepolitik
4.1. Einführung
4.1.1. Evolution der bundesdeutschen FuT-Politik bis heute
4.1.2. Ziele der bundesdeutschen FuT-Politik
4.1.3. Wichtige Begriffe der FuT-Politik
4.2. Instrumente der bundesdeutschen FuE-Förderung
4.2.1. Projektförderung
4.2.2. Institutionelle Förderung
4.3. Niveau und Struktur der bundesdeutschen FuE-Förderung
4.3.1. FuE-Ressourcen im Überblick
4.3.2. FuE-Ausgaben des Bundes nach Förderarten
4.3.3. FuE-Ausgaben des Bundes nach Forschungsbereichen
4.4. Die Förderung von FuE in der Wirtschaft
4.4.1. Die Förderung von FuE in der Wirtschaft insgesamt
4.4.2. Die Förderung von FuE und Innovationen in KMU
4.4.2.1. Förderlinie „Innovation“
4.4.2.2. Förderlinie „Forschungskooperation“
5. Kritische Würdigung der staatlichen FuT-Politik und einzelner Maßnahmen
5.1 Die Intensität der staatlichen Einflussnahme
5.2 Ökonomische Würdigung der staatlichen FuT-Politik vor dem Hintergrund
5.1.1 ...des Marktversagensansatzes
5.1.2 ...des evolutorischen Ansatzes
5.3 Probleme selektiver FuT-Politik
5.3.1 Ökonomische Begründung selektiver FuT-politischer Maßnahmen?
5.3.2 Probleme selektiver FuT-politischer Maßnahmen
5.3.2.1 Mitnahmeeffekte
5.3.2.2 Wettbewerbsverzerrung und gesamtwirtschaftliche Flexibilitäts- und Anpassungsfähigkeitsverluste
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die theoretische Rechtfertigung sowie die praktische Ausgestaltung staatlicher Forschungs- und Technologiepolitik (FuT-Politik) in Deutschland, mit dem Ziel, die Angemessenheit staatlicher Interventionen kritisch zu evaluieren und die Diskussion um die optimale Förderung des technischen Fortschritts zu versachlichen.
2.2.2 Technologisches Wissen als öffentliches Gut
Einen Extremfall positiver externer Effekte, stellen öffentliche Güter dar. Öffentliche Güter sind durch zwei Eigenschaften gekennzeichnet: Nicht-Rivalität und Nicht-Ausschließbarkeit im Konsum (vgl. z.B. Baßeler et al. 2002, S. 45). „Nicht-Rivalität“ bedeutet dabei, dass die Nutzung des Gutes durch einen zusätzlichen Nutzer keine oder sehr geringe Grenzkosten verursacht. „Nicht-Ausschließbarkeit“ besagt, dass ein Ausschluß von Nutzern vom Konsum des Gutes nicht möglich ist. Die Argumentation, dass „technologisches Wissen“ ein öffentliches Gut ist, wird wie folgt geführt: Wurde neues Wissen einmal produziert, kann es häufig in vollem Maße, innerhalb kurzer Zeit und ohne große Kosten von jedem Individuum genutzt werden, ohne dass das Wissen sich bei einer Zunahme von Nutzern verringert (Nicht-Rivalität) und ohne dass jemand von der Nutzung ausgeschlossen werden könnte (Nicht-Ausschließbarkeit). Auf Grund der Eigenschaft der Nicht-Ausschließbarkeit wird kein ökonomisch rational handelnder Konsument bereit sein für das Gut zu bezahlen bzw. die Höhe seines individuellen Grenznutzes preiszugeben.
Diese Nutzung bei gleichzeitiger Zahlungsunwilligkeit nennt man „Trittbrettfahrerproblematik“ bzw. „Free-Rider-Problem“ (vgl. Baßeler et al. 2002, S. 45). Für den Fall, dass trotz allem eine Zahlungsbereitschaft bestünde, wäre es auf Grund der Eigenschaft der Nicht-Rivalität nicht pareto-optimal eine Gebühr für die Nutzung des Wissens zu verlangen und damit Konsumenten vom Konsum auszuschließen, da durch zusätzliche Nutzer kein zusätzlicher Ressourcenverbrauch entsteht (vgl. Klodt 1995, S. 7). Auf Grund der Nicht-Ausschließbarkeit und damit verbundener Nicht-Appropriierbarkeit von Forschungsergebnissen und deren kommerzieller Vermarktung wird kein privater Unternehmer bereit sein technologisches Wissen zu produzieren. Es kommt bei rein marktlicher Bereitstellung von technologischem Wissen folglich zu einem Marktversagen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte um die deutsche Forschungs- und Technologiepolitik ein und legt die methodische Vorgehensweise der Arbeit dar.
2. Wohlfahrtstheoretische Rechtfertigung staatlicher FuT-Politik: Dieses Kapitel erläutert die klassischen Argumente für staatliche Eingriffe in den FuE-Bereich basierend auf Marktversagen sowie mögliche Ursachen für Staatsversagen.
3. Kritik am Ansatz des Marktversagens und evolutorische Sicht: Hier wird der neoklassische Marktversagensansatz kritisch aus der Perspektive der evolutorischen Ökonomik hinterfragt und diskutiert.
4. Die bundesdeutsche Forschungs- und Technologiepolitik: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Evolution, die Ziele sowie die Instrumente und Strukturen der deutschen Forschungsförderung.
5. Kritische Würdigung der staatlichen FuT-Politik und einzelner Maßnahmen: Es erfolgt eine ökonomische Analyse und Bewertung der staatlichen Förderintensität sowie der Probleme selektiver Politikinstrumente.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der staatlichen Politik und Handlungsempfehlungen zur Stärkung eines innovationsfreundlichen Umfelds.
Forschung und Entwicklung, FuE, Technologiepolitik, Marktversagen, Staatsversagen, Evolutorische Ökonomik, Forschungsförderung, KMU, Innovationssysteme, Wissens-Spillover, Öffentliche Güter, Patentrecht, Technischer Fortschritt, Innovationsoutput, Subventionen
Die Arbeit analysiert, inwieweit staatliche Eingriffe in den Bereich der Forschung und Entwicklung (FuE) auf Basis ökonomischer Theorien gerechtfertigt sind und wie diese in Deutschland praktisch umgesetzt werden.
Zu den zentralen Themen gehören die Theorie des Marktversagens, die Kritik durch die evolutorische Ökonomik, der Überblick über die deutsche Forschungs- und Technologiepolitik sowie die Problematik selektiver Subventionen.
Das Ziel ist es, die Diskussion um eine optimale Forschungs- und Technologiepolitik zu versachlichen und aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen staatliche Maßnahmen ökonomisch sinnvoll sind.
Die Arbeit nutzt einen theoretischen wohlfahrtstheoretischen sowie evolutorischen Ansatz zur Analyse und verknüpft diese mit einer empirischen Bestandsaufnahme der deutschen Forschungsförderung.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Marktversagen vs. Evolutorik) und eine praktische Analyse der deutschen FuT-Politik, inklusive der Förderung von KMU und selektiver Maßnahmen.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind FuE-Förderung, Marktversagen, technologische Spillover, nationale Innovationssysteme, KMU und Mitnahmeeffekte.
Die Arbeit zeigt, dass KMU einen besonderen Schwerpunkt in der aktuellen deutschen Politik bilden, da sie aufgrund ihrer Größe spezifische Finanzierungs- und Risikohemmnisse bei Innovationsvorhaben aufweisen.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass staatliche Politik sich primär auf die Schaffung institutioneller Rahmenbedingungen konzentrieren sollte, statt diskriminierende Einzeltechnologien oder Branchen zu fördern.
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