Diplomarbeit, 2006
38 Seiten, Note: gut (2,15)
I. Das Leben von Markion
II. Die Lehre Markions
1. Grundgedanken der markionitischen Lehre
a. Die Ablehnung des Alten Testaments
b. Die Lehre vom fremden Gott
c. Christus
d. Eschatologie
e. Ethik
2. Der Kanon Markions
III. Die Geschichte der markionitischen Kirche
1. Die äußere Entwicklung
2. Die innere Entwicklung
IV. Die Beziehungen zwischen Markions Lehre und der Gnosis
V. Der Einfluß Markions auf die neutestamentliche Kanonbildung
Diese Arbeit untersucht Leben und Lehre Markions, um dessen Rolle bei der Entstehung des neutestamentlichen Kanons und seine Position im Verhältnis zur frühen christlichen Kirche sowie zur Gnosis kritisch zu beleuchten.
c. Christus
Christus ist die Selbstoffenbarung des guten Gottes. So wie der Schöpfergott sich durch seine Schöpfung offenbarte, so offenbarte sich der gute Gott „durch sich selbst“ in Jesus Christus.75 Da Christus als Sohn des fremden Gottes keine Beziehung zur Welt und ihrer Schöpfung haben kann, ist er nicht von einer Frau geboren worden, sondern erschien vielmehr plötzlich und ohne Ankündigung „im 15. Jahre des Tiberius“76. Vom Vater unterscheidet sich Christus freilich nur durch seinen Namen; Markion war Modalist und legte zudem Wert darauf, daß Christus sich selbst erweckt habe.77 Da Christus mit der Schöpfung und damit auch mit der Materie nichts zu tun hat, erschien er in einem Scheinleibe; Markion war also auch Doketist.78 Harnack erläutert den Doketismus Markions allerdings dahingehend, daß Doketismus im antiken Zeitalter etwas anderes als heute bedeutete, weil man die Konsequenzen, die wir ziehen zu müssen glauben, nicht zog.79 Markion stellte sich also nicht etwa vor, Christus sei gleichsam als Gespenst aufgetreten oder sein Leiden und Tod seien ein bloßes Schattenspiel gewesen, so daß er nur scheinbar gelitten habe und nur scheinbar gestorben sei, sondern daß der fremde, gute Gott als Christus in menschlicher Gestalt auftrat und sich in den Stand setzte, wie ein Mensch zu empfinden und zu leiden, obwohl die Substanz des Fleisches fehlte und die Identität mit einem fleischlichen Leibe somit nur eine scheinbare war.80
I. Das Leben von Markion: Die Einleitung widmet sich der schwierigen Quellenlage und den biografischen Eckdaten Markions, insbesondere seinem Wirken in Rom und dem Bruch mit der dortigen Gemeinde.
II. Die Lehre Markions: Dieses Kapitel expliziert das markionitische Gedankengut, angefangen bei der strikten Ablehnung des Alten Testaments bis hin zur Vorstellung eines völlig fremden, barmherzigen Gottes und den strengen asketischen Konsequenzen.
III. Die Geschichte der markionitischen Kirche: Hier wird die Ausbreitung, die innere Organisation und das langfristige Schicksal der markionitischen Gemeinden bis in den Osten des Römischen Reiches und darüber hinaus beschrieben.
IV. Die Beziehungen zwischen Markions Lehre und der Gnosis: Der Abschnitt arbeitet die Gemeinsamkeiten und fundamentalen Unterschiede zwischen Markion und zeitgenössischen gnostischen Strömungen, wie etwa dem Valentinianismus, heraus.
V. Der Einfluß Markions auf die neutestamentliche Kanonbildung: Das Schlusskapitel bewertet den Beitrag Markions zur Entstehung des offiziellen neutestamentlichen Kanons der Kirche durch den von ihm initiierten Handlungsdruck zur eigenen Kanonbildung.
Markion, Marcion, Gnosis, Demiurg, Zweigötterlehre, Neues Testament, Kanonbildung, Lukasevangelium, Apostolikon, Antithesen, christliche Apologeten, Kirchengeschichte, Doketismus, Askese, frühchristliche Häresie.
Die Arbeit behandelt die Person, die Lehre und den historischen Einfluss des frühchristlichen Denkers Markion, der im 2. Jahrhundert eine bedeutende Gegenbewegung zur entstehenden orthodoxen Kirche initiierte.
Neben einer biografischen Aufarbeitung stehen die Theologie Markions (insbesondere das Verhältnis von gutem fremden Gott und Demiurg), die Entstehung seines eigenen Bibelkanons und sein Einfluss auf die Festlegung des kirchlichen Kanons im Vordergrund.
Das Ziel ist es, Markion als eigenständige, prägende Gestalt der Kirchengeschichte zu erfassen und zu klären, wie seine Herausforderung die frühe Kirche dazu zwang, ihre eigenen theologischen und kanonischen Grundlagen zu definieren.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung der historischen Quellen, insbesondere der Schriften der Kirchenväter, die Markion kritisch entgegentraten, sowie der Forschungsliteratur (z. B. Adolf von Harnack).
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Lehre (inklusive Ethik und Eschatologie), die Geschichte der markionitischen Kirche sowie die differenzierte Abgrenzung zur Gnosis.
Markion, Gnosis, Demiurg, Kanonbildung, Antithesen und Zweigötterlehre sind die zentralen Begriffe, die das inhaltliche Profil der Arbeit bestimmen.
Obwohl er Ähnlichkeiten aufweist (z. B. Weltablehnung), zeigt die Arbeit, dass Markion aufgrund fehlender kosmologischer Spekulationen und seiner Ablehnung geheimer Überlieferungen nicht einfach der Gnosis zugeordnet werden kann.
Durch seinen Versuch, einen eigenen Kanon zu etablieren, zwang er die orthodoxe Kirche, ihrerseits den Prozess der Kanonbildung zu beschleunigen und zu systematisieren, um ihre eigene, apostolisch legitimierte Schriftenauswahl zu verteidigen.
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