Magisterarbeit, 2005
84 Seiten, Note: 2,3
Einführung
1. Wandervogel und Freideutsche Jugend im Ersten Weltkrieg
1.1 Ein Forschungsüberblick
1.2 Zur Kriegsbegeisterung
2. Wandervogelzeitschriften
2.1 Bundeszeitschriften und Gaublätter
2.2 Feldzeitschriften
2.2.1 Selbstverständnis
2.2.2 Der Krieg
2.2.3 Diskussionen
2.2.4 Produktive Arbeit
2.2.5 Kulturbetrieb
3. Kriegserzählungen
3.1 Erzählungen im Wandervogel
3.2 Wir zogen in das Feld
3.3 Der Muskote
4. Feldtagebücher
4.1 Tagebücher und Biographien
4.1.1 Authentizität
4.1.2 Schreibmotivation
4.1.3 Stil
4.1.4 Kultureller Kontext
4.1.5 Sozialer Kontext
4.2 Geo Götsch
4.2.1 Einordnung
4.2.2 Kriegsschuld
4.2.3 Kriegsbegeisterung
4.2.4 Kriegsparteien
4.2.5 Stil
4.2.6 Kultur
4.2.7 Ideale
4.3 Otto Neumann
4.3.1 Einordnung
4.3.2 Kriegsschuld
4.3.3 Kriegsbegeisterung
4.3.4 Kriegsparteien
4.3.5 Stil
4.3.6 Kultur
4.3.7 Ideale
5. Stellungnahme
5.1 Zusammenfassung
5.2 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kontinuität und den Wandel der Ideale innerhalb der deutschen Jugendbewegung, namentlich des Wandervogels, unter dem Eindruck der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. Dabei wird analysiert, wie diese Bewegung trotz der erschütternden Kriegserlebnisse ihre Identität, ihre Wertvorstellungen und ihre interne Struktur mittels ihrer Schriften, Erzählungen und Feldtagebücher aufrechterhielt und fortentwickelte.
2.2.1 Selbstverständnis
Entsprechend dieser besonderen Probleme werden die Zeitschriften speziell für die Soldaten konzipiert und herausgegeben, und erstrecken sich in den ersten Zwiespruchausgaben von der Maas bis an die Mosel, was in der weiteren Entwicklung auf die gesamte Westfront ausgedehnt wird. Der Ostbrief sieht seine Aufgabe ganz besonders in der Unterstützung der im Schützengraben liegenden Wandervögel: „Ihr Frontleute, sorgt, daß die Etappe sich nicht zu breit macht. Ihr seid die Hauptsache für Euch soll der Rundbrief in erster Linie sein.“ Die Zeitschrift soll Beistand für die Soldaten in ihrer Gewissens- und Seelennot sein, die sich aus ihrer Vereinzelung in der Masse der Soldaten ergibt, die nicht die Ideale teilt, für die die Wandervögel eintreten: „Wandervögel im Felde! Vielen von Euch ist’s wohl so ergangen: Durch den Krieg seid Ihr jäh herausgerissen aus eurem Freundeskreis, [...] Einsam und verlassen, täglich verfolgt von Unverständnis und Schmutz.“ Dem Leben an der Front in Schützengraben und Unterstand, das häufig geprägt ist durch starken Alkoholkonsum, durch billige Unterhaltung wie Kino, Bordelle usw. gilt es, seine Gesinnung entgegenzustellen und sie zu bewahren. Dies gelingt vor allem durch Kontaktaufnahme mit Gleichgesinnten, sei es in Form der Zeitschriften, in persönlichen Briefen oder am besten bei Treffen: „Sie schreiben einander fleißig von ihren Freuden und Leiden. Mag man auch oft in diesen Briefen von Tod und Wunden lesen, die Freude überwiegt doch immer, das Glück über heilige Stunden im Beisammensein mit Menschen unserer Art und über wiedergewonnenes Wandervogeltum mitten im Grau des Kriegsbetriebes.“
Einführung: Überblick über die Ursprünge des Wandervogels, seine Entwicklung bis 1914 und die grundsätzliche Problemstellung der Arbeit.
1. Wandervogel und Freideutsche Jugend im Ersten Weltkrieg: Aufarbeitung des Forschungsstands und Auseinandersetzung mit der These der allgemeinen Kriegsbegeisterung.
2. Wandervogelzeitschriften: Analyse der zivilen und militärischen Publikationen als zentrale Kommunikationsmedien zur Idealerhaltung und Selbstvergewisserung.
3. Kriegserzählungen: Untersuchung der literarischen Aufarbeitung von Krieg und Wandervogel-Idealen durch zeitgenössische Autoren der Bewegung.
4. Feldtagebücher: Exemplarische Analyse der persönlichen Aufzeichnungen von Geo Götsch und Otto Neumann zur Mentalitätsgeschichte.
5. Stellungnahme: Zusammenfassung der Erkenntnisse über die Wandlungsfähigkeit der Bewegung und Ausblick auf künftige Forschungsmöglichkeiten.
Wandervogel, Deutsche Jugendbewegung, Erster Weltkrieg, Feldzeitschriften, Feldtagebücher, Kriegsbegeisterung, Idealismus, Identität, Gemeinschaft, Fronterfahrung, Werte, Selbstverständnis, Kulturpflege, Friedenssehnsucht, Jugendbewegung.
Die Arbeit analysiert, wie die deutsche Jugendbewegung (der Wandervogel) mit dem Ersten Weltkrieg umging und wie sie ihre Ideale und ihre Gemeinschaftsstrukturen unter den extremen Bedingungen des Krieges bewahrte.
Im Zentrum stehen die Zeitschriften der Wandervögel, erzählende Literatur über den Krieg sowie persönliche Feldtagebücher, die als Quellen für den mentalen Wandel innerhalb der Bewegung dienen.
Der Autor hinterfragt, wie eine reformorientierte Bewegung das schreckliche Erlebnis des Ersten Weltkriegs überstand, wie ihre Mitglieder ihre Ideale rechtfertigten und inwieweit die These der pauschalen Kriegsbegeisterung durch Quellen belegbar ist.
Es handelt sich um eine historische und literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Primärquellen (Zeitschriften, Tagebücher, Erzählungen) auswertet, um die Mentalität der damaligen Soldaten und ihre Selbstkonstruktion zu erfassen.
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen publizistischen Instrumente (Bundesblätter, Feldrundbriefe) und das individuelle schriftstellerische sowie tagebuchartige Schaffen, wobei besonders die Diskrepanz zwischen idealistischem Anspruch und soldatischer Realität thematisiert wird.
Die wichtigsten Schlagworte sind Wandervogel, Erste Weltkrieg, Kriegsbegeisterung, Idealismus, Identitätsstiftung, Feldtagebücher und Gemeinschaftsbildung.
Die sogenannten "Nester" waren kleine, informelle Gruppenräume oder Anlaufstellen der Feldwandervögel, die als soziale Schutzräume dienten, um den negativen Einflüssen des Frontalltags zu entkommen und das Gemeinschaftsgefühl durch Gesang und Gespräch zu stärken.
Der Autor sieht in der Literatur eine grundlegende seelische Überlebenshilfe. Sie ermöglichte den Soldaten eine Reflexion ihrer eigenen Situation und bot verschiedene "Sinngebungsstrategien" an, um das Erlebte, einschließlich Leiden und Sterben, in ihren Ideenkosmos einzubetten.
Das Ergebnis zeigt, dass eine "umfassende Kriegsbegeisterung" als pauschales Phänomen nicht haltbar ist. Vielmehr durchliefen die Mitglieder verschiedene Phasen, von anfänglicher Naivität über Desillusionierung bis hin zu einer differenzierten, teils resignierten oder kritischen Haltung, wobei viele den Krieg primär als notwendiges, wenn auch tragisches Schicksal betrachteten.
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