Examensarbeit, 2007
63 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
I.1 Rahmen der Staatsarbeit
I.2 Ziele
I.3 Fragestellung und Aufbau der Arbeit
II. Definitionen
II.1 Naturerlebnis
II.2 Landschaftswahrnehmung
II.3 Frühe deutsche Jugendbewegung
III. Rahmenbedingungen des Naturerlebnisses und der Landschaftswahrnehmung der frühen deutschen Jugendbewegung
III.1 Sozialisation der Wandervögel
III.1.1 Soziale Herkunft
III.1.2 Soziale Struktur der bürgerlichen Wandervogelbewegung
III.1.3 Soziale Struktur der Arbeiterjugendbewegung
III.2 Die frühe deutsche Jugendbewegung in der Schule
III.2.1 Das Gymnasium Steglitz
III.3 Bedeutung des Trägervereins des Wandervogels
III.4 Vorläufer der Jugendbewegung
III.4.1 Wandervereine
III.4.2 Studentisches Wandern
III.4.3 Wandererziehung in der Schule
III.5 Steglitz als Ausgangspunkt der Jugendbewegung
IV. Ausdruck des Naturerlebnisses und der Landschaftswahrnehmung in der frühen deutschen Jugendbewegung
IV.1 Gruppenaktivitäten
IV.1.1 Nestabende
IV.1.2 Fahrten
IV.1.3 Kleidung
IV.1.3.1 Alltagskleidung
IV.1.3.2 Kleidung der Wandervögel bei Fahrt und Lager
IV.2 Gruppenheime
IV.3 Der Erste Freideutsche Jugendtag
V. Rezeption der Aktivitäten
V.1 Fahrten- und Lagerberichte
V.2 Musik
V.2.1 Gesang und Instrumente
V.2.2 Grün-Rot-Gold – Das Wandervogelbundeslied
V.2.3 Liederbücher
V.2.3.1 Der Zupfgeigenhansl
V.2.3.2 Andere Liedersammlungen
V.3 Fotografien
VI. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Naturerlebnis und die Landschaftswahrnehmung der frühen deutschen Jugendbewegung von der Gründung des „Ausschusses für Schülerfahrten“ 1896 bis zum Ersten Freideutschen Jugendtag 1913. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, das spezifische Natur- und Landschaftsverständnis der Bewegung zu ergründen, seinen Ursprung zu identifizieren und die praktischen Ausdrucksformen in Gruppenaktivitäten sowie Medien zu analysieren.
IV.1.3 Kleidung
Der Zusammenhang zwischen dem Kleidungsverhalten der frühen deutschen Jugendbewegung und ihrer Wahrnehmung von Landschaft und Natur scheint zunächst nicht eindeutig. Kleidung war -und ist es noch- nicht nur Ausdruck von Mode, sondern zeigte auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gesellschaftsschicht und damit auch zu bestimmten Normen und Verhaltensmustern, und ist wohl eine der „[...]differenziertesten Möglichkeiten, Gruppenzugehörigkeiten und -grenzen aufzuzeigen. [...] Mit der Kleidung kann man eine ganze Skala von der sozialen Zuordnung ausrücken: von der „persönlichen“ Note des einzelnen über kleinere Gruppen (Jugendgruppen, Vereine usw.) bis zu Regionalgruppen und Großverbänden (Uniformen der Eisenbahner, der Soldaten), ja bis hin zu nationalen Kennzeichen (wie der Baskenmütze der Franzosen).“
Kleidung war immer zweckmäßig: repräsentativ, ansprechend, oder praktisch. Der Aufenthalt der zur frühen deutschen Jugendbewegung gehörenden Jugendlichen im Freien war nur durch angemessene Kleidung möglich. Das unmittelbare Erleben von Natur hing von Kleidung ab, die dem Wetter trotzte, das Wandern ermöglichte und die zudem erschwinglich war, so dass Beschädigungen oder Abnutzungen durch starken Gebrauch keine nachhaltigen finanziellen Folgen für den Besitzer hatten. Aber unterlag die Kleidung des Wandervogels unterlag auch einer bestimmten Mode, die sich durch bewusste Abgrenzung von der sonst üblichen Alltagskleidung auszeichnete.
I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Rahmen der Untersuchung, definiert die Zielsetzung zur Analyse des Naturverständnisses der frühen Jugendbewegung und erläutert den thematischen Aufbau der Arbeit.
II. Definitionen: Hier werden die zentralen Begriffe „Naturerlebnis“, „Landschaftswahrnehmung“ und „Frühe deutsche Jugendbewegung“ wissenschaftlich eingegrenzt und definiert.
III. Rahmenbedingungen des Naturerlebnisses und der Landschaftswahrnehmung der frühen deutschen Jugendbewegung: Dieses Kapitel untersucht die soziologischen Hintergründe der Jugendlichen, den Einfluss der Schule sowie die Vorläufer der Bewegung und die Bedeutung Steglitz als Gründungsort.
IV. Ausdruck des Naturerlebnisses und der Landschaftswahrnehmung in der frühen deutschen Jugendbewegung: Hier werden die praktischen Ausdrucksformen, namentlich Gruppenaktivitäten, Kleidung, Gruppenheime und der Erste Freideutsche Jugendtag, im Hinblick auf das Naturverständnis analysiert.
V. Rezeption der Aktivitäten: Das Kapitel befasst sich mit der Aufarbeitung der Erlebnisse durch Fahrtenberichte, Musik, Liederbücher und Fotografien als Spiegel der Landschaftswahrnehmung.
VI. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und ordnet das romantisch-mittelalterliche Landschaftsbild der Jugendbewegung in den gesellschaftlichen Kontext der Industrialisierung ein.
Jugendbewegung, Wandervogel, Naturerlebnis, Landschaftswahrnehmung, Steglitz, Wandern, Arbeiterjugendbewegung, Industrialisierung, Reformpädagogik, Zupfgeigenhansl, Freideutscher Jugendtag, Meißnerformel, Fotografie, Kleidung, Heimat.
Die Arbeit untersucht das Naturerlebnis und die Landschaftswahrnehmung der frühen deutschen Jugendbewegung zwischen 1896 und 1913.
Die zentralen Themen sind die soziale Herkunft der Jugendlichen, die Rolle der Schule, die Bedeutung von Gruppenaktivitäten, Kleidung und Landheimen sowie die mediale Aufarbeitung durch Literatur, Musik und Fotografie.
Ziel ist es, das ideale Naturbild der frühen Jugendbewegung herauszuarbeiten und zu erklären, warum sich die Bewegung auf eine bestimmte Art und Weise mit Natur und Landschaft auseinandersetzte.
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Primärquellen der Jugendbewegung, ergänzt durch historische Literatur zur Jugendbewegung und zur allgemeinen Geschichte der Natur- und Landschaftswahrnehmung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Rahmenbedingungen, die praktischen Ausdrucksformen (Aktivitäten, Kleidung, Unterkünfte) und die Rezeption dieser Erlebnisse in den Medien der Bewegung.
Wichtige Begriffe sind Jugendbewegung, Wandervogel, Naturerlebnis, Landschaftswahrnehmung, industrielle Umbruchzeit und gesellschaftliche Gegenbewegung.
Die soziale Herkunft beeinflusste die Möglichkeiten zur Teilhabe an der Bewegung und die Motivation: Während das Bürgertum primär nach einem romantischen Naturideal suchte, diente das Wandern der Arbeiterjugend verstärkt als Erholungsfunktion und Protest gegen schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen.
Steglitz gilt als Keimzelle des Wandervogels, da hier aus einer Stenographiegruppe am Gymnasium Steglitz die erste Jugendwandergruppe unter Hermann Hoffmann und Karl Fischer entstand.
Der Jugendtag auf dem Hohen Meißner war der organisatorische und ideologische Höhepunkt der frühen Jugendbewegung, an dem sich verschiedene Gruppen zur „Freideutschen Jugend“ zusammenschlossen.
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