Bachelorarbeit, 2005
54 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Definitorische Einführungen
2.1. Rezeptionstheorien
2.2. Formen der Kriminalliteratur – ein gattungsästhetischer Abriss
2.3. Zur Theorie des Detektivromans
3. Christies Werk
3.1. Gattungsbezeichnungen
3.2. Christies formeller Rahmen
4. Zur Popularität der Christie-Rezeption: Belege und erste Ursachenanalyse
4.1. Paratextuelle Rezeptionssignale: Die Relevanz divergenter Verlagsausgaben
4.1.1. Einbandgestaltungen
4.1.2. Titel
4.2. Internationalität
4.3. Strukturorientierte Rezeptionsanalyse: Christie als intellektuelle Trainerin
5. Psychologisch determinierte Rezeptionsmotive: Christies ‚Gebrauchswert’
5.1. Leser und Bedürfnisse
5.2. Unterhaltungsliteratur
5.3. Spannung und Angstlust
5.4. Beruhigung
5.5. Exkurs 1: Spezifische Christie-Rezeption in der Nachkriegszeit
5.6. Exkurs 2: Besonderheiten der heutigen Christie-Rezeption
6. Zur medialen Ausweitung des Christieschen Werkes
6.1. Aktuelle Filmprojekte
6.2. Literaturverfilmungen: Möglichkeiten und Probleme
7. Die produktive Christie-Rezeption in Deutschland
7.1. Exemplarische Autorenanalyse: Sabine Deitmer – eine deutsche Autorin auf Christies Spuren?
7.2. Übertragung auf die aktuelle deutsche Krimi-Landschaft
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische und mediale Rezeption der Detektivromane von Agatha Christie im deutschsprachigen Raum, mit dem Ziel, die Gründe für die anhaltende Popularität der Autorin sowie deren Einfluss auf die deutsche Kriminalliteratur zu analysieren.
3.2. Christies formeller Rahmen
Die Detektivromane Agatha Christies, als deren direkte Wegbereiter vor allem Edgar Allan Poe mit seiner Erzählung The Murder in the Rue Morgue (1841) und Arthur Conan Doyles Romane und Kurzgeschichten um den schnell berühmt gewordenen Sherlock Holmes (1887-1927) gesehen werden können, haben, wie Allingham betont, eine enorme Bedeutung für die Gattungsgeschichte der pointierten Rätselliteratur, da sie einer „somewhat loose art form […] a concrete shape […] [with] both life and a tradition“ gaben. Die strukturellen und inhaltlichen Besonderheiten der Christieschen Werke verdienen aufgrund ihrer Rezeptionswirksamkeit eine kurze Einführung:
Agatha Christie sah sich selbst als solide Handwerkerin, die ihre Bücher mittels angelernter technischer Fähigkeiten verfasste und keineswegs im Zeichen eines von Gott begünstigten Genies zu stehen glaubte – hier findet der Vorwurf des übersteigerten Schematismus gewiss Anklang. Das formelle Verfahren Agatha Christies lässt sich – einige abweichende Exzeptionen ausgenommen – im Grunde unter folgendes ‚Kurzrezept’ fassen: Innerhalb des gehobenen englischen Bürgertums zu Beginn des 20. Jahrhunderts veranlasst ein die vollkommene Idylle der Ausgangssituation zerstörender Mord durch einen Unbekannten das allgemeine Bestreben nach der Enträtselung der bedrohlichen Ungewissheit. Das soziale System der a-realistisch angelegten Romanwelt hat nämlich durch die Untat unschöne Veränderungen erfahren, die es wieder zu beschönigen gilt, indem das Mordrätsel auf analytisch-ordnendem Wege und unter Zuhilfenahme des Ausschlussverfahrens gelöst und so die ursprüngliche Harmonie zurückerlangt wird. Hierbei sind die Hauptbeteiligten das (oftmals unsympathische, lasterhafte) Opfer, ein raffinierter (stereotypisierter) Detektiv und der das Böse personifizierende Mörder. Nach eingehender, systematischer Befragung aller beteiligten (und damit verdächtigen) Individuen des geschlossenen Personenkreises ist der Detektiv in der Lage, die vertrackte, oftmals äußerst unwahrscheinliche Verbrechensgeschichte zu rekonstruieren, alle Rätseleinheiten aufzulösen und der Geschichte durch Zurückgabe der anfänglichen Idylle ihre formelle Geschlossenheit zu geben.
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die enorme weltweite Popularität von Agatha Christie und definiert die Forschungsfragen hinsichtlich der deutschen Rezeption, der werktypischen Strukturen und der Auswirkungen auf die Kriminalliteratur.
2. Definitorische Einführungen: Hier werden rezeptionstheoretische Grundlagen sowie gattungsgeschichtliche Merkmale der Kriminalliteratur und des Detektivromans dargelegt.
3. Christies Werk: Dieser Abschnitt erörtert gattungstypische Bezeichnungen und das formelle Grundgerüst der Kriminalromane Christies.
4. Zur Popularität der Christie-Rezeption: Belege und erste Ursachenanalyse: Das Kapitel untersucht anhand von paratextuellen Signalen in Verlagsausgaben und einer strukturorientierten Analyse die Anziehungskraft Christies.
5. Psychologisch determinierte Rezeptionsmotive: Christies ‚Gebrauchswert’: Es wird analysiert, welche menschlichen Bedürfnisse nach Sicherheit, Unterhaltung und Ordnung durch Christies Werke bedient werden.
6. Zur medialen Ausweitung des Christieschen Werkes: Das Kapitel betrachtet die Transformation der literarischen Stoffe in Film, Fernsehen und neue Medien wie Hörbücher oder PC-Spiele.
7. Die produktive Christie-Rezeption in Deutschland: Hier wird der Einfluss von Christie auf deutsche Autoren, exemplarisch dargestellt an Sabine Deitmer, sowie auf die deutsche Krimi-Landschaft allgemein untersucht.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die anhaltende Bedeutung von Christies Werk als Vorbild und Forschungsobjekt.
Agatha Christie, Kriminalliteratur, Detektivroman, Rezeptionstheorie, Rätselroman, Whodunit, Leserforschung, Unterhaltungsliteratur, Literaturverfilmung, deutsche Kriminalliteratur, Sabine Deitmer, Genre, Krimi-Landschaft, Wirkungsästhetik, Spannung.
Die Arbeit untersucht die Rezeption der Detektivromane von Agatha Christie in Deutschland, wobei sowohl literaturwissenschaftliche als auch soziologische und psychologische Perspektiven auf den Erfolg der Autorin und ihren Einfluss auf das deutsche Krimi-Genre beleuchtet werden.
Die zentralen Felder umfassen die Rezeptionstheorie, den gattungstypischen Aufbau der Kriminalromane, die psychologischen Hintergründe der Leserbedürfnisse, die mediale Transformation in den Film und den produktiven Einfluss auf zeitgenössische deutsche Kriminalautoren.
Das primäre Ziel ist es, den Erfolg von Christie in Deutschland zu erklären, indem nachgewiesen wird, welche strukturellen und psychologischen Faktoren die anhaltende Popularität und die weitreichende mediale Adaption ihres Werkes bedingen.
Die Arbeit basiert primär auf einer literaturwissenschaftlichen Rezeptionsanalyse, ergänzt durch Ansätze aus der Buchmarktforschung, der Psychologie und der Medienwissenschaft, um die Wirkungsweise der Christie-Romane zu untersuchen.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der strukturellen Analyse von Christies Werken, den psychologischen Motiven der Leser (wie Unterhaltungswert, Angstlust und Beruhigung), der paratextuellen Aufmachung der Bücher sowie der Transformation der Romane in audiovisuelle Medien.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Agatha Christie, Kriminalliteratur, Detektivroman, Rezeptionstheorie, Rätselroman, Whodunit, Wirkungsästhetik und die produktive Autoren-Rezeption (exemplarisch Sabine Deitmer) charakterisiert.
Sabine Deitmer dient als Fallbeispiel für eine deutsche Autorin, um zu zeigen, wie heutige deutsche Kriminalautoren einerseits Kernelemente des klassischen Christie-Modells übernehmen und andererseits den Gattungswandel hin zu mehr Sozialkritik und Realitätsbezug vollziehen.
Die Arbeit konstatiert einen Wandel: Während Christie-Krimis früher ein hohes Bedürfnis nach Ordnung und Sicherheit stillten, werden sie heute oft unter einem postmodernen oder nostalgischen Blickwinkel gelesen. Die moderne filmische Modernisierung versucht, diese "klassischen" Stoffe einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen.
Für die Analyse ist diese Unterscheidung entscheidend, da Christies Romane als "pointierte Rätselromane" fungieren, deren Doppelstruktur (Verbrechen und Aufklärung) ein rein intellektuelles Spiel erfordert, im Gegensatz zur Handlungsdominanz ("Action") des Thrillers.
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