Essay, 1986
10 Seiten
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
I
II
III
IV
V
VI
VII
VIII
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der bestehenden Unordnung in der Gattungspoetik auseinander und zielt darauf ab, die Begriffe der poetischen Grundhaltungen, Grundbegriffe und Gattungen präziser voneinander abzugrenzen, um eine systematische Ordnung in die literaturwissenschaftliche Kategorisierung zu bringen.
VI
Der Gattungsbegriff ist m.W. bisher noch niemals vom Strukturbegriff abgegrenzt worden, obwohl beide sich auf das Zusammenwirken von Inhalt, Gehalt und Gestalt im Sprachkunstwerk beziehen.
Wenn wir mit Herman Meyer [11] unter Struktur "die das Werk durchwaltende Ordnung" verstehen”, die bedingt wird durch den Charakter des Ganzen und der Teile in ihrem gegenseitigen Zusammenhang" so können wir kurz sagen: Gattungen sind Gruppierungen von Dichtungen, die sich in entscheidenden Strukturmerkmalen ähneln. Meyer erklärt nämlich näher: "Form und Inhalt sind beide Material im Sprachkunstwerk, insoweit sie unterm Aspekt ihres isolierten Soseins betrachtet werden: sie gehören zur Struktur, insoweit sie miteinander in Verbindung treten und an der ästhetischen Ordnung des Werkes teilhaben, indem sie diese mitstatuieren."
Jedes Sprachkunstwerk weist also neben individuellen Strukturzügen auch solche auf, die es einer Gattung (oder mehreren) zuordnen. Anders ausgedrückt: Inhalt, Gehalt und Gestalt verbinden sich in jedem Kunstwerk auf besondere Weise zu dessen einmaliger Struktur. Man kann aber Strukturen so abwandeln, dass sie sich nicht völlig verändern, sondern Gruppen bilden, deren Glieder man an der Ähnlichkeit der Struktur noch erkennt. Es handelt sich dann nicht mehr um die Struktur einer besonderen Dichtung, sondern um eine Struktur, die man in Abwandlungen wieder erkennt. Manche Strukturen zeigen sich nämlich besonders geeignet, menschliche Erlebnisse auszudrücken. Sie werden deshalb wiederholt. Sie können sich in einem oder mehreren Bestandteilen abwandeln, im Inhalt, Gehalt oder gar in der Gestalt. Solche nicht einmaligen aber doch relativ festen Strukturen nennen wir Gattungen. Eine Gattung können wir also als typische Verbindung von Inhalt, Gehalt und Gestalt (Struktur) definieren, die oft wiederholt und abgewandelt wird, ohne dabei ihre Eigenart zu verlieren. Diese ihre Eigenart ist bei jeder einzelnen Gattung verschieden stark festgelegt, beim Sonnet z.B. stärker als beim Roman. Kunstwerke haben also mit den Lebewesen eines gemeinsam: Ihre Charakteristika verbinden sich in ihnen auf besondere und typische Weise zugleich: auf typische Weise, dem Gepräge der Gattung entsprechend - und darüber hinaus auf besondere und einmalige Weise zur unverwechselbaren Individualität.
I: Der Autor thematisiert die mangelnde wissenschaftliche Einigkeit hinsichtlich des Wesens und der Funktion literarischer Gattungen und fordert eine fundierte Zusammenschau.
II: Es wird die Notwendigkeit aufgezeigt, eine einheitliche Nomenklatur zu schaffen, und sieben verschiedene Schichten von Kategorien zur Einteilung von Dichtung vorgestellt.
III: Das Kapitel diskutiert die Anzahl der notwendigen Grundhaltungen und kritisiert die willkürliche Ausgrenzung didaktischer Dichtung aus dem klassischen System.
IV: Hier wird die Problematik der gegenseitigen Abgrenzung und der relativen Logik geisteswissenschaftlicher Kategorien im Vergleich zu naturwissenschaftlichen Begriffen erörtert.
V: Der Fokus liegt auf der bisher vernachlässigten Untersuchung, wie sich Grundbegriffe konkret in Gattungen und individuellen Sprachkunstwerken auswirken.
VI: Es wird eine Definition der Gattung als typische Verbindung von Inhalt, Gehalt und Gestalt (Struktur) erarbeitet und vom individuellen Kunstwerk abgegrenzt.
VII: Das Kapitel widmet sich den Schwierigkeiten bei der Abgrenzung poetischer Grundbegriffe von verwandten Phänomenen wie Tragik, Komik oder Ironie.
VIII: Abschließend werden Randprobleme wie Mischkünste, mündlich gebundene Vortragskünste und das Verhältnis von Sprechhaltung zur poetischen Grundhaltung skizziert.
Gattungspoetik, Literaturwissenschaft, Grundhaltungen, Grundbegriffe, Struktur, Sprachkunstwerk, Gattungen, Lyrik, Epik, Dramatik, Publikumsbezug, Klassifizierung, Geisteswissenschaft, Poetik, Didaktik
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik der literarischen Gattungspoetik und der Notwendigkeit, eine präzise und systematische Ordnung in die Begrifflichkeiten zur Einteilung von Dichtung zu bringen.
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Grundhaltungen und Grundbegriffen, das Verhältnis von Struktur und Gattung sowie die Rolle des Publikumsbezugs in der Literatur.
Das Ziel ist es, die bestehende Verwirrung in der Begriffsanwendung aufzulösen und methodische Ansätze für eine fundierte Einteilung literarischer Erscheinungen zu liefern.
Der Autor nutzt eine systematische analytische Methode, die geisteswissenschaftliche Kategorien kritisch hinterfragt und den Fokus auf die tatsächliche Auswirkung dieser Begriffe im Sprachkunstwerk legt.
Im Hauptteil werden sieben Kategorisierungsschichten vorgestellt, die Abgrenzung zum Strukturbegriff vorgenommen und komplexe Zusammenhänge zwischen Grundhaltungen und Gattungen analysiert.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gattungspoetik, Grundhaltungen, Struktur, Sprachkunstwerk und die kritische Auseinandersetzung mit der literaturwissenschaftlichen Systematik.
Der Autor argumentiert, dass diese Unterscheidung empirisch nicht haltbar ist, da fast alle Gattungen eine große Variationsbreite aufweisen und selbst vermeintlich "autonome" Werke zweckbestimmte Elemente enthalten können.
Der Autor definiert Gattungen als wiederkehrende Gruppierungen von Dichtungen, die sich in entscheidenden Strukturmerkmalen ähneln, wobei die Struktur die das Werk durchwaltende Ordnung darstellt, die aus Inhalt, Gehalt und Gestalt resultiert.
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