Bachelorarbeit, 2007
47 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
I.1) Einführung in den Themenkomplex und Entwicklung der Fragestellung: Der Sozialstaat – ein Modell jenseits der wirtschaftlichen Rationalität?
I.2) Fragestellung, These und Konzeption der Analyse
I.3) Leben und Werk François PERROUX’
I.4) Darstellung des Forschungsstandes bezüglich der Ausgangsfragestellung
II) Analyse: Welche wirtschaftstheoretische Legitimation für einen aktiven Staat, der interveniert und umverteilt, liefert die Theorie François PERROUX’ ausgehend von einem neuen Menschenbild?
II.1) Warum die neoklassische Theorie den Staat marginalisiert – vom Ausschluss von Zwang und Geschenken
II.1.1) PERROUX’ Verständnis des neoklassischen Konzepts der Marktwirtschaft über den händlerischen Tausch
II.1.2) Warum in der klassischen Konzeption der Marktwirtschaft Zwang und Geschenke jenseits der wirtschaftlichen Rationalität stehen
II.1.3) Warum die Neoklassik auch staatliche Interventionen und Umverteilungen ausschließt und den Staat damit marginalisiert
II.2) Warum PERROUX das neoklassische Menschenbild verwirft und eine humanistische Wirtschaftstheorie entgegensetzt
II.2.1) Die Realitätsferne der neoklassischen Konzeption der Marktwirtschaft
II.2.2) Die Theorie der monopolistischen Konkurrenz als Übergangspunkt zur Theorie PERROUX’
II.2.3) PERROUX’ Gegenentwurf der „verallgemeinerten Theorie“ und die Integration von Zwang und Geschenken
II.3) Warum laut dieser verallgemeinerten Theorie der Staat zum aktiven Akteur werden muss – die Legitimation von staatlichen Interventionen und Umverteilungen
II.3.1) Der Ausgleich unproduktiver Ungleichheiten zur Steigerung des Gesamtprodukts
II.3.2) Die Verhinderung der Zerstörung des politischen und gesellschaftlichen Rahmens der Marktwirtschaft
II.3.3) Der Sozialstaat als Korrektur der individuellen Buchhaltung zur Erhaltung der menschlichen Ressourcen
III) Zusammenfassung und kritische Diskussion
III.1) Zusammenfassung der Ergebnisse
III.2) Inhaltliche und formale Kohärenz der Argumentation sowie deren Realitätsbezug
III. 3) Otfried HÖFFES Legitimation des Sozialstaats über den Tausch – Aufzeigen eines alternativen Argumentationsweges und der Grenzen der PERROUX’schen Konzeption
III.4) Diskussion des Beitrags François PERROUX’ zur wissenschaftlichen Diskussion
Die Arbeit untersucht, wie François Perroux eine wirtschaftstheoretische Legitimation für einen aktiven, intervenierenden und umverteilenden Staat ableitet. Dabei wird analysiert, wie er das neoklassische Menschenbild kritisiert und durch einen humanistischen Gegenentwurf ersetzt, um staatliche Eingriffe als notwendige Korrektur der Marktwirtschaft zu begründen.
II.1.1) PERROUX’ Verständnis des neoklassischen Konzepts der Marktwirtschaft über den händlerischen Tausch
Am Anfang der Auseinandersetzung mit dem Werk PERROUX’ hinsichtlich der Ausgangsfragestellung steht eine grundlegende Schwierigkeit: In nahezu allen Arbeiten wird man den Begriff der ‚Marktwirtschaft’ vergeblich suchen. Will man jedoch zeigen, dass PERROUX in seinem Werk von einer Ablehnung des neoklassischen Konzeptes der Marktwirtschaft ausgeht, muss man zunächst belegen, dass seine Theorie überhaupt auf den Gegenstand der Marktwirtschaft abzielt. Ein solches Vorgehen erscheint an dieser Stelle sinnvoll, da auf diesem Wege nicht nur eine Begriffsklärung geleistet wird, sondern zugleich das Verständnis PERROUX’ von der neoklassischen Theorie herausgearbeitet werden kann. Auf Basis dieser Bestimmung kann anschließend die Rolle von Zwang und Geschenken und damit der Ausschluss von staatlichen Umverteilungen und Marktinterventionen in der neoklassischen Theorie näher untersucht werden.
Zunächst seien also die Begrifflichkeiten geklärt. In seiner Auseinandersetzung wählt PERROUX nahezu durchgehend den Begriff der „Händlergesellschaft“. In dieser Begrifflichkeit referiert er auf eine Definition von Karl MARX:
„Die Händlergesellschaft […] wird so definiert, daß in ihr auf Grund der Arbeitsteilung jeder Mensch vom Tausch lebt und zu einer Art von Händler wird. Die ‚Gesellschaft’ wird dann selbst zu einer ‚Händlergesellschaft’.“
Es wird hinsichtlich der Fragestellung dieses ersten Analyseschrittes nun zu zeigen sein, dass PERROUX unter der ‚Händlergesellschaft’ zum einen überhaupt die Marktwirtschaft versteht und zum anderen dabei speziell deren neoklassische Konzeption thematisiert. Dabei soll bei dem zentralen Element der oben zitierten Definition Marx’, dem Tausch, angeknüpft werden. Dessen nähere Bestimmung führt zum Wesen der ‚Händlergesellschaft’, wie PERROUX sie versteht. Er bezieht sich dabei auf Frank H. Knight und behauptet:
„Der Tausch […] bedeutet die freiwillige gegenseitige Übertragung eines Besitzgegenstandes oder einer Leistung, wobei die ausgetauschten Dinge grundsätzlich gleich sind. Diese Gleichwertigkeit beruht auf wirtschaftlicher Rationalität und den Institutionen des entwickelten Marktes.“
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Themenkomplex ein, entwickelt die zentrale Fragestellung zur Rolle des Sozialstaats und stellt Leben sowie Werk von François Perroux vor.
II) Analyse: Welche wirtschaftstheoretische Legitimation für einen aktiven Staat, der interveniert und umverteilt, liefert die Theorie François PERROUX’ ausgehend von einem neuen Menschenbild?: Dieser Hauptteil analysiert die Kritik Perroux’ an der Neoklassik, die Herleitung seiner verallgemeinerten Theorie und die daraus resultierende Notwendigkeit eines aktiven Staates.
III) Zusammenfassung und kritische Diskussion: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Theorie Perroux’ unter Einbeziehung kritischer Stimmen sowie im Vergleich zu alternativen Ansätzen, insbesondere denen von Otfried Höffes, diskutiert.
François Perroux, Sozialstaat, Neoklassik, Marktwirtschaft, Händlergesellschaft, wirtschaftliche Rationalität, Umverteilung, Marktintervention, Machttheorie, Humanistischer Gegenentwurf, Tausch, Geschenk, Zwang, Otfried Hölle, Institutionenökonomie.
Die Arbeit untersucht die theoretische Begründung für einen aktiven Sozialstaat aus der Perspektive des französischen Wirtschaftstheoretikers François Perroux und fragt, ob dieser jenseits klassischer marktwirtschaftlicher Rationalitätsmodelle legitimiert werden kann.
Zentrale Themen sind die Kritik an neoklassischen anthropologischen Prämissen, die Neudefinition von Marktwirtschaft als „Händlergesellschaft“ sowie die Integration von Macht, Zwang und Geschenken in ein ökonomisches Kalkül.
Die Arbeit fragt, welche wirtschaftstheoretische Legitimation für einen intervenierenden und umverteilenden Staat die Theorie von François Perroux liefert, wenn man von einem humanistischen Menschenbild ausgeht.
Es wird eine systematische, analytische Literatur- und Theorieanalyse angewandt, die den Gegenentwurf Perroux’ zur neoklassischen Theorie dekonstruiert und ihn kritisch mit alternativen Ansätzen kontrastiert.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit Perroux’ Begriff der Händlergesellschaft, der Überwindung des Homo oeconomicus durch ein humanistisches Modell und der daraus abgeleiteten staatlichen Korrekturpflicht.
Wichtige Begriffe sind Perroux, Sozialstaat, Händlergesellschaft, Marktwirtschaft, ökonomische Rationalität, Machttheorie und die Korrektur der individuellen Buchhaltung.
Perroux hält das neoklassische Modell für realitätsfern, da es auf einem monistischen, mathematisch reduzierten Menschenbild basiert, das individuelle und soziale Komplexität sowie Machtasymmetrien ausblendet.
Während Perroux den klassischen Tauschbegriff zugunsten einer Macht- und Transferlogik erweitert, versucht Höffes, den Sozialstaat explizit über eine erweiterte Tauschgerechtigkeit und eine Kompensationspflicht neu zu legitimieren.
Er betrachtet sie als Teil eines erweiterten Kosten-Nutzen-Kalküls, das jenseits der rein marktmäßigen Preismechanismen existiert und zur Stabilität und Funktionsfähigkeit der Marktwirtschaft beitragen kann.
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