Magisterarbeit, 2007
107 Seiten, Note: 2,1
I. Einleitung
II. Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
1. Hintergrund zu Leben und Werk
2. Inhalt
2.1 Stil und Entwicklung der Recherche
2.2 Handlung
3. Narrative Zeitstrukturen
3.1 Formale Ebene
3.1.1 Ordnung
3.1.2 Dauer
3.1.3 Frequenz
3.2 Inhaltliche Ebene
3.2.1 Die Erinnerung
3.2.2 Die wiedergefundene Zeit
III. Michael Endes Momo – oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte
1. Hintergrund zu Leben und Werk
2. Inhalt
2.1 Endes poetisches Konzept
2.2 Handlung
2.3 Exkurs: Ist Momo ein Märchen?
3. Narrative Zeitstrukturen
3.1 Formale Ebene
3.1.1 Ordnung
3.1.2 Dauer
3.1.3 Frequenz
3.2 Inhaltliche Ebene
3.2.1 Herzenszeit
IV. Zusammenfassende Beurteilung der analysierten Werke
Die vorliegende Arbeit untersucht die narrativen Zeitstrukturen in Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" und Michael Endes "Momo". Ziel ist es, die spezifischen Mittel der Zeitdarstellung auf formaler und inhaltlicher Ebene zu analysieren und zu vergleichen, um herauszuarbeiten, wie der Verlust von Zeit in beiden Werken thematisiert und durch Zeitkonzepte wie die "innere Zeitlichkeit" oder "Herzenszeit" überwunden wird.
3.1.1.2 Prolepsen
Prolepsen betreffen Ereignisse, die in dem Moment der Erzählung noch in der Zukunft liegen. In der Recherche macht Proust von dieser Form „[...] einen Gebrauch, der in der gesamten Geschichte der Erzählung [...] wohl beispiellos dasteht [...]“. Auch hier werden externe und interne Prolepsen unterschieden, und auch hier sind die letzteren von größerer Bedeutung für die Analyse der Zeit in der Recherche. Die externen Prolepsen haben meist nur eine Epilogfunktion und dienen dazu, einen Erzählstrang über das Ende der Geschichte hinaus, zu Ende zu führen, wie beispielsweise das Lebensende von Odette de Forcheville (X, 4051ff.). Die internen Prolepsen unterteilen sich, genau wie die internen Analepsen, in kompletive und repetitive und haben ebenfalls das Problem der zeitlichen Überschneidung.
a.) kompletive Prolepse – Initiation
Im Gegensatz zu der kompletiven Analepse, füllen die kompletiven Prolepsen im Voraus eine spätere Lücke aus. Sie sind somit der Ausgleich für alle folgenden Ellipsen. Charakteristisch für diese Form ist, in Bezug auf den Moment des ‚ersten Mal’, der gleichzeitige Ausblick auf eine spätere Reihe. Genette nennt es einerseits eine ‚narrative Ungeduld’, aber andererseits „[...] ein eher nostalgisches Gefühl [...], womit die Tatsache gemeint ist, daß das erste Mal gerade in dem Maße, wie man intensiv das Neue verspürt, das mit ihm anhebt, gleichzeitig (schon) ein letztes Mal ist [...]“. So bemerkt Swann innerlich, bevor er Odette das erste Mal küsst, dass er sie nun „[...] zum letzten Male in dieser Weise sah [...]“ (I, 310).
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die vergleichende Untersuchung der Zeitstrukturen in den Werken von Proust und Ende ein und definiert die methodische Grundlage nach Gérard Genette.
II. Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: Das Kapitel bietet einen Hintergrund zu Leben und Werk sowie eine detaillierte Analyse der narrativen Zeitstrukturen auf formaler und inhaltlicher Ebene, insbesondere des Gedächtnisses.
III. Michael Endes Momo – oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte: Dieses Kapitel widmet sich dem Hintergrund von Michael Ende und analysiert Momo als Märchen-Roman, wobei der Fokus auf dem Motiv der Zeit und der "Herzenszeit" liegt.
IV. Zusammenfassende Beurteilung der analysierten Werke: Hier werden die Ergebnisse des Vergleichs zusammengeführt und die Gemeinsamkeiten der Zeitdarstellung sowie deren existenzielle Bedeutung für die Protagonisten herausgearbeitet.
Narrative Zeitstrukturen, Gérard Genette, Proust, Michael Ende, Recherche, Momo, Erinnerung, mémoire involontaire, Herzenszeit, Zeitkritik, Zeitdiebe, Erzählzeit, erzählte Zeit, Funktionszeit, Zeit-Sparen.
Die Arbeit vergleicht die narrative Gestaltung von Zeit in zwei literarischen Hauptwerken: Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" und Michael Endes "Momo".
Die zentralen Themen sind das Phänomen der Zeit, die Strukturierung von Erzählzeit und erzählter Zeit sowie die philosophische und lebensweltliche Bedeutung von Erinnerung und Herzenszeit.
Das Ziel ist zu zeigen, wie beide Autoren durch den Einsatz spezifischer narrativer Mittel das Konzept der Zeit nicht nur inhaltlich verhandeln, sondern formal in die Struktur ihrer Romane einschreiben.
Die Arbeit nutzt die strukturalistische Erzählanalyse nach Gérard Genette, um die Kategorien Ordnung, Dauer und Frequenz auf die Texte anzuwenden.
Der Hauptteil analysiert jeweils für beide Romane die formale Ebene (Ordnung, Dauer, Frequenz) sowie die inhaltliche Ebene, wobei bei Proust das Gedächtnis und bei Ende die "Herzenszeit" im Zentrum stehen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zeitstrukturen, Erzählanalyse, Erinnerung, mémoire involontaire, Herzenszeit und Zeitkritik charakterisiert.
Obwohl es sich um sehr unterschiedliche literarische Gattungen handelt (ein anspruchsvoller Bildungsroman gegenüber einem Märchen-Roman), eint beide Werke der Fokus auf Zeit als existenzielles Thema, das über eine rein chronologische Dimension hinausgeht.
Das "blanc" dient als wichtiges Stilprinzip, das durch das Auslassen von Zeiträumen Kontraste erzeugt und das diskontinuierliche Fließen der Zeit im Bewusstsein des Erzählers erfahrbar macht.
Ende funktionalisiert Zeit als Metapher für die "Herzenszeit". Er kritisiert eine funktionalistische "Zeit-Sparkasse" und stellt ihr die Idee gegenüber, dass wahres Leben nur im bewussten, liebevollen Sich-Zeit-Nehmen besteht.
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