Magisterarbeit, 2007
152 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Gender
2.1 Biologisches Geschlecht und soziales Geschlecht
2.2 Doing Gender
2.3 Geschlechtsidentität und Geschlechtsrollenidentität
2.4 Geschlechterrollen und die damit verbundenen Erwartungen
2.4.1 Geschlechterrollen
2.4.2 Geschlechtsrollenerwartungen und Geschlechterschemata
2.4.2.1 Geschlechtsrollenerwartungen
2.4.2.2 Geschlechterschemata
2.4.3 Die Geschlechterstereotype
2.5 Geschlechterrollen und Verhalten
2.5.1 Geschlechterschematisches Verhalten
2.5.2 Maskulinität, Femininität und Androgynität
2.6 Die Endlosspirale der Geschlechtsrollenerwartungen
2.7 Gender Mainstreaming
2.8 Kritik
2.9 Zusammenfassung
3. Geschlechtstypisches Seminarverhalten
3.1. Geschlechtsunterschiede in der Kommunikation
3.2 Geschlechtsunterschiede in der Interaktion in Gruppen
3.2.1 Untersuchung im Rahmen des Projektes „Gender Mainstreaming“
3.2.2 In der Literatur vorgestellte Ergebnisse
3.2.2.1 Position von Dorothee Alfermann
3.2.2.2 Position von Elizabeth Aries
3.2.2.3 Position von Elisabeth Beck-Gernsheim
3.2.2.4 Position von Karin Derichs-Kunstmann et al.
3.2.2.5 Position von Claudia Schmidt
3.2.2.6 Position von Wendy Wood und Nancy Rhodes
3.3 Geschlechtsunterschiede im Führungsverhalten
3.4 Ursachen für Geschlechtsunterschiede
3.4.1 Statustheorie
3.4.2 Geschlechterrollentheorie
3.4.3 Theorie der zwei Kulturen
3.4.4 Andere Erklärungen
3.5 Kritik
3.6 Zusammenfassung
4. Erhebung
4.1 Vorbemerkungen
4.2. Methodische Vorgehensweise
4.2.1 Das Leitfadeninterview
4.2.1.1 Interviewleitfaden Lehrende
4.2.1.2 Interviewleitfaden Lernende
4.2.2 Gütekriterien
4.2.3 Methodenkritik
4.2.4 Interviewdurchführung
4.2.5 Interviewtranskription
4.2.6 Interviewauswertung
4.3 Ergebnisdarstellungen
4.4 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
4.5 Zusammenfassung
5. Implementierung/Sensibilisierung
5.1 Vorbemerkungen
5.2 Das Konzept von Karin Derichs-Kunstmann et al.
5.3 Weitere Literaturvorschläge
5.4 Zusammenfassung und Kritik
6. Fazit
Die Arbeit untersucht das geschlechtsspezifische Seminarverhalten von Studierenden an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig sowie dessen Wahrnehmung durch Lehrende und Lernende. Ziel ist es, Einblicke in die aktuelle geschlechterwissenschaftliche Diskussion zu geben, eine empirische Untersuchung mittels Leitfadeninterviews durchzuführen und darauf aufbauend Vorschläge für eine geschlechtergerechte Sensibilisierung im Lehrbetrieb zu formulieren.
3.1. Geschlechtsunterschiede in der Kommunikation
Ein signifikant wiederkehrendes Ergebnis von Untersuchungen bezüglich der Kommunikation von Frauen und Männern ist, dass Frauen „entschuldigende Einleitungsfloskeln“ benutzen oder ihre Äußerungen als Fragen formulieren (vgl. u.a. Neuendorff-Bub, S. 90). Dies ist im englischsprachigen Raum noch häufiger der Fall als in Deutschland, da dort die rhetorischen ‚taq questions’ üblich sind, die im Deutschen etwa der Bedeutung von „Nicht wahr?“, „Stimmt’s?“ respektive „Oder nicht?“ entsprechen. Frauen werden diese Formulierungen oft als Schwäche zugeschrieben, wahrscheinlicher ist aber, dass sie damit Aufmerksamkeit oder sogar die Sympathie der Gruppe erhalten möchten und für ein positives Gruppenklima sorgen wollen (vgl. Wood, Rhodes 1992).
Weibliche Gesprächsteilnehmer beachten Aussagen anderer, die inhaltlich von den ihren abweichen, stellen ihre Perspektive noch einmal deutlich dar und versuchen die Konsequenzen auf der Beziehungsebene abzuschwächen, das Gesprächsklima positiv zu halten, es entsteht möglicherweise ‚Geschwafel’ (Werner 1983, S.253f). Männliche Gesprächsteilnehmer dagegen ignorieren andere Meinungen oder sehen sie als Entfernung von der „richtigen Sichtweise“ (ebd., S. 254), in der Konsequenz entsteht ein „Aneinander-vorbei-Reden“ (ebd.) Ferner schlussfolgert Werner: „Aus beiden entsteht dann die normale heterosexuelle Unklarheit, die dringend der weiteren Klärung bedarf.“ (ebd.)
Kotthoff27 führte eine Untersuchung an der Universität Konstanz durch. Ein Dozent unterhielt sich jeweils mit einem Studenten und einer Studentin. Es war ein Rollenspiel, jedoch mit den natürlichen Rollen, d.h. der Dozent blieb der Dozent usw. Die Gesprächsteilnehmer kannten sich vorher nicht. Ziel der Studierenden sollte es sein, den Dozenten von einem fiktiven Sachverhalt zu überzeugen. Die Dialoge wurden transkribiert und per Video aufgezeichnet. Die Auswertung der Materialien ergab, dass der Student direkt, angriffslustig, forsch und letztendlich auch erfolgreich war. Die Studentin dagegen war eher nachgiebig, vorsichtiger, verständnisvoller, äußerte sich höflich, scheiterte aber dadurch, da sie den Dozenten nicht überzeugen konnte.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz der Geschlechterproblematik im Kontext der universitären Erwachsenenbildung dar, erläutert die Motivation der Autorin und definiert die Forschungsfragen der Magisterarbeit.
2. Gender: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Begriffe wie Sex und Gender, Doing Gender sowie die Konzepte von Geschlechterrollen, Stereotypen und dem Androgyniekonzept als Basis für die weitere Untersuchung.
3. Geschlechtstypisches Seminarverhalten: Hier werden Forschungsergebnisse zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in Kommunikation, Interaktion und Führungsverhalten diskutiert und Ursachen wie Statustheorien und Rollentheorien analysiert.
4. Erhebung: Dieses Kapitel beschreibt die qualitative Untersuchungsmethode der Leitfadeninterviews, die Methodik der Datenauswertung und stellt die Ergebnisse der Interviews dar.
5. Implementierung/Sensibilisierung: Hier werden Ansätze für eine geschlechtergerechte Didaktik vorgestellt und Literaturvorschläge gemacht, um Sensibilisierungsprozesse in Seminaren zu fördern.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, reflektiert die Erkenntnisse und diskutiert offene Fragen für zukünftige Forschungsvorhaben.
Gender Mainstreaming, Geschlechterrollen, Seminarverhalten, soziale Interaktion, Geschlechtsrollenerwartungen, Kommunikation, Doing Gender, Androgynität, qualitative Forschung, Leitfadeninterview, Erwachsenenbildung, Geschlechterstereotype, Machtstrukturen, Sensibilisierung, Diskussionskultur.
Die Arbeit untersucht, wie geschlechtsspezifische Verhaltensweisen in universitären Seminaren auftreten und wahrgenommen werden.
Zu den zentralen Themen gehören Kommunikation, Interaktion in Gruppen, Führungsverhalten und die Rolle von Geschlechterstereotypen im Bildungskontext.
Das Ziel ist es, das geschlechtsspezifische Seminarverhalten zu analysieren, Wahrnehmungsunterschiede zwischen Lehrenden und Lernenden aufzudecken und Ansätze zur Sensibilisierung zu erarbeiten.
Die Autorin nutzt eine intensive Literaturrecherche sowie eine eigene empirische qualitative Untersuchung, bei der Leitfadeninterviews mit Studierenden und Dozierenden durchgeführt wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Diskussion geschlechtstypischen Verhaltens und die detaillierte Vorstellung der empirischen Erhebung sowie deren Auswertung.
Die wichtigsten Schlagworte sind Gender Mainstreaming, Geschlechterrollen, Seminarverhalten und soziale Interaktion.
Die Arbeit zeigt, dass Befragte in der eigenen Einschätzung oft sehr individuelle Faktoren und Persönlichkeiten betonen, während sie bei anderen tendenziell eher in geschlechtsbezogenen Stereotypen denken.
Die Autorin schlussfolgert, dass die "Endlosspirale" aus Erwartungen und Handlungen nur durch die bewusste Reflexion dieser unbewussten Prozesse von Lehrenden und Lernenden aufgebrochen werden kann.
Die Arbeit verweist auf Literatur, die nahelegt, dass durch die politische Entwicklung in der ehemaligen DDR eine höhere Erwerbstätigkeit und positivere Einstellung zur Gleichberechtigung in Bildungsbiografien von Frauen feststellbar war.
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